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Im Gespräch | Beitrag vom 15.05.2019

ZDF-Reporterin Arta Ramadani"Viele haben uns die Hand gereicht"

Moderation: Britta Bürger

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Die 38-jährige ZDF-Journalistin Arta Ramadani auf einem Parkdeck in die Kamera schauend. (Amanda Dahms)
Arta Ramadani arbeitet als Journalistin für das ZDF und sagt über ihre alte Heimat Kosovo: "Es ist ein sehr hoffnungsvolles Land." (Amanda Dahms)

Sie kam in den 90er-Jahren als Kind nach Deutschland. Heute arbeitet die gebürtige Kosovo-Albanerin Arta Ramadani als Journalistin für das ZDF. Und sie hat einen Roman über ein Flüchtlingsmädchen aus dem Kosovo geschrieben.

In der Flüchtlingsunterkunft war es "nett", erinnert sich Arta Ramadani. Im Alter von zwölf Jahren war sie 1993 mit ihrer Familie aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen, denn ihr Vater wurde in der Heimat politisch verfolgt. Sie kam in ein Deutschland, in dem es eine Willkommenskultur gab, damals:

"Ich habe mich willkommen gefühlt in Deutschland. Es war auch eine Willkommensstimmung. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich mir hier fremd vorkam. Im Gegenteil: Uns sind sehr viele Menschen begegnet, die uns geholfen haben, die uns die Hand gereicht haben."

"Nach objektiven Informationen gelechzt"

Aus dem Kosovo mitgebracht hatte Arta Ramadani ihren Berufswunsch, den sie später auch umsetzte: Journalistin zu werden. Eine Folge der Diskriminierung ihrer albanischen Volksgruppe im damals noch jugoslawischen Kosovo, die sie schon als Kind beobachtet hatte:

"Ich habe gesehen, wie man Menschen nicht nur politisch verhungern lässt, sondern auch kulturell verhungern lässt. Dementsprechend haben mein Papa und mein Onkel, die da um mich herum waren als Erwachsene, wirklich jeden Zeitungsartikel ausgeschnitten und weitergegeben. Also sie haben nach objektiven Informationen fast schon gelechzt. Und ich habe gesehen, dass objektive Informationen genauso wichtig sind wie Essen und Trinken."

Heute ist die 38-jährige Arta Ramadani Reporterin und Redakteurin beim ZDF. Die Lage in ihrer alten Heimat, dem mittlerweile unabhängigen Kosovo, bewegt sie. Vor allem die Perspektivlosigkeit junger Menschen in einem der ärmsten Länder Europas:

"Es ist gleichzeitig sehr traurig mitanzusehen, wie die Menschen dort leben, und gleichzeitig bewundere ich, dass diese Menschen trotz allem die Hoffnung nicht verlieren. Also es ist ein sehr hoffnungsvolles Land."

Kopftuch-Streit unter Muslima

Auch als Autorin beschäftigen ihre Herkunft und das Thema Migration Arta Ramadani. Ihr Debüt-Roman "Die Reise zum ersten Kuss. Eine Kosovarin in Berlin" hat viel Autobiografisches, so auch die Szene, in der muslimische Schülerinnen auf dem Schulhof über das Tragen von Kopftüchern streiten:

"Damit wollte ich zeigen, dass es selbst unter den Muslimen sehr große Unterschiede gibt, wie man diese Religion auslebt. Muslime sind nicht gleich Muslime, so wie man das manchmal in Deutschland meint."

Arta Ramadani und ihre Familie fühlen sich in Deutschland gut integriert. Doch der Aufstieg der AfD weckt bei ihren Eltern wie bei vielen, vor allem älteren Kosovo-Albanern Ängste: Dass sie Deutschland wieder verlassen müssen, wenn die Stimmung kippt.

Arta Ramadani: Die Reise zum ersten Kuss. Eine Kosovarin in Kreuzberg
Drava Verlag, Klagenfurt 2019
191 Seiten, 18,80 Euro

(pga)

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