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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.02.2019

Zum Tod der Schauspielerin Ursula Karusseit"Vergnügt und gleichzeitig sehr genau"

Christian Grashof im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Die deutsche Schauspielerin Ursula Karusseit, aufgenommen am Rande der MDR Talkshow "Riverboat" am 27.05.2016 in Leipzig. Foto: Tom Schulze | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Schauspielerin Ursula Karusseit (dpa-Zentralbild)

Ursula Karusseit glänzte überall: An der Berliner Volksbühne wurde sie ein Star des DDR-Theaters, in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" im vereinigten Deutschland bekannt. Nun starb sie mit 79 Jahren. Der Schauspieler Christian Grashof erinnert sich an sie.

Seit 1970 ist der Schauspieler Christian Grashof am Deutschen Theater in Berlin. Er findet es sehr schade, dass seine Kollegin meint, in den "Theaterhimmel gehen zu müssen". Kennengelernt hat er Ursula Karusseit bei der Zusammenarbeit am Stück "Hase, Hase". "Mit 'Usch', wie man sie nannte, konnte man sehr vergnügt, locker und auch gleichzeitig sehr genau und konzentriert probieren und bei der Sache sein. Mit viel Spaß, aber auch mit gebührendem Ernst", erinnert sich Grashof.

Mehr als nur das kleine Deutschland

Einen DDR-typischen Schauspielstil habe es nicht gegeben, meint Grashof. Aber: "Theater war immer dann spannend, wenn man es nicht nur regional eingeengt sah." Als Beispiel führt er den Regisseur Benno Besson an, der auch an der Volksbühne gearbeitet hat und zeitweise mit Ursula Karusseit verheiratet war. "Der meinte mehr, als nur dieses kleine Deutschland", so Grashof.

Aber Christian Grashof hat nicht nur mit Ursula Karusseit zusammengearbeitet, er hat sich auch Stücke mit ihr angeschaut . "Ich hab sie als Studentin noch gesehen, an der Volksbühne. Das war für mich unglaublich, dass man solch große Wirkung haben kann. Ich fand sie unglaublich attraktiv als Frau, mit unglaublichen Stärken, in Figuren, was sie spielte. Mit einer ganz tiefen Gefühlswelt. Für mich war das eine Frau - da hätte ich Stunden zusehen können", erzählt Grashof.

Immer unglaublich spannend

Im Fernsehen und im Film sei das genauso gewesen, meint der Schauspieler. "Ich kann es ganz schwer bezeichnen. Es gibt ja so was, wo etwas noch mehr ist, als man sich überhaupt denken kann. Das war für mich immer unglaublich spannend", so Grashof.

Ursula Karusseit sei nie eine plakative Schauspielerin gewesen, berichtet der 75-Jährige. "Das war die 'Usch' nie. Da war immer ganz viel Meinung, das war immer gemeint und nicht nur erzeugt. Da hat sie auch von sich preisgegeben, wie sie über Dinge nachgedacht hat", sagt Christian Grashof.

(beb)

 

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