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Tonart | Beitrag vom 29.04.2016

Zum 80. Geburtstag von Zubin Mehta Dirigieren nach Zarathustra

Von Claus Fischer

Zubin Mehta (picture-alliance / dpa / Foto: Atef Safadi)
Dirigent Zubin Mehta während einer Orchesterprobe in Tel Aviv. (picture-alliance / dpa / Foto: Atef Safadi)

Der indische Dirigent Zubin Mehta zählt zu den Großen seiner Zunft. Er hat fünf Mal das Neujahrskonzert in Wien geleitet. Wir haben den Weltbürger während einer Probe mit der Sächsischen Staatskapelle getroffen.

"Wir müssen die Musik nutzen, um Leute, um Völker zusammenzubringen."

Musiker und Menschenfreund, Zubin Mehta steht nicht nur am Dirigentenpult, um seinem Konzertpublikum einen anregenden Abend zu bereiten, vielmehr möchte er dieses Publikum anzuregen, die Welt zu verbessern. Er gehört der Religionsgemeinschaft der Parsen an, die auf Zarathustra zurückgeht. In deren Riten werden die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde verehrt. Sie gilt es zu achten, damit  ein menschliches Leben in Würde möglich ist.

In Mumbai ist Zubin Mehta  aufgewachsen. Als Sohn eines Geigers hat er schon früh neben der indischen klassischen Musik auch Mozart, Haydn, Beethoven, Brahms und Mahler gehört.

"Mein Vater hat seine Geige geübt, er war Konzertmeister im Orchester, dann war er Dirigent des Orchesters, er war auch Solist mit dem Orchester – also ich bin mit der westlichen Musik aufgewachsen."

Lernte bei Dirigent Hans Swarowsky

Zubin Mehta studierte zunächst Medizin, um dann doch die Musik zum Beruf zu machen. In Wien wurde er Schüler des Dirigenten Hans Swarowsky.

"Er war sehr mit Richard Strauss und Clemens Krauss befreundet. Er war auch in Wien mit der ganzen Clique von Schönberg und Alban Berg zuhause gewesen. Also er hat mir alles von seinem Herzen so offen dargestellt wie er nur konnte."

Wenn Zubin Mehta an seine Ausbildung bei Hans Swarowsky zurückdenkt, dann, so betont er, ist es vor allem eine Tugend, die er mitbekommen hat.

"Disziplin! Sehr wichtig! Musikalische Disziplin, schlagtechnische Disziplin, aber hauptsächlich musikalisch. Wir haben die Haydn-Sinfonien ganz genau gelernt, dann kam Mozart erst. Wir haben wirklich mit Haydn angefangen. Schumann ganz wenig, weil das gehört nicht zur ´Wiener Disziplin`, sagen wir. Er hat mich die ganze neue schönbergische Schule auch (gelehrt). Mein erstes Konzert in Wien war ein Schönberg-Abend, mit ´Pierrot Lunaire` und der Kammersinfonie. Also ich bin in dieser Wiener Welt wirklich ganz zuhause. Auch mit den Wiener Philharmonikern bin ich fast aufgewachsen! Fünfzig Jahre, ohne Pause, jede Saison, die Wiener Philharmoniker. Aber auch in Berlin bin ich jedes Jahr gewesen!"

Musikdirektor auf Lebenszeit

Spricht man über Zubin Mehta, so ist seine überragende Leistung im klassischen Konzert und in der Oper nur ein Thema – das andere ist eben sein Engagement für eine bessere Welt. So reiste er  beispielsweise 1967 im Sechstagekrieg nach Tel Aviv und dirigierte das Israel Philharmonic Orchestra – in Gasmasken. Im Jahr 1981 ernannte ihn das Orchester zum Musikdirektor auf Lebenszeit.

Oberstes Prinzip von Zubin Mehta war und ist es, nicht in Diktaturen oder autoritären Systemen aufzutreten. Daran hat er sich immer gehalten, mit einer Ausnahme. Mitte der 1980er-Jahre bereiste er nämlich die DDR.

"State Departement hat mich wirklich gebeten aus amerikanischen politischen Gründen. Da war ich einverstanden. Da haben wir auch in Ostberlin im Konzerthaus und in Dresden gespielt im Kulturpalast."

Fördert arabische Musiker in Israel

Dass Musik politisch ist und dass Politik durch Musik ein menschlicheres Antlitz bekommt – diese Auffassung verbindet Zubin Mehta mit seinem Dirigentenkollegen Daniel Barenboim. Mit ihm ist er seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden. Und was für Barenboim sein "West Eastern Divan Orchestra" ist, in dem Israelis und Palästinenser zusammen musizieren, das ist für Mehta seine Stiftung zur Förderung junger arabischer Musiker in Israel.

"Was der Daniel außerhalb von Israel macht, versuche ich innerhalb zu tun. Und wir haben sehr viele, über 250 arabische Studenten, die von unseren musikern unterrichtet werden. Und mein Traum ist, einmal einen arabischen Musiker in Israel Philharmonic zu haben."

Zubin Mehta ist heute ein Weltbürger. Dennoch ist er sich seiner indischen Wurzeln bewußt. Und er spürt sie manchmal - im alltäglichen Leben in Europa, Israel oder den USA.

"Indisches Essen bis heute fehlt mir, wenn ich es nicht häufig bekomme."

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