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Interview | Beitrag vom 26.02.2020

Workshops gegen DiskriminierungRassistischen Parolen Paroli bieten

Christian Schneider im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein Schild mit der Aufschrift " Rassismus ist keine Alternative" inmitten der Menschenmenge auf der Großkundgebung Ulteilbar in Berlin. (imago images / Müller-Stauffenberg)
Das Aktionsbündnis "Aufstehen gegen Rassismus" hat eine ganz klare Botschaft. (imago images / Müller-Stauffenberg)

Schlagfertig und effektiv auf rechte Parolen reagieren - das kann man üben. Bundesweite Workshops sollen helfen, wie man die "Schrecksekunde" nach einem diskriminierenden Verbalangriff überwinden und sinnvoll Contra geben kann.

Schlecht und abfällig über andere reden. Sie attackieren - verbal oder körperlich. Ihre Rechte in Frage stellen. Wegen der Hautfarbe, einer bestimmten Religion, oder einfach nur wegen der Herkunft. Das ist Rassismus, der einem tagtäglich und überall begegnen kann: im Büro, beim Bäcker, in der Freizeit.

"Es sind oftmals die unterschwelligen Parolen, die uns stocken lassen, die diese berüchtigte Schrecksekunde hervorrufen, in der wir nicht wissen: Hat er das jetzt wirklich so gesagt? Meint er das so? Wie kann ich da jetzt drauf reagieren?", sagt Christian Schneider.

Er ist Projektleiter der Stammtischkämpfer*innen beim Aktionsbündnis "Aufstehen gegen Rassismus" in Berlin, das Argumentationstrainings gegen rechte und diskriminierende Parolen veranstaltet.

In den Workshops setzt Schneider auf einen Erfahrungsaustausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach einem "theoretischen Input" folgen praktische Übungen, in denen das Gelernte angewendet wird.

Offen sein, aber klar in der Haltung

Es komme bei rassistischen Äußerungen immer darauf an, die Situation "aufzudröseln", sagt Schneider. Wichtig sei dabei, die Person, die sich rassistisch äußert, nicht selbst wieder anzugreifen.

"Wenn ich jetzt auf diese Aussage reagiere, dann ist es wichtig, dass ich dem Menschen gegenüber erst einmal offen bin, aber auch klar in meiner Haltung. Zu sagen 'Du bist Rassist, weil du dich so geäußert hast' blockt alles ab und zerstört jede Diskussion. Wenn ich aber sage 'Hey, das war eine rassistische Aussage gerade von dir, können wir darüber mal reden', dann kann ich das schaffen, ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch einen Denkprozess anzustoßen."

(huc)

Handlungstipps von Experten gegen die Verunsicherung: In unserer Reihe "Rassismus und Gewalt" gehen wir den Fragen nach, wie wir auf Rassismus, Sexismus und Antisemitismus im Alltag reagieren können.

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