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Kompressor | Beitrag vom 27.01.2021

Zukunft der ErinnerungskulturHologramme erzählen vom Holocaust

Axel Doßmann im Gespräch mit Massimo Maio

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In einem Aufstellungsraum befinden sich zwei Bildschirme an der Wand. Auf diesen sind zwei ältere Menschen zu sehen. In der Mitte des Raums steht ein Mikrofon. (Picture Alliance / dpa / AP Photo / Bebeto Matthews)
Neue Wege des Gedenkens: Die Aufnahmen des Projekts "New Dimensions in Testimony" sollen die Berichte von Holocaust-Überlebenden einer jungen Generation zugänglich machen. (Picture Alliance / dpa / AP Photo / Bebeto Matthews)

Wie kann an den Holocaust erinnert werden, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Eine Chance bieten Hologramme. Diese simulieren menschliche Kommunikation, wie der Historiker Axel Doßmann erläutert. Doch ihr Einsatz wirft auch Probleme auf.

Am 27. Januar wird seit nunmehr 25 Jahren der "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" begangen. Gewählt wurde das Datum mit Blick auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee.

Zeitzeugen von über 100 Kameras umzingelt

Das Ereignis liegt 76 Jahre zurück, es stellt sich die Frage, wie die Erinnerung an den industrialisierten Massenmord durch den deutschen Faschismus künftig gestaltet werden kann, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Eine Möglichkeit dafür bieten Hologramme. Diese seien ein neues Phänomen, sagt Axel Doßmann. Er ist promovierter Historiker und Kulturwissenschaftler, aktuell leitet er das fotohistorische Projekt "Sozialismus im Bild" an der Universität Jena.

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Hergestellt werden die Hologramme in einem besonderen Verfahren. Ausgewählte Zeitzeugen setzten sich in eine große Lichtkuppel mit einem Durchmesser von rund acht Metern. Aufgezeichnet werden sie von 116 Kameras, um hoch auflösbare Filmsequenzen herzustellen. Der Interviewer ist ihnen nur über einen Bildschirm zugeschaltet.

Einsatz in Museen, Gedenkstätten oder Klassenräumen

Insgesamt dauerten die Aufnahmen fünf Tage, mehr als 1.000 Fragen würden gestellt, erläutert Doßmann. Dabei seien die Zeitzeugen aufgefordert, die Fragen möglichst knapp und plastisch zu beantworten. Ziel sei es, dass die Aufzeichnung in jedem gewünschten Raum installieren werden könne – also in Museen, Gedenkstätten oder Klassenräumen.

"Der 3D-Hologramm-Effekt ist noch nicht ausgereift", unterstreicht der Historiker. Deswegen werde mit 2D-Perspektiven gearbeitet, "aber auch die haben eine starke plastische Wirkung". Er selbst war in den USA bei der Präsentation eines Hologramms. Die Erfahrung, die er dort gemacht habe, sei ambivalent, erläutert Doßmann. Viele junge US-Amerikaner seien schnell bereit gewesen, der Illusion zu glauben. Doch habe das Hologramm die gestellten Fragen nicht sofort begriffen, weil diese zu komplex gestellt wurden.

Vielfalt der Überlieferungen ernst nehmen

"Es ist keine zwischenmenschliche Kommunikation, sondern mit einer Maschine, die kaum das leisten kann, was versprochen wird. Nämlich die digital ermöglichte Verlängerung des Eins-zu-eins-Gespräches mit Zeugen", unterstreicht der Historiker. Ein anderes Problem sei zudem die Vorstellung, dass die Antworten auch in 20 Jahren noch passen würden. Doßmann verweist aber darauf, dass sich auch die Fragen ändern werden.

Man müsse anerkennen, dass Zeitzeugen sterben, so Doßmann, doch es blieben schriftliche Dokumente sowie die in den vergangenen Jahrzehnten hergestellten Audio- und Videoaufzeichnungen, mit denen geschichtswissenschaftlich gearbeitet werden könne. "Es geht darum, dass wir die Vielfalt der Überlieferungen ernst nehmen", unterstreicht der Historiker.

(rzr)

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