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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.06.2017

Zehn Jahre Hamas im Gaza-StreifenNeue Bewegung durch Katar-Krise?

Bettina Marx im Gespräch mit Nana Brink

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Ein Demonstrant hält die palästinensische Flagge in die Luft.  (AFP)
Wie weiter in Gaza? Die Hamas steht derzeit unter hohem politischen Druck. (AFP)

Vor zehn Jahren übernahm die radikal-islamische Hamas im Gaza-Streifen die Macht. Eine Einigung mit der gemäßigten Fatah ist nicht in Sicht. Durch die Katar-Krise könnte sich das ändern, meint Bettina Marx von der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah.

Der Gaza-Streifen gleicht einem Gefängnis, denn die Grenzen nach außen sind abgeriegelt. Während die Menschen unter schwerer Not leiden, sind die beiden palästinensischen Organisationen Hamas und Fatah festgefahren in einem erbitterten Machtkampf. Die Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah, Bettina Marx, meint jedoch, nun könnte womöglich Bewegung in die Situation kommen - durch den wachsenden Druck auf die Hamas durch die Katar-Krise.

"Das hat dramatische Auswirkungen", so Marx im Deutschlandfunk Kultur. Katar sei nicht nur ein Geldgeber für die Hamas, sondern auch für den Gaza-Streifen und seine Menschen. "Katar hat sehr viel finanziert dort in den letzten Jahren, immer wieder den Treibstoff bezahlt, hat ganze Stadtviertel dort aufgebaut, wo die durch die Kriege obdachlos wurden, unterkommen können." Katar spiele eine wichtige Rolle, müsse sich nun aber auf Druck der USA, der Saudis und anderer Golf-Staaten zurückziehen. "Für die Hamas wird das sehr, sehr schwierig, wenn sie hier ihre größte Unterstützung verlieren."

USA und Golfstaaten üben Druck aus

Katar spiele eine wichtige Rolle, müsse sich nun aber auf Druck der USA, der Saudis und anderer Golf-Staaten zurückziehen. "Für die Hamas wird das sehr, sehr schwierig, wenn sie hier ihre größte Unterstützung verlieren."

Auf der anderen Seite könne dies aber vielleicht auch gut sein, meint Marx. Wenn die Hamas unter hohem Druck stehe, "könnte sie sich vielleicht bereit finden, mit Fatah wieder zusammen zu kommen und doch eine Regierung der Einheit zu bilden bzw. der Autonomiebehörde in Ramallah die Herrschaft über den Gaza-Streifen wieder zu überlassen". Israel habe daran allerdings kein Interesse, "denn das macht es natürlich für Israel sehr viel einfacher, die Palästinenser in Schach zu halten, wenn sie keine geeinte Front gegen Israel bilden können".

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