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Interview | Beitrag vom 28.01.2019

Zentrum für digitale LexikographieDie gesamte deutsche Sprache in einem Wörterbuch

Wolfgang Klein im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Auf einer aufgeschlagenen Seite des Duden von 2006 sind verschiedene Worte mit dem Anfangsbuchstaben "w" zu sehen. (imago/Steinach)
Auch die Worte, die im Duden stehen, werden Teil des digitalen Informationssystems sein, das zur deutschen Sprache entsteht. (imago/Steinach)

Kiezdeutsch, Goethe, Gebrauchsanweisung: Die deutsche Sprache kann sehr unterschiedlich klingen. Das Zentrum für digitale Lexikographie will ein digitales Informationssystem schaffen, das die deutsche Sprache in all ihren Spielarten erfasst - und hörbar macht.

Das Deutsche gilt als eine der wortreichsten Sprachen der Welt - und je nachdem, wo man sich aufhält, variiert das gesprochene Deutsch sehr. Auf Schulhöfen klingt es zum Beispiel so: "Wallah, was guckst du, cüs [gesprochen: tschüsch]?" Was in etwa so viel heißt wie: "Bei Allah, was guckst du - krass." Es kann sich aber auch so anhören: "Kennst Du das Land, wo die Zitronen blüh'n, im dunklen Laub die Goldorangen glüh'n." Und auch das ist deutsch: "Klicken Sie auf Schaltfläche A, drücken Sie danach Knopf B und betätigen abschließend Button C."

Kiezdeutsch, Goethe, Gebrauchsanweisung - mit all dem befasst sich Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein. Er ist Gesamtkoordinator des Zentrums für digitale Lexikographie, das am 1. Januar in Berlin seine Arbeit aufgenommen hat und am morgigen Dienstag feierlich eröffnet wird. Grundidee des digitalen Informationssystems, das entstehen soll, sei, "die deutsche Sprache in allen Spielarten - nicht nur in der geschriebenen Sprache, sondern auch in ihren sonstigen Varianten - darzustellen und zu erfassen." Es gebe immer Mischformen. Der Reichtum von Sprachen liege darin, dass sie immer wieder Fremdwörter aufnehme.

Zu einem großen Gesamtsystem verbinden

Das Zentrum für Lexikographie sei eine digitale Weiterführung des Projekts "Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache", das es schon seit ein paar Jahren gibt und dessen Leiter ebenfalls Wolfgang Klein ist.

Bislang seien Wörterbücher in ihrer Methodik stark auf das gedruckte Buch fixiert und daher auch fokussiert auf ganz bestimmte Bereiche der Sprache. "Wir wollen verschiedene Wörterbücher, die bis jetzt gemacht worden sind, integrieren und zu einem großen Gesamtsystem verbinden." Die technische Grundlage dieses Gesamtsystems sei das "Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache".

Früher siech, heute krank

Hier seien die Beschreibungen der einzelnen Wörter, also etwa Aussprache, Bedeutung, Grammatik, fest verbunden mit den Daten, von wo man sie bezieht. So würde man etwa Aufnahmen des sogenannten Kiezdeutsch so integrieren, dass man nicht nur sieht, was ein Linguist zu einem bestimmten Wort sagt - zum Beispiel, was das bedeuten soll -, sondern so, dass man sich selbst Beispiele anschauen und anhören kann.

Der deutsche Wortschatz verändere sich unaufhörlich, sagt Klein. Bei bestehenden Wörtern kämen immer neue Bedeutungen hinzu. "Das einfachste Beispiel ist Maus. Das Tierchen kennen wir schon sehr lange." Seit etwa 30 Jahren sei die Bedeutung der Computermouse hinzugekommen. Oder das Wort "krank": Die ursprüngliche Bedeutung sei "schwach". Das alte Wort für "krank" sei "siech". Beim digitalen Wörterbuch könne man solche Bedeutungsverschiebungen kontinuierlich einarbeiten.

(abr)

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