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Studio 9 | Beitrag vom 22.01.2017

Women's March gegen TrumpMillionen protestieren für ein buntes, weltoffenes Amerika

Von Thilo Kößler

"Pro America - Anti Trump" - In Wahington haben sich zwei Frauen in die US-Flagge gewickelt. (imago/ZUMA Press)
"Pro America - Anti Trump" - In Wahington haben sich zwei Frauen in die US-Flagge gewickelt. (imago/ZUMA Press)

Mehr als eine Millionen Menschen haben am Samstag in den USA für Frauenrechte und gegen den frisch vereidigten Präsidenten Donald Trump protestiert. Viele der Frauen und Männer zeigten sich überzeugt, dass diese Demonstrationen erst der Anfang einer breiten Protestbewegung sind.

Es dürften im ganzen Land mehr als eine Million Menschen auf den Beinen gewesen sein, um einen Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump gegen ihn zu demonstrieren. Allein in Washington waren es beim "Women's March", beim Marsch der Frauen auf Washington, weit mehr als 500.000 Menschen.

Hunderttausende Menschen demonstrieren in Washington für Frauenrechte, für ein weltoffenes Amerika und gegen US-Präsident Donald Trump. Überall auf der Welt schließen sich Frauen und Männer diesen Protesten an. (picture alliance / MAXPPP/dpa)Hunderttausende Menschen demonstrieren in Washington für Frauenrechte, für ein weltoffenes Amerika und gegen US-Präsident Donald Trump. (picture alliance / MAXPPP/dpa)

Stundenlang gab es auf National Mall zwischen Lincoln Memorial und Weißem Haus kein Durch- und Weiterkommen mehr. Popstar Madonna sprach von einem Start für eine Revolution, die Schauspielerin America Ferrera von einer Demonstration der Würde.

Ron aus Seattle sah das andere Amerika auf den Beinen – im Gegensatz zu den Trump-Anhängern, die am Freitag bei der Inauguration Danold Trumps hier dabei waren.

Viele Frauen trugen sogenannte Pussy-Hats – rosa Wollmützen mit angedeuteten Genitalien – aus Protest gegen die Äußerungen Donald Trumps in einem Video, als Star könne man Frauen überallhin fassen. Angie aus Colorado trug einen Frauenrechte-Schutzanzug, wie sie ihren Overall nannte: über und über mit Menschenrechtsparolen bedruckt und mit einem knallroten Stoppschild im Schritt: Das ist nicht öffentlicher Besitz, stand drauf.

Aus Georgia war eine Gruppe von Frauen angereist – man müsse jetzt seine Stimme erheben, sagt Carol – und Liz meint: Der Protest wirkt. So sieht Demokratie aus, heiße nicht von ungefähr die meistgehörte Parole auf dieser Demonstration.

Arlene aus New York, ein ältere Dame mit grauen Locken, fühlt sich an die Anti-Vietnam-Demonstration 1969 erinnert – damals demonstrierten 600.000 Menschen auf der National Mall.

Eine junge Frau am 21. Januar 2017 in Brüssel beim Protestmarsch Women's March gegen Trump - und gegen Sexismus und Gewalt (picture alliance/dpa/Bruno Fahy)Weltweiter Protest: Eine junge Frau in Brüssel beim Protestmarsch Women's March gegen Trump - und gegen Sexismus und Gewalt. (picture alliance/dpa/Bruno Fahy)

Jerry findet es gut, dass auch so viele ältere Leute gekommen sind, sagt er. Das verleihe dieser Demonstration noch mehr Glaubwürdigkeit. Jerry ist mit Michael verheiratet – sie sind seit 35 Jahren ein Paar, durften aber erst vor drei Jahren heiraten: Die gleichgeschlechtliche Ehe dürfe nicht wieder verboten werden – deshalb seien sie hier.

Nicht mein Niveau - "This is not my precedent"

Viele sind wie Madonna davon überzeugt, dass diese Demonstration erst der Anfang einer breiten Protestbewegung ist – für ein buntes, weltoffenes Amerika, das Einwanderer nicht als Fremde erlebt und Minderheiten nicht ausgrenzt. Elisabeth aus Virginia hat ein riesiges Plakat mit einem Trump-Porträt gemalt, das sie mit ihrer Freundin über einen Gehweg gespannt hat: 'This is not my precedent' steht drauf: Dies ist nicht mein Niveau: Trump sei ein Sexist, ein Rassist, ein Panikmacher.

Über Stunden hat sich der Zug im Schritttempo in Richtung Weißes Haus bewegt. Nun steht eine Gruppe junger Frauen vor der letzten Absperrung. Er hört uns bestimmt, sagt Ellen. Wir sind so viele. Trump kann uns gar nicht ignorieren.

Später kommt die Bestätigung: Donald Trump hat diese Demonstration sehr wohl wahrgenommen. Sonst hätte er seinen Pressesprecher Sean Spicer anschließend nicht erklären lassen, dass bei der Amtseinführung Donald Trumps viel mehr Leute da waren als damals bei Obama und jetzt bei dieser Demonstration – die Medien würden die Bilder bewusst manipulieren. Und weiter: "Noch nie waren so viele Menschen bei dieser Zeremonie dabei."

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