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Kompressor | Beitrag vom 06.04.2018

Zum Tod des Anime-Regisseurs Isao TakahataDer Mann, der Heidi in Japan berühmt machte

Florian Höhr im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Der Filmregisseur und Gründer des Ghibli-Animationssstudios Isao Takahata  (dpa / EPA / MIKE NELSON)
Der Filmregisseur und Gründer des Ghibli-Animationssstudios Isao Takahata (dpa / EPA / MIKE NELSON)

Er galt als Großmeister des Anime, schuf die Serie Heidi: Nun ist der japanische Regisseur Isao Takahata im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein bekanntester Film "Die letzten Glühwürmchen" sei "einer der emotionalsten Animationsfilme, die je gemacht wurden", sagt Florian Höhr vom Filmfest Nipponconnection.

Vor über 40 Jahren wurde die japanische Zeichentrickserie Heidi zum ersten Mal ausgestrahlt – und ist seitdem aus Japan nicht mehr wegzudenken. Immer mal wieder tobt Heidi, das kleine Mädchen mit den großen schwarzen Augen und dem roten Kleid über japanische Fernsehbildschirme. Und auch in Karaoke-Bars des Landes gehört die Titelmelodie mit ihren Alpenjodlern ins Repertoire.

Der Schöpfer von Heidi, Filmregisseur Isao Takahata, ist nun im Alter von 82 Jahren gestorben. Er galt als Großmeister des Anime, schuf jenseits der Serie Heidi zahlreiche Filme wie beispielsweise "Die Legende der Prinzessin Kaguya", der 2015 als bester Animationsfilm für einen Oscar nominiert wurde.

1985 gründete Takahata zusammen mit dem Animationsfilmregisseur Hayao Miyazaki das Studio Ghibli – mit dem Ziel, ein japanisches Disney-Studio zu errichten. Dort schuf Takahata Filme, die über das "Naiv-Kindliche hinausgehen" und sich nicht nur an Kinder, sondern vor allem an Erwachsene richten, sagt Florian Höhr, Programmgestalter des Filmfests Nipponconnection.

Takahatas bekanntester Film "Die letzten Glühwürmchen" handelt von dem Schicksal zweier Kinder zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Japan – und endet mit dem Tod beider. Takahata habe darin seine eigenen Kriegserlebnisse verarbeitet, sagt Höhr. "Der Film ist sehr verstörend und gilt als einer der emotionalsten Animationsfilme, die jemals gemacht wurden."

Doch was brachte Takahata dazu, mit Heidi ausgerechnet eine "ur-schweizer" Kindergeschichte zu verfilmen? – "Es gab Anfang der 60er-Jahre in Japan die Bewegung, dass man bevorzugt europäische Kinderbuchklassiker in Serien umgesetzt hat." Sogar Pippi Langstrumpf habe Vorbild für eine japanische Animationsserie werden sollen, so Höhr. "Takahata ist dafür sogar extra nach Schweden gereist, um Astrid Lindgren um die Rechte zu bitten." Allerdings ohne Erfolg. Wer weiß, welche Fernsehkarriere Pippi sonst in Japan gefeiert hätte.

(lk)

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