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Fazit | Beitrag vom 11.08.2021

Zukunft von MetropolenWie die Pandemie die Stadtplanung verändert

Bernhard Schulz im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Die Seoul Street in Seoul in Südkorea (imago-images / Simon Shin)
Auch in Seoul legt man Wert auf Grünflächen bei der Stadtplanung - doch die Digitalisierung steht im Vordergrund. (imago-images / Simon Shin)

Wie das Wohnen und Arbeiten in Städten künftig aussehen soll, beraten in Berlin internationale Experten. In Europa wollten Bürger mehr öffentlichen Raum, sagt der Journalist Bernhard Schulz. Doch in Asien liege der Fokus ganz anders.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat zur Eröffnung der internationalen Tagung "Metropolis: The New Now" Experten aus Warschau, London, Seoul und weiteren Städten eingeladen, ihre Perspektiven für die künftige Gestaltung von Metropolen vorzustellen. Vertreter der Politik, der Wissenschaft und Architektur sowie Künstler diskutieren dort über Möglichkeiten der Stadtentwicklung.

Was verändert die Pandemie?

Die globale Pandemiekrise und auch die Klimaveränderung würde dazu zwingen, vieles infrage zu stellen, sagt Tagesspiegel-Redakteur Bernhard Schulz. Er hat am ersten Konferenztag in Berlin viele Vorträge und Diskussionen gehört.

Unter den Bürgermeistern und Bau-Experten herrsche eine große Ratlosigkeit, weil man noch nicht wisse, welche Auswirkungen die Pandemie auf das Verhalten der Menschen haben wird, sagt Schulz.

Öffentlichen Raum vergrößern

Unstrittig sei, dass die Städte grüner und fußgängerfreundlicher werden müssten, um für die Menschen schöner und angenehmer zu sein.

In Warschau etwa habe sich die Stadt durch die Pandemie den Bedürfnissen der Fußgänger und Bürger geöffnet, indem mehr Grünanlagen geschaffen und Straßenquerschnitte verringert worden seien. "Die Menschen wollen auf der Straße sein, die wollen den Straßenraum wiederhaben."

In Asien werden Daten gesammelt

Auch in Asien wolle man grüne Städte, doch dort lege man ein viel größeres Gewicht auf die Digitalisierung der ganzen Stadt, des Stadtmanagements und der einzelnen Bürger.

Dies führe dazu, dass sehr viele Daten gesammelt würden und damit auch Kontrolle und Lenkung ausgeübt werde, so Schulz: "Das hat natürlich den großen Sinn und Zweck, die Pandemie einzudämmen, die Menschen zum Impfen zu bringen, ihnen Angebote zu machen."

In Seoul wolle man vor allem, dass alle Bürger Zugang zum Internet hätten. Zugleich sollen die Bürger an das Internet herangeführt sowie der Nutzen und Umgang vermittelt werden. "Auch das führt dazu, dass die Stadt oder der Staat unendlich viele Daten sammelt."

Berlin digital abgeschlagen

Im Gegensatz zu Seoul habe Berlin bei der Digitalisierung noch viel aufzuholen. Zur erreichten Technik, insbesondere im Schulwesen, habe sich die Filmemacherin und Autorin Hito Steyerl sehr kritisch geäußert, so Schulz.

"Wenn man Vertreter anderer Städte gehört hat, dann denkt man in Berlin schon mit Sorge daran, wo wir eigentlich stehen und was wir alles nachzuholen haben in Bezug auf Digitalisierung, Ermöglichung von Mitwirkung von Teilhabe, eben auch unter den Bedingungen des stärkeren und vermehrten Zuhauseseins."

Denn auch die Digitalisierung ermögliche, von zu Hause an Dingen teilzunehmen, die man früher nur wahrnehmen konnte, wenn man selber dort hingegangen ist.

(mle)

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