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Im Gespräch | Beitrag vom 10.03.2020

Zum 65. Geburtstag von Marianne Rosenberg"Erwachsenwerden im Musikbusiness war schwierig"

Marianne Rosenberg im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Marianne Rosenberg im Oktober 2017 auf dem internationalen Schlagerfest in Dortmund. (imago/osnapix)
Marianne Rosenberg im Oktober 2017 auf dem internationalen Schlagerfest in Dortmund. (imago/osnapix)

Hits wie "Er gehört zu mir" machten Marianne Rosenberg in den 70er-Jahren zum Schlagerstar. Doch sie fühlte sich auch wie eine Marionette ihrer Produzenten, erzählt sie in diesem Interview von 2017. Zu ihrem 65. Geburtstag präsentieren wir es erneut.

Angefangen hat die Schlagerkarriere von Marianne Rosenberg bereits, als die damals 13-Jährige bei einem Nachwuchswettbewerb auftrat. Fast hätte es nicht geklappt: Sie kam zu spät, aber die Musiker ließen sie vorsingen und waren begeistert. Sie durfte doch auftreten – und gewann! Es folgten der erste Plattenvertrag und 1975 einer ihrer großen Hits: "Er gehört zu mir". Bis heute höre sie ihn – allen Unkenrufen zum trotz – immer noch gern, sagt Marianne Rosenberg.

"Ich weiß, dass das Gerücht umgeht, dass es mir aus den Ohren rauskommt, und dass ich das nicht leiden kann, wenn die Musik läuft. Der Witz ist, dass es überhaupt nicht stimmt. Sondern dadurch, dass ich das zu Hause nicht selbst auflege und auch nicht so tot gespielt habe, wie manch ein Fan, ist es für mich immer wieder interessant."

Letztlich habe sie damals "naiv losgekräht", sagt Marianne Rosenberg, "… ohne daran zu denken, es könnte irgendetwas passieren, und der Ton wird nicht klingen oder was. Diese Gedanken kommen ja erst viel später."

Marianne Rosenberg Anfang der 70er Jahre in der "Hitparade" (imago / United Archives)Marianne Rosenberg Anfang der 70er Jahre in der "Hitparade" (imago / United Archives)

Sie muss früh lernen, mit ihrer Berühmtheit klarzukommen, mit dem Lampenfieber, aber auch der Einsamkeit, die sie auf der Bühne vor Tausenden von Zuhörern fühlt.

Keine Ahnung vom Musikbusiness

Als Teenager hat Marianne Rosenberg keine Ahnung vom Musikbusiness, dass sie als Sängerin auch ein Mitspracherecht hat; mit den Jahren fühlt sie sich immer mehr wie eine Marionette ihrer Produzenten. Sie will einen Imagewechsel.

"Dieses Erwachsenwerden innerhalb dieses Musikbusiness war etwas sehr Schwieriges, weil das war eine Institution, an der jetzt mittlerweile sehr, sehr viele Menschen finanziell hingen und beteiligt waren", erinnert sie sich. "Und niemand von denen wollte, dass ich erwachsen werde, mich entwickele oder eigene Wege gehe, weil das ja so eine wunderbare Verwertungsmaschinerie war, diese junge Frau, die ich war. Und deshalb war es schwierig, sich dagegen aufzulehnen und zu wehren; und ich musste als erstes erst einmal lernen, nein zu sagen."

Hilfestellung von Rio Reiser

Sie schafft es: Ihr Vertrag wird nicht verlängert, sie ist frei und düst mit einem alten Mercedes durch Europa, hört Kassetten von "Ton Steine Scherben" – und lernt Rio Reiser kennen. 

Reiser und andere Kollegen helfen ihr letztlich, zu einer selbstbestimmten Sängerin und Songwriterin zu reifen. "Wenn er mal etwas getrunken hatte, und wir saßen irgendwo in einer Kneipe mit vielen verrückten Künstlern – damals in der Berliner Zeit der 80er-Jahre – dann rief der quer über den Tisch: 'Marianne singt die Wahrheit!' – und ich wär' am liebsten unter den Tisch gekrochen."

Als Deutschlandfunk Kultur 2017 mit Marianne Rosenberg gesprochen hat, schaute sie mit abgeklärtem Blick auf das Musikbusiness und ihren eigenen Werdegang. Ihr Song "Er gehört zu mir" ist inzwischen eine der Hymnen der Schwulenbewegung.

(Der Beitrag ist eine Wiederholung aus Oktober 2017)

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