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Fazit | Beitrag vom 12.04.2018

World Press Photo"Das ist ein Bild, das rein von dem Effekt lebt"

Rolf Nobel im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Der Fotojournalist Rolf Nobel zeigt sich enttäuscht über das diesjährige Siegerbild des Wettbewerbs "World Press Photo". Die Jury habe die Chance verpasst, ein Foto auszuzeichnen, das in seiner Tiefe über den abgebildeten Moment hinausgehe. Es lebe nur vom Effekt und einer Optik, die an Kriminalfilme erinnere.

Ein drastisches Foto von den heftigen Unruhen in Venezuela ist das Pressefoto des Jahres 2018. Das Sieger-Foto mit dem Titel "Venezuela Krise" zeigt einen jungen Mann mit Gasmaske, dessen Oberkörper in Flammen steht. Die Jury des renommierten Wettbewerbs "World Press Photo" zeichnete dafür den Fotografen Ronaldo Schemidt in Amsterdam mit dem mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis aus. Er arbeitet für die französische Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP), stammt aus Venezuela, ist aber in Mexiko stationiert.

Der Fotograf und Professor Rolf Nobel - hier in seiner Funktion als Leiter des 4. Lumix Festivals für jungen Fotojournalismus an der Fachhochschule Hannover. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)Der Fotograf Rolf Nobel (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Reines Pressebild

"Ich habe im ersten Moment gedacht, das sieht aus wie ein Still aus einem Actionfilm", kritisierte der Fotojournalist Rolf Nobel im Deutschlandfunk Kultur die Entscheidung der Jury für dieses Bild. "Ich muss ehrlich sagen, ich bin ziemlich enttäuscht von dem Bild, weil es eben halt ein reines Pressebild ist und damit die ganz große Chance verpasst wurde, ein Bild zu prämieren, das in seiner Tiefe über den abgebildeten Moment hinausgeht." Das Foto vermittle dem Betrachter nicht, was die Ursache des abgebildeten Geschehens sei. Es gebe keine Hinweise darauf, was sich in Venezuela abgespielt habe, weder auf die politische oder wirtschaftliche Lage noch die Repression der Regierung. "Dieses Bild hätte vor 20 Jahren im Nordirland-Konflikt fotografiert sein können oder bei irgendeiner gewaltsamen Auseinandersetzung in Südostasien."

Optik aus Thrillern

Solche Bilder sehe man im World Press Wettbewerb leider immer wieder seit Jahrzehnten, kritisierte der Mit­be­grün­der der Fo­to­jour­na­li­sten-Or­ga­ni­sa­tion Free­Lens, der heute im Bei­rat des Vor­stan­des sitzt. In den Medien gebe es ein sehr starkes Bedürfnis nach einer dramatischen Aktion, die den Leser sofort "flasht". "Wir sind diese Bilder gewohnt aus Kriminalfilmen, aus Thrillern, aus Filmen, die mit ganz viel 3D-Animationen arbeiten, wo man sich eigentlich Bilder konstruieren kann, wie man sie vor Augen hat", sagte Nobel. Das Siegerbild lehne sich sehr stark an diese Optik aus Thrillerfilmen an. "Das ist ein Bild, das rein von dem Effekt lebt, von nichts anderem."

Harter Konkurrenzdruck

Schon vor drei, vier Jahren habe es im Zusammenhang mit dem Wettbewerb eine große Diskussion darüber gegeben, dass viele der eingereichten Bilder sehr stark bearbeitet würden. "Im Prinzip wie jemand, dessen Geld nur reicht für ein japanisches Mittelklasseauto, der unbedingt einen Ferrari daraus machen will." Es gebe inzwischen einen enormen Konkurrenzkampf, der dazu führe, dass die Kollegen ihren Bildern nicht mehr vertrauten, sondern versuchten ihre Bilder aufzumotzen. "Wir haben viel zu viele Fotografen auf der Welt und viel zu wenig Aufträge für diese Fotografen."   

Auch deutsche Gewinner

Insgesamt waren 42 Fotografen in acht Kategorien ausgezeichnet worden. Zu den Gewinnern gehören auch zwei deutsche Fotografen. So gewann Jesco Denzel einen ersten Preis für ein Foto aus Lagos. Thomas P. Peschak wurde gleich dreimal ausgezeichnet für Fotos in den Kategorien Umwelt und Natur.

(gem)

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