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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.09.2019

Zivilcourage lernenDen Weg in die Gleichgültigkeit verbauen

Johannes Bachteler im Gespräch mit Axel Rahmlow

Ein Denkmal für Dominik Brunner steht auf dem Bahnsteig der S-Bahnstation Solln. Brunner hatte am 12. September 2009 an der Stelle Jugendliche vor einem Angriff beschützen wollen und war daraufhin zu Tode geprügelt worden. (Picture Alliance / dpa / Peter Kneffel)
Denkmal für Dominik Brunner auf dem Bahnsteig der S-Bahnstation Solln. (Picture Alliance / dpa / Peter Kneffel)

Vor zehn Jahren starb Dominik Brunner. Er wollte Jugendliche vor einem Angriff schützen und wurde selbst attackiert. Zivilcourage sei wichtig – und kann auch gelernt werden, erläutert Johannes Bachteler von der Stiftung "MuTiger".

Vor zehn Jahren versuchte Dominik Brunner, Jugendliche vor einem Angriff auf dem S-Bahnhof in Solln bei München zu beschützen. Er wurde selbst attackiert und lebensgefährlich verletzt. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Seitdem wurde immer wieder Zivilcourgage angemahnt. Doch viele Menschen haben Angst, sich bei Konflikten einzumischen.

Bildung gegen die Gleichgültigkeit

Die MuTiger-Stiftung versucht das zu verändern – unter anderem mit Kursen an Schulen. "Wir wollen den Weg in die Gleichgültigkeit verbauen", sagt Johannes Bachteler, Vorstandsvorsitzender der MuTiger-Stiftung.

Ob Zivilcourage abnimmt in Deutschland, lässt sich Bachteler zufolge nicht eindeutig beantworten. Darüber gebe es keine belastbaren Zahlen, sagt er – dafür aber ein vages Gefühl in der Bevölkerung.

Zivilcourage kann man lernen, ist Bachteler überzeugt. Zwar gebe es auch viele Gründe dafür, sich zurückzunehmen, trotzdem hätten viele Menschen den Reflex, etwas zu tun, wenn sie einen Zwischenfall beobachteten.

Handeln – sich aber nicht überschätzen

Notwendig sei es, bewusst hinzusehen und zu beurteilen, ob eine Notlage vorliege. Zweitens müsse man sich klar machen, was man selbst realistischerweise unternehmen könne. Dazu gehöre auch, andere Menschen anzusprechen, beispielsweise den Fahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dadurch, dass mittlerweile fast jeder ein Mobiltelefon bei sich habe, gebe es auch immer die Option, die Polizei anzurufen – auch wenn man sich, um sich selbst zu schützen, aus einer gefährlichen Situation zurückziehen müsse.

(rzr)

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