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Interview | Beitrag vom 04.06.2019

YouTube und SchuleWas ein Lehrer von Erklärvideos hält

Rainer Werner im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Kind mit ipad in der Schule. (imago/Westend61/zerocreatives)
Bei genutzten Videos müsse es für Schülerinnen und Schüler einen Mehrwert geben, sagt Rainer Werner. (imago/Westend61/zerocreatives)

Schüler nutzen gerne YouTube, um zu lernen. Der Rat für Kulturelle Bildung fordert deshalb, die Plattform besser in den Unterricht zu integrieren. Der Gymnasiallehrer Rainer Werner verweist auf die qualitativen Unterschiede bei Lehrvideos im Netz.

YouTube hilft vielen Kindern und Jugendlichen beim Lernen. Ob Photosynthese, Dreisatz oder Bodenerosion – auf der Videoplattform lassen sich dazu mit wenigen Klicks zahlreiche Erklärvideos finden. Die Plattform übernimmt damit die Rolle eines medialen Hilfslehrers. Das hat jetzt der Rat für Kulturelle Bildung in einer aktuellen Studie festgestellt und fordert, YouTube besser in die schulische Bildung zu integrieren. Ob das eine gute Idee ist, haben wir Rainer Werner, Gymnasiallehrer für Deutsch, Sozialkunde und Geschichte, gefragt.

Er habe sich mehrere Videos in Deutsch und Geschichte auf YouTube angeschaut und dort hätten Lehrer und Lehrerinnen "hervorragende Vorträge" gehalten – unterstützt mit einer Power-Point-Präsentation und "schönen Grafiken", sagte Werner im Deutschlandfunk Kultur. "Wenn der Unterricht, den die Lehrer geben, dieselbe Qualität hätte wie teilweise die YouTube-Videos, dann würde der Unterricht enorm gewinnen."

Aus Sicht vieler Kinder und Jugendlicher schaffe es YouTube, Unterrichtsinhalte unterhaltsamer zu transportieren. Lehrer und Lehrerein müssten deshalb lernen, besser ihre Inhalte an die Schülerinnen und Schüler zu bringen, so Rainer Werner, der selbst jahrelang in der Lehrerausbildung tätig war: "Ich habe manchmal ganz langweilige Grammatikstunden gesehen, die keinen Schüler vom Hocker gerissen haben."

Schüler mögen spannenden Unterricht

Auch Rainer Werner hält es für weltfremd, YouTube aus dem Unterricht auszuschließen. Er gibt aber zu bedenken, dass es auch darum gehe, welche Videos im Unterricht gezeigt werden. So kenne er Lehrer und Lehrerinnen, die professionell erstellte Videos im Geschichtsunterricht nutzen würden und diese anschließend mit den Schülern und Schülerinnen besprechen. Die Schüler würden das durchaus honorieren, denn Schüler bevorzugten Lehrer, die einen Unterricht spannend gestalten, sagte Werner.

In allen Unterrichtsfächern gäbe es ein Potenzial für Spannendes, so Werner. Selbst den Grammatikunterricht könnte man mit Ratespeilen oder einem Quiz aufpeppen. "Es ist wichtig, dass die Schüler mitgenommen werden. Und die heutige Generation lässt sich mitnehmen, wenn der Unterricht ein bisschen unterhaltsam ist."

Videos von Laien haben wenig Substanz

Werner habe bei den Lehrvideos auf YouTube aber auch große Unterschiede gesehen. So müsse es bei genutzten Videos darum gehen, dass sie einen "Gewinn" und ein "Mehrwert" für die Schüler erzielen.

So gebe es YouTube-Plattformen, wo Lehrer selbst auftreten wie der Videoblog "MrWissen2goGeschichte", mit einer hohen Qualität, sagte Werner.

"Wenn aber Laien, Schülerinnen und Schüler aufgetreten sind und ihre Videos abgespielt haben, dann war das weder handwerklich noch im Grunde vom Substrat her besonders gut."

(jde)

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