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Studio 9 | Beitrag vom 04.01.2020

Zum 60. Todestag des AutorsFünf Gründe, wieder Albert Camus zu lesen

Von Dirk Fuhrig

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Der Schriftsteller Albert Camus im Jahr 1957  (picture-alliance/United Archives/)
Der Schriftsteller Albert Camus wurde 1957 mit dem Literaturnobelpreis geehrt. (picture-alliance/United Archives/)

Seine Bücher wie "Der Fremde" oder "Die Pest" sind echte Klassiker. Vor 60 Jahren starb der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus. Fünf Gründe, warum man den Nobelpreisträger für Literatur heute noch lesen sollte.

Erstens: Wegen dieses berühmten Romananfangs: "Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht. Aus dem Altersheim bekam ich ein Telegramm."

Zweitens: Weil das Buch, das so berührend und ernüchternd beginnt, eines der Meisterwerke des vergangenen Jahrhunderts ist: In "Der Fremde" ("L’étranger") führt uns Camus tief hinab in die unergründliche Seele. Der traurige Held Meursault bringt einen anderen Menschen um. Ohne Grund, aus innerer Leere, aus Gleichgültigkeit. Nur weil dieser Mensch ein anderer ist, ein "Fremder".

Darin zeigt sich drittens die existenzielle Wucht von Camus’ Literatur – auf einen einfachen Nenner gebracht: Die Absurdität menschlichen Denkens und Handelns lässt sich letztlich nicht ergründen - Brutalität, Unmoral, Verbrechen. Der Roman wurde kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs geschrieben – er nimmt die Monstrosität der humanitären Katastrophe vorweg.

Viertens hat Albert Camus zwar eine ständige Revolte als Grundstimmung aller gesellschaftlichen Prozesse beschrieben. Er predigte aber nicht die Revolution. Albert Camus wandte sich gegen Fanatismus und zementierte ideologische Festlegungen – das führte in den 50er-Jahren zum Bruch mit dem ewigen Besserwisser Jean-Paul Sartre.

Fünftens: Albert Camus erhielt 1957 den Literatur-Nobelpreis. Das ist, wie wir spätestens seit diesem Jahr wissen, keine unumstrittene Ehrung. In diesem Fall jedoch gilt: Mit Albert Camus wurde damals ein Schriftsteller ausgezeichnet, in dessen Büchern auch 60 Jahre nach seinem Tod die existenzielle Verlorenheit des Menschen aufscheint.

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