Freistil, vom 07.06.2009

Von Jürgen M. Thie

"Ich habe ein leises Gefühl des Bedauerns, für jeden, der das Schachspiel nicht kennt, ungefähr so wie ich jeden bedauere, der die Liebe nicht kennen gelernt hat", schrieb der deutsche Arzt und Schach-Großmeister Siegbert Tarrasch über jenes königliche Spiel, das für den Dadaisten und Konzeptkünstler Marcel Duchamp eine Kunstform darstellte, die er als "Schule des Schweigens" bezeichnete.

Schach - die Schule des Schweigens. (Stock.XCHNG / sanal ozturk)
Schach - die Schule des Schweigens. (Stock.XCHNG / sanal ozturk)

Beide, Turniersieger wie Avantgardist, meinten ein über zweitausend Jahre altes Brettspiel, das weltweit als Spiel der Vernunft fasziniert, wobei es, wie es heißt, in seiner Unerschöpflichkeit und Schönheit ein gewaltiges kulturelles Umfeld in Kunst und Literatur, Philosophie und mathematischen Denken erzeugte. Als Geschichte einer Leidenschaft: So will Jürgen M. Thie sein Hörstück verstanden wissen, in dem sich das Schachspiel in all seinen kulturgeschichtlichen Facetten widerspiegelt - vom schnellen Brüter am Brett bis zum High-Tech-Computer, vom Bauhaus-Schach und Schach-Design bis zum Schlagabtausch auf Bühne und in Büchern, auf Leinwand und Turnierparkett.