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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 21.09.2017

Zafer Şenocak über die Katalonien-KriseIm Hintergrund steht immer noch Franco

Moderation: Korbinian Frenzel

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Protestmarsch in Barcelona am 20.09.2017 für ein Referendum zur Unabhängikeit Kataloniens. Demonstranten tragen eine symbolische Wahlurne mit der Aufschrift "I want to be free" (AFP/Pau Barrena)
Protestmarsch in Barcelona am 20.09.2017 für ein Referendum zur Unabhängikeit Kataloniens. (AFP/Pau Barrena)

Viele Katalanen sind entschlossen, sich vom Rest Spaniens unabhängig zu machen. Die Regierung hält mit harten Maßnahmen dagegen. Die Region habe das Trauma der Franco-Unterdrückung noch immer nicht verarbeitet, meint der Publizist Zafer Şenocak.

Eskaliert die Sítuation in Spanien? Laut Umfragen befürworten etwa drei Viertel der Katalanen das Unabhängigkeits-Referendum - das nach spanischem Recht jedoch nicht legal wäre. Deshalb will sich die spanische Regierung die Offensive der Katalanen nicht bieten lassen: In einer konzertierten Aktion wurden Untersuchungen von über 40 katalanischen Amts- und Parteigebäuden durchgeführt und 14 Bedienstete festgenommen, nachdem man in den letzten Tagen schon Konten der Regionalregierung blockiert hat. Wo führt das hin?

Unterschwellig laufe einiges schief in Spanien, meint der Publizist Zafer Şenocak, der für ein unabhängiges Katalonien plädiert: "Ich denke, dass es nicht gut ist, dass Menschen in einem Staat leben, mit dem sie sich überhaupt nicht identifizieren. Ich halte das für sehr schwierig."

Katalonien war eine unterdrückte Region

Ein weiteres Beispiel sei das frühere Jugoslawien. Dieses "Völkergefängnis" hätte sein Problem vielleicht auch mit einem rechtzeitigen Referendum friedlich lösen können -  statt mit einem Krieg, der schließlich zu ethnischen Säuberungen geführt habe.

Der Publizist Zafer Şenocak (Deutschlandradio / Torben Waleczek)Der Publizist Zafer Şenocak (Deutschlandradio / Torben Waleczek)

Es gebe weltweit so viele Beispiele für Separationsbestrebungen, dass es schwierig sei, von außen jede richtig einzuordnen. Für Şenocak steht jedoch fest: Katalonien tauge nicht, um Souveränitätsbestrebungen in ein schlechtes Licht zu rücken "weil Katalonien nun wirklich ein unterdrückter Teil Spaniens unter der Franco-Diktatur war. Es ist lange her - es ist aber nicht überwunden." Deshalb könne das Referendum auch eine Gelegenheit sein, diese bislang kaum aufgearbeitete Vergangenheit zu bewältigen.

Die komplette Sendung mit Zafer Şenocak hören Sie hier:

Zafer Şenocak ist Autor und Publizist. Er wurde 1961 in Ankara geboren, seit 1970 lebt er in Deutschland. Şenocak studierte Germanistik, Politik und Philosophie in München. Seit 1979 veröffentlicht er Gedichte, Essays und Prosa in deutscher Sprache. Er schreibt regelmäßig für die "tageszeitung" in Berlin und andere Publikationen. Zuletzt erschien sein Buch "In deinen Worten: Mutmaßungen über den Glauben meines Vaters".

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