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Fazit | Beitrag vom 07.06.2018

Zum Start der 10. Berlin BiennaleOffen einem Kunstwerk begegnen

Claudia Wheeler im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Kuratorisches Team der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst (v. l. n. r.): Thiago de Paula Souza, Gabi Ngcobo, Nomaduma Rosa Masilela, Yvette Mutumba, Moses Serubiri (Berlin Biennale /  F. Anthea Schaap)
Kuratorisches Team der 10. Berlin Biennale (v. l. n. r.): Thiago de Paula Souza, Gabi Ngcobo, Nomaduma Rosa Masilela, Yvette Mutumba, Moses Serubiri (Berlin Biennale / F. Anthea Schaap)

Am Samstag startet die Berlin Biennale. Sie findet alle zwei Jahre statt, das Motto dieses Mal: "We don't need another hero". Doch in der Ausstellung selbst spielen Helden oder Antihelden keine große Rolle, sagt Kunstkritikerin Claudia Wheeler.

Die Kuratorin der Biennale Gabi Ngcobo leiht sich für diese Biennale einen Song von Tina Turner von 1985.

"We don't need another hero"

"Letztendlich ist das gar nicht die zentrale Frage, die jetzt diese Biennale ausmacht. Es geht darum, mit etablierten Sehgewohnheiten zu brechen, und zum anderen, diesen ganzen postkolonialen Diskurs vielleicht so ein bisschen umzudrehen und feste Zuschreibungen und festgefahrene Sichtweisen ein bisschen zu hinterfragen", sagt Claudia Wheeler aus unserer Kulturredaktion über das Motto der Berlin Biennale.

Viele der eingeladenen Künstler kommen aus Ländern mit einer kolonialen Vergangenheit - Brasilien, Haiti, Südafrika, Tansania - und verarbeiten diesen Teil ihrer Geschichte in ihren Werken.

"Aber hier geht es vielmehr darum, Geschichten zu erzählen, würde ich sagen und darum, dem Betrachter keine vorgefertigte Sichtweise geliefert, sondern ich muss mir selber überlegen, wie verhalte ich mich zu dem, was dort erzählt wird. Hat das vielleicht irgendwas mit mir selber zu tun?"

Gabi Ngcobo hat sich dafür entschieden, die Herkunft und das Alter des Künstlers nicht auf Begleittafeln zu schreiben. Das irritiere zunächst, so Claudia Wheeler, man merke aber relativ schnell, dass die Herkunft eines Künstlers den Betrachter nicht immer unbedingt weiter bringt.

"Das genau war auch das Ziel der Kuratorin zu sagen: 'Ich möchte jetzt nicht schon wieder den Blick verengen, ich möchte nicht mehr mit diesen identitätsspezifischen Zuschreibungen arbeiten, sondern der Besucher soll möglichst offen einem Kunstwerk begegnen.'"

(picture alliance/Carsten Koall/dpa-Zentralbild/dpa)Eine Installation der nicaraguanischen Künstlerin Patricia Belli bei der Ausstellung der Berlin Biennale in der Akademie der Künste (picture alliance/Carsten Koall/dpa-Zentralbild/dpa)

Claudia Wheeler haben viele Kunstwerke positiv überrascht: "Weil ich nach der letzten Documenta das Gefühl hatte, oh je, postkolonialer Diskurs, jetzt schon wieder so was Trockenes. Und da muss ich sagen, haben viele Künstler wirklich eine poetische, ästhetische Sprache gefunden, die bei der Documenta absolut zu vermissen war, wo man gemerkt hat: Ja, man kann in einem wirklich schwierigen Diskurs auch schöne ästhetische Kunstwerke schaffen."

Entdeckerstadt für zeitgenössische Kunst

Inzwischen muss sich die Berlin Biennale mit anderen Biennalen weltweit messen. Gegründet vor 20 Jahren in den Kunst-Werken in der Auguststraße zwischen leeren Wohnungen und Ladenlokalen, gab sie den Startschuss für Berlin als Entdeckerstadt für zeitgenössische Kunst.

Heute steht nicht mehr die Stadt im Mittelpunkt, sondern die Themen. Trotzdem schafft es die Berlin Biennale immer wieder, unbekannte und verborgende Orte zu entdecken und zu bespielen. In diesem Jahr ist es das Zentrum für Kunst und Urbanistik im Ortsteil Moabit.

Die Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst findet vom 9. Juni bis zum 9. September 2018 statt.

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