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Interview | Beitrag vom 20.06.2019

Zukunft der ZoosTiergefängnis oder Schutzraum?

Jörg Junhold im Gespräch mit Julius Stucke

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Elefanten im Elefantenhaus, Zoo Zürich, Schweiz (picture alliance / dpa / Olaf Krüger)
Elefanten laufen in freier Wildbahn viele Kilometer am Tag. In Zoos verbringen sie ihre Zeit auf kleiner Fläche, wie in diesem Elefantenhaus im Zoo in Zürich (picture alliance / dpa / Olaf Krüger)

Niedliche Eisbären und Elefantenbabys locken viele Menschen in die Zoos. Zugleich haben Zoos oft nicht den besten Ruf. Jörg Junhold, Direktor des Leipziger Zoos, meint jedoch, dass viele Tiere dort bessere Lebensbedingungen finden als in der bedrohten Natur.

Große Vögel wie Adler oder Geier flugunfähig in kleinen Volieren eingesperrt, Wildkatzen und Elefanten, die den ganzen Tag auf wenigen Quadratmetern auf- und ablaufen - Zoos haben oft nicht den besten Ruf. Dem setzt Jörg Junhold, Direktor des Zoos Leipzig und Vizepräsident des Verbandes der Zoologischen Gärten, entgegen: "Zoos sind dazu da, Tiere heute in möglichst artgemäßer Umgebung zu zeigen, und wir tun alles, um Tiere eben nicht mehr zu halten wie vor 50 Jahren. Die Zoos haben sehr, sehr viel investiert, um Haltungsbedingungen zu haben, die nicht mehr dieses Bild vermitteln."

Doch er gibt zu: "Zoos sind immer ein Kompromiss." Junhold verweist aber auf die gesellschaftlichen Aufgaben, die Zoos übernähmen, nämlich das Zoobesucher etwas über Tiere lernten: "Dann sind Zoos auch ethisch vertretbar." 

Zoo als Ort der Forschung

Dass man über Tiere auch auf andere Weise etwas lernen könne und dass es fragwürdig sei, Tiere in Gefangenschaft zu halten, lässt Junhold nicht gelten: "Da müssten wir uns erst einmal unterhalten: Was ist mit Gefangenschaft gemeint?" Wir Menschen seien ja auch diejenigen, sagt Junhold, die den Freiheitsbegriff definierten.

"Ich bin der Meinung, dass wir heute viele Tiere sogar besser halten können als in der bedrohten Natur, die wir da draußen haben", sagt Junhold. Zoos seien im Artenschutz engagiert und die Menschen nähmen etwas mit aus dem Zoobesuch. Besonders das Verhalten und die Fortpflanzung von Wildtieren könne man in Zoos gut erforschen. Viele Erkenntnisse hätte man erst dort gewinnen können. "Forschung ist alltäglich und viele Daten, die in den Zoos gesammelt werden, würden nicht existieren, weil in freier Wildbahn eben auch nicht alle Daten gesammelt werden können." An der Verbesserung der Haltungsbedingungen würde ständig gearbeitet, sagt er. 

(inh) 

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