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Interview | Beitrag vom 24.09.2020

Zum Film "Die Dirigentin"Wenn Frauen den Takt angeben

Anja Bihlmaier im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Anja Bihlmaier beim Dirigieren (Privat)
Anja Bihlmaier ist seit 2020 Principal Guest Conductor der Sinfonia Lahti in Finnland. (Privat)

Antonia Brico war die erste Frau, die die New Yorker Philharmoniker dirigieren durfte. Ein Kinofilm erzählt ihre Geschichte nach. Die Dirigentin Anja Bihlmaier erklärt, welche Schwierigkeiten Frauen in ihrem Beruf immer noch haben.

Frauen können nicht dirigieren, weil sie nicht führen können. Oder weil sie das Orchester mit ihrer "sexuellen Energie" verstören. Oder Frauen können jedenfalls keine "männliche Musik" dirigieren, denn dazu brauche es eben Männer. Mit solchen Vorurteilen mussten sich Frauen lange vom Dirigentenberuf abhalten lassen.  

Die US-Amerikanerin Antonia Brico bildete in den 1930er-Jahren eine Ausnahme. Sie durfte als erste Frau die New Yorker Philharmoniker dirigieren und gründete das Frauenorchester New York Women’s Symphony. Von ihrem harten Kampf gegen die männliche Musikwelt erzählt der Kinofilm "Die Dirigentin" von Maria Peters.

"Es ist auch heute noch sehr schwierig, für junge Dirigentinnen, die Chance zu bekommen, Orchester zu dirigieren und Karriere zu machen", sagt Anja Bihlmaier, die selbst eine Ausnahme ist. Im Sommer 2021 wird sie Chefdirigentin des Residentie Orkest in Den Haag werden.

Chancen für den Berufseinstieg seien immer noch rar gesät. "Man muss sich da durchsetzen, man muss sehr viel Talent haben, man muss sehr fleißig sein, aber man muss auch Glück haben und man braucht Menschen, die einem die Chance geben", sagt Bihlmaier.

Frauenquote in Skandinavien

In Skandinavien zum Beispiel gebe es mehr Dirigentinnen als etwa in Deutschland und Österreich, weil man dort eine Frauenquote eingeführt habe. Allerdings habe diese Regelung auch den Nachteil, dass anfangs die Qualität nicht dieselbe war wie bei den Männern, weil es nicht so viele Bewerberinnen gegeben habe wie Bewerber. Das sei mittlerweile anders: Es gebe sehr viele sehr gute Dirigentinnen und das Geschlecht spiele keine Rolle mehr.

"Ich möchte auch nicht die Quotenfrau sein", sagt Bihlmaier. "Man möchte engagiert werden aufgrund seiner Leistungen." Schlechte Erfahrungen mit Vorurteilen gegen ihr Geschlecht habe sie nicht gemacht: "Zu mir hat nie jemand gesagt: Interessant, dass es klappt, obwohl du eine Frau bist."

Die Dirigentin geht nicht davon aus, dass es überhaupt Unterschiede in der Musik zwischen Männern und Frauen gebe. Jeder Stil sei individuell, wie man Stück zum klingen bringen möchte.

(leg)

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