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Tonart | Beitrag vom 13.11.2014

Young FathersAlbum zum Mitmachen

Hip-Hop-Band lässt neu produzierte Lieder vor Veröffentlichung bewerten

Von Bettina Brecke

Musik, Kopfhörer, Hören (dpa / picture alliance / Wolfram Steinberg)
Schottische Hip-Hopper: "Berlin ist einfach eine tolle Stadt." (dpa / picture alliance / Wolfram Steinberg)

Für einen Monat lebt die schottische Hip-Hop-Band Young Fathers in Berlin und bastelt an ihrem neuen Album. Sofort nach der Produktion darf eine Gruppe ausgewählter Ersthörer die Songs bewerten - kritisches Feedback ist erwünscht.

Nicht mal ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres Albums "Dead" basteln die "Young Fathers" an einem neuen Werk. Für einen Monat werden sie in Berlin leben und arbeiten. Die Band hat sich vorgenommen, bis Ende November Albumaufnahmen, Pressefotos, Musikvideos und das Artwork ihrer neuen Platte im Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin Moabit fertigzustellen.

"Berlin ist einfach eine tolle Stadt. Wir hatten die Chance hier herzukommen und haben sie genutzt. Wir haben früher immer im selben Studio unsere Songs aufgenommen, seit weiß Gott wie vielen Jahren. Wir mögen es aber einfach uns selbst zu pushen. Also trauen wir uns in eine neue Umgebung. Und man weiß ja nie – vielleicht kann die Luft in Berlin was Neues erschaffen!"

15 Leute bewerten zwei noch geheime Songs

Kayus von den "Young Fathers" spricht euphorisch über seine Zeit in Berlin. Hier kann er seine Kreativität völlig ausleben – neu für die ganze Band ist: Ein Teil der Öffentlichkeit soll die Albumentstehung miterleben. Dazu veranstalten die "Young Fathers" so genannte Quality Control Meetings. Zu der ersten Musik-Qualitätskontrolle wurden 15 Leute eingeladen, um sich zwei noch ganz geheime Songs des neuen Albums anzuhören. Manager Tim Brinkhurst erklärt, wo er sich Idee eines solchen Treffen abgeguckt hat:

Tim Brinkhurst: "Ihr nehmt heut an einer so genannten Quality Control teil. Diese ist angelehnt an die berühmten Quality Control Meetings von Motown Records in den 60er- und 70er-Jahren. Berry Gordy, der Boss von Motown hat jeden Montagmorgen pünktlich um neun Uhr Produzenten, Songschreiber und einige von den Künstlern in sein Büro gerufen. Fünf Minuten später wurde der Raum abgeschlossen und wenn man zu spät kam, wurde man nicht mehr rein gelassen. Dann hat man Musik gespielt und darüber diskutiert, ob ein Song ein Hit werden kann. Produzenten haben also einen bestimmten Song verteidigt und über ihn gestritten, und diskutiert, wer ihn singen wird. Unsere Version der Quality Control ist ein wenig fantasieloser und gradliniger, aber nützlich für uns!"

"Raus aus der Wohlfühlzone"

Die "Young Fathers" Version des Quality Control Meetings sah wie folgt aus: Die 15 geladenen Gäste saßen zusammen an einem großen Tisch. Nacheinander wurden zwei noch unfertige Songs gespielt, zu denen je fünf Fragen gestellt wurden – so ging es um den ersten Eindruck beim Hören, den Inhalt des Songs und um die Frage, ob er ein Nummer eins Hit werden kann.

Kayus: "Wir wollten aus unserer Wohlfühlzone ausbrechen und uns so unwohl wie nur möglich fühlen. Wenn du etwas Ungewöhnliches probierst, dann entsteht meistens etwas Tolles daraus. Um ehrlich zu sein, hat es sich eigenartig angefühlt, weil wir sowas vorher noch nie gemacht haben. Wir haben noch nie, seit dem wir Songs aufnehmen, Leuten erlaubt unfertige Sachen anzuhören. Noch nicht mal, als wir noch kleine Jungs waren".

Einfluss auf das Album noch ungewiss

Die Antworten zu den Fragen wurden auf einen Zettel notiert und abgegeben. Es gab Pizza und Getränke und nach der Fragerunde hatte man Zeit die Band etwas genauer kennen zu lernen. Auch für die Teilnehmer der Quality Control war dieses Treffen etwas Besonderes:

Eine Frau: "Diese zwei Songs zu hören, noch im ganz Roh-Zustand, das war auf jeden Fall ein ganz neues Erlebnis, also ein unfertiges Produkt präsentiert zu bekommen und auch zu sehen, dass die Künstler auch selber da noch ganz unsicher sind, das fand ich sehr spannend."

Ein Mann: "Ich finde es sehr interessant, weil man mal merkt, wie sehr eine Band sich doch um Feedback interessiert, vor allem bevor die Musik eigentlich noch nicht fertig ist, also noch gar nicht im Kasten ist. Ich finde es ziemlich sympathisch, wie offen die Band ist, anscheinend für Feedback, und wie lustig und sympathisch das heute Abend ablief."

Welchen Einfluss die Quality Control auf das neue Album der "Young Fathers" hat, ist noch ungewiss, oder wie Kayus sagt, es könnte auch sein, dass sie einen Zettel nehmen, ihn lesen und dann alle anderen verbrennen.

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