Donnerstag, 21.11.2019
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.12.2017

Zum Abschluss des Monteverdi-JubiläumsjahresDie Marienvesper am historischen Schauplatz

Aus der Basilika San Marco, Venedig

Ein Porträt von Claudio Monteverdi (imago - WHA UnitedArchives)
Der italienische Komponist Claudio Monteverdi (imago - WHA UnitedArchives)

Er war der Leit-Klassiker 2017: Claudio Monteverdi, geboren vor 450 Jahren. An den beiden Weihnachtsfeiertagen erklingen noch einmal Hauptwerke des Künstlers, dem die europäische Musik einen Riesenschritt hin zu ihrer späteren Ausdrucksintensivierung verdankt.

Dabei ist das Konzert am ersten Weihnachtstag noch einmal insofern etwas Besonderes, als hier die Marienvesper von 1610, mit er seine neuen, an der Bewegtheit der lebendigen menschlichen Rede orientierten Klangmittel endgültig auch in den Bereich der geistlichen Musik übertrug, an genau jenem Ort erklingt, wo der Komponist drei Jahre nach ihrer Veröffentlichung seine endgültige Anstellung als Kapellmeister fand: nämlich im geheimnisvoll-feierlichen, zwischen Byzanz und Westeuropa vermittelnden Bau von San Marco in Venedig.  

Man darf annehmen, dass dessen allseitig von Emporen umstellte Zentralanlage, die schon Monteverdis Vorgänger Giovanni Gabrieli zu prächtigen mehrchörigen Kompositionen angeregt hatte, auch bei der vielfältig gestaffelten, bisweilen wie These und Gegenthese durch den Raum schwingenden Polyphonie der Marienvesper "mitspricht", obwohl das Werk noch während Monteverdis Dienstzeit am Hofe der Gonzaga in Mantua entstand. Die enorme Vielfalt nicht nur ihrer kompositorischen Techniken, sondern auch der Texte – sie stammen aus dem Alten wie Neuen Testament und beziehen zusätzlich mittelalterliche Marienhymnen ein – hat sogar zu der Vermutung geführt, dass es sich dabei nur um eine nachträglich zusammengeführte Sammlung von Einzelkompositionen handeln könnte. Doch selbst wenn: was dabei entstanden ist, wurde gerade in seiner Farbigkeit und seinem Abwechslungsreichtum zu einem musterhaften Stück, in dem sich sakrale Strenge und weltnahe Lebendigkeit auf das Schönste verbinden – und damit bis heute immer wieder neu auf die Hörer wirken.


Basilika San Marco, Venedig

Aufzeichnung vom 12.10.2017


Claudio Monteverdi

"Vespro della Beata Vergine" für Soli, Chor und Orchester


Venice Monteverdi Academy

Schola Gregoriana "Caterina Cornaro"

Ensemble Lorenzo da Ponte

Leitung: Roberto Zarpellon

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