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Kompressor | Beitrag vom 19.12.2018

Youtube-Serie "KSK – Kämpfe nie für dich allein"Werbung für die Bundeswehr im Influencer-Format

Matthias Dell im Gespräch mit Max Oppel

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Screenshot der Youtube-Serie "KSK – Kämpfe nie für dich allein" (Youtube )
Screenshot der Youtube-Serie "KSK – Kämpfe nie für dich allein" (Youtube )

Die Youtube-Serie "KSK – Kämpfe nie für dich allein" handelt von einer Elite-Einheit der Bundeswehr. Durch die Folgen führt ein sportlicher Typ. Doch was dokumentarisch wirkt, ist Propaganda, sagt Filmkritiker Matthias Dell.

Das Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, ist eine Elite-Einheit der Bundeswehr. Sehr viel weiß man nicht über die Truppe, außer, dass hier harte Kerle schwierige Einsätze wie zum Beispiel in Afghanistan haben. Die Serie "KSK – Kämpfe nie für dich allein" lief einen Monat auf Youtube und sei Propaganda, die dokumentarisch daherkommt, meint unser Filmkritiker Matthias Dell. Der Forschungstaucher und Filmemacher Robert Marc Lehmann nimmt dort an einem Ausbildungscamp der KSK in Belize teil und dann an einer internationalen Übung in Dänemark. Matthias Dell hat sich die 22 Folgen für uns angeschaut.

Max Oppel: Wie genau erzählt die Serie von der Arbeit des KSK?

Matthias Dell: Wie in einem für  Youtube typischen Influencer-Format hat man Robert Marc Lehmann als Host, der sich mit der Kamera selbst filmt, da reinspricht und erzählt, was er erlebt und mitmacht. Das Ganze wird Social-Media-mäßig auch noch auf anderen Kanälen ausgespielt. Der Lehmann ist nicht unsympathisch, ein sportlicher Typ, was am Ende von den Soldaten gelobt wird, dass er gut mitgehalten habe, witzig, aber auch etwas limitiert in der Sprache, da wird vor allem immer gestaunt und gelobt, und er muss immer wieder sagen, wie krass das jetzt gewesen ist.

Das hat natürlich damit zu tun, dass das Format zur Werbung gedacht ist. Die Bundeswehr hat sechs Millionen Euro dafür bezahlt. Man hat auch die Plakatkampagnen gesehen. Lehmann ist kein kritischer Dokumentarist oder unabhängiger Ausprobierer, sondern ein Mitmacher. Das Ziel ist klar: Zum einen das Image zu pflegen und zum anderen Rekruten zu gewinnen.

Oppel: Kann man beides gleichzeitig schaffen?

Dell: Wenn man in die Kommentare unter den Youtube-Folgen schaut, dann merkt man schon, dass da viel gefragt wird, wie man zum KSK kommt. Und Lehmann erklärt das am Anfang ganz kurz, dass KSK ganz häufig gegoogelt würde im Zusammenhang mit Bundeswehr, weil die Elitetruppe einen gewissen Reiz hat. Es wird im neuen Jahr weiter solche Formate von der Bundeswehr geben. Die Zuschauerzahlen sind meistens sechststellig, fast 400.000 Leute haben den Kanal abonniert.

"Zwittriges Format"

Oppel: Kann man die Serie auch gucken, wenn man nicht zum KSK will, also einfach als Unterhaltung konsumieren wie anderes Fernsehen?

Dell: Da hätte ich meine Zweifel, obwohl es auch Kommentare gibt wie "Kann nächste Folge nicht erwarten". Das Problem ist, dass das spannungsmäßig nicht optimal aufbereitet ist. Das hat seine Gründe in diesem zwittrigen Format – auf der einen Seite will man etwas zeigen, auf der anderen Seite kann man vieles aber auch nicht zeigen, weil zum Beispiel geheim Taktik geübt wird. Ein anderes Problem ist die Selfie-Mitmach-Perspektive von Lehmann, die vieles eben nicht einfangen kann, weil sie komplexe Bewegungen nicht in mehrere Einstellungen auflösen kann, obwohl es hinter ihm auch noch ein Kamerateam gibt.

Oppel: Nun hat es zuletzt ja Berichte gegeben über geheime, rechtsextreme Netzwerke beim KSK, die sich angeblich für einen Tag X vorbereiten, um unliebsame Politiker festzusetzen. Was macht dieses Wissen mit einem, wenn man sich diese Folgen anschaut?

Dell: Das erschwert das Gucken nochmal, weil dieser "TAZ"-Text kam kurz nach dem Start der Serie heraus, in der sieht man davon nichts, aber man schaut schon anders, weil diese Beschwörung eines reinen Professionalismus plötzlich einen anderen Sinn haben könnte.

(Auszüge aus dem Gespräch)

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