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Interview | Beitrag vom 10.07.2018

Zahl der Scheidungen geht zurückDeutsche Paare auf der Suche nach der Glücksformel

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Ein Mann und eine Frau liegen im Bett und umarmen sich. (Toa Heftiba / Unsplash)
"Wir brauchen auf der einen Seite ganz viel Nähe und wir brauchen genügend Abstand", sagt der Paartherapeut Krüger über die Liebe. (Toa Heftiba / Unsplash)

Liebe ist heutzutage das Schwierigste überhaupt. Das sagt Paartherapeut Wolfgang Krüger. Denn wir wollen Sicherheit und zugleich Herzklopfen. Scheidungen dokumentieren dieses Scheitern. Aktuell aber scheitern sehr wenige Ehen. Laut den amtlichen Zahlen.

"Es ist wunderbar! Wir sehen seit sehr vielen Jahren, dass die Scheidungsrate sinkt", erklärt Paartherapeut Wolfgang Krüger. "Das Interessante ist, dass die Ansprüche, die wir an die Liebe haben steigen. Und trotzdem ist es so, dass immer weniger Leute sich scheiden lassen. Und man kann daraus den Schluss ziehen, dass viele Menschen miteinander glücklicher sind als noch vor 20 Jahren."

Dabei sei Liebe heutzutage das Schwierigste überhaupt, erklärt Krüger: "Weil wir etwas Unmögliches wollen. Wir wollen möglichst Sicherheit haben, lange zusammenbleiben und trotzdem Herzklopfen."

Ehe in unsicheren Zeiten?

Wie kommt es also, dass Paare trotz wachsender Ansprüche immer häufiger zusammen bleiben? Als Grund für die gesunkenen Scheidungszahlen wird oft genannt, dass eine Ehe in unsicheren Zeiten Sicherheit biete. Doch Wolfgang Krüger ist überzeugt, dass dies nicht der wichtigste Grund ist: 

"Ich glaube, dass man sich heute auch eher trennen würde. Wir wissen, dass die meisten Paare auch finanziell selbstständig sind. Und wir sind auch emotional selbstständig. Wir haben genügend Freundschaften. Vor allem Frauen könnten mühelos alleine glücklich werden, ohne diesen Mann."

Glück auch nach der Hochzeit

Dass immer mehr Paare zusammenblieben, habe, so Wolfgang Krüger, eher damit zu tun, dass sich heutzutage vor allem die Paare für eine Ehe entschieden, die ohnehin schon eine glückliche Beziehung führten: "Das war vor 40 Jahren anders. Da hat man geheiratet aus Sicherheitsgründen und heute heiratet man aus emotionalen Gründen. Und wer dann heiratet, da verbessert sich dann die Beziehung."

Lieben lernen

Außerdem hätten sich in den vergangenen 30 Jahren immer mehr Menschen mit dem Thema Liebe und der Frage, wie man eine glückliche Liebesbeziehung führt, auseinandergesetzt. Eine glückliche Liebesbeziehung mache aus "dass wir respektvoll miteinander umgehen", so Krüger: "Wir brauchen eine gute Stimmung, sonst beginnt ein Prozess der Entfremdung, dann wird es aber schwierig: Wir brauchen eigentlich immer zwei Dinge, die nicht ganz zusammengehören. Wir brauchen auf der einen Seite ganz viel Nähe und wir brauchen genügend Abstand, dass jeder sein Eigenleben hat. Dass die Beziehung interessant bleibt. Wir müssen Beziehungen haben, wo wir miteinander reden, aber im richtigen Moment auch mal den Mund halten."

(mw)

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