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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.01.2018

Woran arbeiten Sie gerade, Frau Baydar?"Ich bin eigentlich dauerinspiriert"

Idil Baydar im Gespräch mit Dieter Kassel

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Die Kabarettistin Idil Baydar (Copyright: Cengiz Karahan)
Die Kabarettistin Idil Baydar (Copyright: Cengiz Karahan)

Idil Baydars zweites Ich ist die Kunstfigur Jilet Ayse. Mit ihr wurde Baydar bekannt, erst im Internet, und dann im Fernsehen. Die Schauspielerin und Comedienne sagt über ihre Arbeit, dass die eigentlich gar keine Arbeit sei. "Das was ich mache, das ist wirklich mit mir verwachsen."

Ihre Kunstfigur Jilet Ayse hat sie berühmt gemacht, zuerst im Internet und dann auf der Bühne und im Fernsehen. Idil Baydar sagt, Ayse sei aus ihr "herausgewachsen" - sie und Ayse seien sich durchaus ähnlich. Trotz des großen Erfolgs macht Baydar viel mehr als Comedy: Sie tritt im Januar und Februar noch zweimal in dem Theaterstück "Am Königsweg" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg auf, ab dem 21. Februar ist sie mit ihrem zweiten Soloprogramm "Ghettolektuell" in der Berliner Bar jeder Vernunft zu sehen. Nebenher macht sie auch noch Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten in Berlin.

Sehr lustig, aber auch schwer politisch

Baydar ist richtig lustig, aber auch schwer politisch. Und sie denkt darüber nach, was sie da macht. Der AfD, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur, mag sie nicht zu viel Platz einräumen, denn alles, auf das man die Aufmerksamkeit lege, wachse. Dennoch hat sie auch schon Alexander Gauland den Marsch geblasen. Und sich auch historisch mit der rechten Ecke beschäftigt:

Baydar ist so deutsch, wie man sein kann

Der hintergründigste Witz an der Kunstfigur Ayse ist vielleicht, dass Baydar in Deutschland geboren worden und Waldorf-Schülerin ist - an ihr ist quasi alles deutsch. Kein Wunder, dass sie es leid ist, im alltäglichen Leben als Türkin wahrgenommen zu werden. Sie erzählt die Geschichte von einer Taxi-Fahrt, bei der sie den Fahrer fragte: "Sagen Sie mir mal fünf gute Dinge über Türken." Erst sagte der Fahrer nichts, dann musste er lachen. Baydar: "In dieser permanenten Negativ-Konnotation zu stehen, das ist etwas, was unnötig ist, für Unruhe sorgt, auch Schmerzen bereitet."

Die Kabarettistin Idil Baydar zu Gast in der ARD-Talksendung "Maischberger" (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)Die Kabarettistin Idil Baydar zu Gast in der ARD-Talksendung "Maischberger" (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

Zu ihrer Arbeit sagte Baydar, die fühle sich gar nicht an wie Arbeit. "Das was ich mache, das ist wirklich mit mir verwachsen." Nur wenn sie erschöpft sei, werde es Arbeit. Ansonsten mache ihr alles großen Spaß: "Ich bin eigentlich dauerinspiriert." (ahe)

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