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Kulturnachrichten

Freitag, 3. August 2018

"Zombie Boy" mit 32 Jahren gestorben

Lady Gaga plädiert für Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen

Der wegen seiner Knochen-Tätowierungen als "Zombie Boy" bekannte kanadische Künstler Rick Genest ist tot. Das gab das Management des auch als Model arbeitenden 32-Jährigen am Freitag bekannt. Laut kanadischen Medien handelte es sich um einen Suizid, die Polizei wollte dies auf Anfrage aber weder bestätigen noch dementieren. Genest war von Kopf bis Fuß mit Tattoos bedeckt, die ihm das Aussehen eines wandelnden Skeletts gaben. Damit wurde er zu einem Star der Kunst- und Modewelt. Er trat bei Modenschauen auf und war unter anderem auch in dem 2011 gedrehten Musikvideo "Born This Way" von Pop-Diva Lady Gaga zu sehen. Die Künstlerin reagierte erschüttert. Der Suizid von "Freund Rick Genest" sei "verheerend", teilte sie via Twitter mit. "Wir müssen härter daran arbeiten, die Kultur zu verändern, psychische Gesundheit in den Vordergrund zu stellen und das Stigma auszulöschen, das uns darunter hindert, darüber zu reden", betonte die Sängerin.

Harvey Weinstein will Klage abweisen lassen

Der Vorwurf: Die Staatsanwaltschaft habe der Grand Jury E-Mails vorenthalten

Der wegen Vergewaltigung angeklagte Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein will einem drohenden Strafprozess entgehen. Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman reichte am Freitag ein fast 160 Seiten langes Schreiben bei Gericht ein, das die Klage gegen Weinstein als "fehlerhaft" zurückweist. Unter anderem habe die Staatsanwaltschaft der Grand Jury, die Anklage gegen den 66-Jährigen erhoben hatte, wichtige E-Mails vorenthalten. Brafmans Antrag zitiert aus etwa 40 E-Mails von einer Frau, die Weinstein vorwirft, sie im Jahr 2013 in einem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben. "Ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt", schreibt sie darin. "Aber ich hasse es, mich wie ein One-Night-Stand zu fühlen." Ihre Wortwahl deute darauf hin, dass die intime Beziehung mit Weinstein einvernehmlich war. Brafman hatte zuvor gesagt, dass die Frau über zehn Jahre eine einvernehmliche Beziehung mit Weinstein führte. Diese Hinweise hätten der Grand Jury dem Anwalt zufolge nicht vorenthalten werden dürfen.

Ai Weiweis Atelier ohne Vorwarnung abgerissen

Seit 2015 lebt der Künstler im Berliner Exil

Das Pekinger Atelier des im deutschen Exil lebenden chinesischen Künstlers Ai Weiwei ist ohne Vorwarnung abgerissen worden. Auf Videos beim Online-Bilderdienst Instagram zeigte Ai Weiwei am Freitag, wie ein Bagger die großen Fenster des Ateliers von außen durchbrach. "Leb wohl", schrieb er. Bereits seit 2006 sei das Gebäude im "ostdeutschen sozialistischen Stil" sein Hauptatelier gewesen. Der regierungskritische Konzeptkünstler verließ China vor drei Jahren, inzwischen lebt er in Berlin. Im Jahr 2011 war Ai Weiwei wegen seiner Kritik an der Führung in Peking für 81 Tage eingesperrt worden. Sein Reisepass wurde vier Jahre lang einbehalten. Als er das Dokument 2015 zurückerhielt, zog er nach Berlin.

Concertgebouw-Orchester: Gatti weist Vorwürfe zurück

Concertgebouw-Orchester entlässt Chefdirigent Gatti

Nach seiner fristlosen Entlassung als Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters hat Daniele Gatti alle Beschuldigungen zu sexueller Belästigung entschieden zurückgewiesen. "Der Maestro hat seine Anwälte gebeten, seinen Ruf zu schützen und alle notwendigen Schritte zu unternehmen, wenn diese Hetzkampagne weitergeht" heißt es in einer Erklärung. Gatti sei "extrem überrascht", teilte sein Anwalt mit. Am Donnerstag hatte das Orchester mitgeteilt, man habe die Zusammenarbeit mit dem 56-jährigen Italiener "mit sofortiger Wirkung" beendet. Mehrere Musikerinnen hätten über "unangemessenes" Verhalten des Chefdirigenten geklagt. "Die Vertrauensbeziehung zwischen dem Orchester und dem Chefdirigenten ist irreparabel beschädigt", hatte das Orchester erklärt. Auch die "Washington Post" hatte in der vergangenen Woche über zwei Fälle von sexuellem Fehlverhalten des Dirigenten 1996 und 2000 berichtet. Daraufhin hatten Amsterdamer Musikerinnen von ähnlichen Erfahrungen berichtet. Nach dem Bericht in der "Washington Post" hatte Gatti sich bereits entschuldigt. Gatti war seit 2016 Chefdirigent in Amsterdam.

Ricarda-Huch-Preis für Ferdinand von Schirach

Romane mit Einblick in die Welt der Verbrechen

Ferdinand von Schirach wird mit dem Ricarda-Huch-Preis der Stadt Darmstadt ausgezeichnet. Die Jury hob in ihrer Begründung die Qualität der "gestochen scharfen Milieu- und Charakterstudien" des Autors und Strafverteidigers hervor, wie beispielsweise in seinen Bestsellern "Verbrechen" und "Schuld". Mit seinem Theaterstück "Terror", das einen Gerichtsprozess simuliert und am Ende die Theaterzuschauer über das Urteil abstimmen lässt, habe er eindrucksvoll gezeigt, dass Theater noch immer ein Verhandlungsort für gesellschaftliche Auseinandersetzung sein könne. Schirachs Erzählungen und Romane lieferten spannende und verstörende Einblicke in die Welt des Verbrechens, sagte auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wird Ferdinand von Schirach am 3. Oktober überreicht.

Ernst-Hoferichter-Preis für Hanitzsch und Wunnicke

Der Preis geht jährlich an Münchner Künstler der "erzählenden Kunst"

Der Karikaturist Dieter Hanitzsch und die Schriftstellerin Christine Wunnicke erhalten im Januar 2019 den Ernst-Hoferichter-Preis. Die mit jeweils 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 1975 jährlich an Münchner Künstler der "erzählenden Kunst" vergeben, die Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbinden. Zu den bisher rund 100 Geehrten gehören unter anderen Herbert Achternbusch, Doris Dörrie, Axel Hacke, Jörg Maurer, Bruno Jonas, Luise Kinseher, Gerhard Polt, Marcus H. Rosenmüller und zuletzt Karl-Heinz Hummel.

Hemingway-Kurzgeschichte erstmals veröffentlicht

Werk spielt im befreiten Paris des Jahres 1944

Eine noch unveröffentlichte Kurzgeschichte des US-Schriftstellers Ernest Hemingway aus den 1950er Jahren ist erstmals in einem US-Magazin erschienen. Unter dem Titel "A Room on the Garden Side" (Ein Zimmer auf der Gartenseite) veröffentlichte das Literatur-Magazin "The Strand" das rund 2000 Wörter lange Werk. Hemingways Geschichte erzähle von einem US-Schriftsteller namens Robert in Paris kurz nach der Befreiung der französischen Hauptstadt von der Nazi-Besatzung durch die Alliierten. Im Protagonisten des Werks seien autobiografische Züge Hemingways zu erkennen, der im Zweiten Weltkrieg als Korrespondent tätig war und lange in Paris lebte, berichtete die "New York Times". Unbekannt ist die Geschichte nicht: sie befindet sich seit Jahrzehnten in der Hemingway-Sammlung der John-F.-Kennedy-Präsidentenbibliothek in Boston. Ernest Hemingway lebte von 1899 bis 1961. Er gilt als einer der erfolgreichsten US-Schriftstellers des 20. Jahrhunderts und erhielt für seine Novelle "Der alte Mann und das Meer" 1954 den Literaturnobelpreis.

Mehr Engagement für NS-Aufarbeitung gefordert

Historiker Günter Morsch: Deutschland ist kein "Erinnerungsweltmeister"

Der Berliner Historiker Günter Morsch hält es nicht für gerechtfertigt, dass Deutschland stolz auf seine Erinnerungskultur ist. Man ruhe sich auf den Leistungen der vergangenen Jahre aus, sagte er der "Welt". Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus sei viele Jahre hauptsächlich von Bürgerinitiativen und Opferverbänden getragen worden. Eine Wende der juristischen Aufarbeitung habe erst vor wenigen Jahren stattgefunden. Zudem seien viele Täter nicht angeklagt und bestraft worden. Das zeige, "dass wir eben nicht der Erinnerungsweltmeister sind". Die Art der Erinnerungsarbeit müsse überdacht werden, so Morsch. Dazu gehöre auch, dass Schulfächer wie Geschichte, Politik und Demokratieerziehung mehr Gewicht bekommen sollten, um das Wissen von Schülern zur Deutschen Geschichte zu verbessern. Als beruhigend bezeichnete Morsch, dass die "Faszination am Authentischen nach wie vor groß ist". Günter Morsch leitete 25 Jahre lang die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Brandenburg.

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