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Fazit | Beitrag vom 09.06.2021

Zum Tod der Schauspielerin Libuše Šafránková"Erotik der Unschuld"

Ralf Schenk im Gespräch mit Britta Bürger

Libuše Šafránková sitzt auf einem weißen Pferd - sie spielte das Aschenbrödel im Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (WDR/Degeto)
Libuše Šafránková spielte das Aschenbrödel im Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (WDR/Degeto)

Der Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ machte Libuše Šafránková auch in Deutschland bekannt. Die tschechische Schauspielerin wirkte in rund 150 Filmen mit und spielte auch Theater. Jetzt ist sie im Alter von 68 Jahren gestorben.

Ihr Gesicht strahlt jedes Jahr zu Weihnachten in deutschen Fernsehzimmern: Denn dann wird der Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" mit Libuše Šafránková in der Hauptrolle gleichsam auf allen Kanälen gezeigt. Die tschechische Schauspielerin ist nun im Alter von 68 Jahren in Prag gestorben.

Ihr Aschenbrödel sei keineswegs ein dummes Prinzesschen, sagt Filmkritiker Ralf Schenk:

"Das ist eine junge und sehr modern wirkende Frau, die emanzipiert sich zu behaupten weiß, nicht nur gegenüber der bösen Stiefmutter und den beiden nichtsnutzigen Schwestern, sondern auch gegenüber dem Prinzen, den sie keineswegs vom ersten Moment an anhimmelt, sondern ihn erst mal prüft, bevor sie sich an ihn bindet."

Erste Wahl als Reiterin 

An die Rolle der Aschenbrödel sei die 19-jährige Šafránková 1973 durch eine Neubesetzung gekommen, so Schenk weiter: "Regisseur Vaclav Vorlicek, wollte zunächst eine andere Darstellerin besetzen, die dann aber zum Zeitpunkt des Filmdrehs schwanger war."

Aus rund 30 Schauspielerinnen sei Šafránková dann als Siegerin des Castings für die Hauptrolle hervorgegangen:

"Sie hatte eine Eigenschaft, die sie aus allen anderen heraushob. Sie konnte nämlich reiten, und das gab dann wahrscheinlich auch den Ausschlag, sie für diese Rolle zu besetzen." Bis auf einen Stunt habe sie alle Reitszenen in "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" selbst gespielt.

Besondere Ausstrahlung

Der Film war für Šafránková Fluch und Segen zu gleich. Einerseits verhalf er ihr zu Popularität, andererseits war sie lange Zeit auf die Rolle der Prinzessin festgelegt. Vor allem in ihren Märchenfilmen habe Šafránková dann eine Art "Erotik der Unschuld" ausgespielt, so Schenk.

Die tschechische Schauspielerin Libuse Safrankova steht an einem Rednerpult und hält Blumen im Arm. (picture alliance / CTK Photo / Veronika Simkova)Die tschechische Schauspielerin Libuse Safrankova bei der Feier zum 110-jährigen Bestehen des Tschechischen Films im Jahr 2008. (picture alliance / CTK Photo / Veronika Simkova)

"Sie ist aber langsam auch hinübergeglitten in Mütter- und später dann auch in Großmütterrollen. Und da war sie bodenständig und sanft", urteilt Schenk.

Sie habe dann aber auch eine große Wandlungsfähigkeit bewiesen. "Sie konnte eine Stadtfrau spielen und auch eine Landfrau und der große Regisseur Jiří Menzel, der ja mehrfach mit ihr gearbeitet hat, der besetzte sie in seiner Prager Bettleroper sogar als Hure Jenny."

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Bereits vor 20 Jahren habe Šafránková - mit nicht einmal 50 Jahren - nach Angriffen aus der Boulevard-Presse begonnen, die Öffentlichkeit zu meiden.

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Nach einer gewonnenen Klage gegen Behauptungen, sie sei Alkoholikerin und tyrannisiere ihren Mann, habe sie sich immer mehr zurückgezogen, so Schenk:

"Sie hat gesagt: 'Jetzt ist Schluss mit Öffentlichkeit. Ich gebe auch keine Autogramme mehr und zeige mich auch nicht mehr in Talkshows.' Den allerletzten Ausschlag hat dann ihre Erkrankung gegeben. 2014 wurde bei ihr Lungenkrebs diagnostiziert."

(mle)

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