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Interpretationen | Beitrag vom 25.08.2019

Wolfgang Amadeus Mozarts Variationen für KlavierAls Geschenk verpackt

Moderation: Jan Brachmann

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Wolfgang Amadeus Mozart auf einem posthumen Gemälde von Barbara Krafft (1819) (Archiv Deutschlandradio)
Sah er so aus? Wolfgang Amadeus Mozart auf einem posthumen Gemälde von Barbara Krafft (1819) (Archiv Deutschlandradio)

Morgen kommt der Weihnachtsmann, wenn’s sein muss, auch mitten im Sommer. Denn die Melodie gibt es auch ohne diesen Text, unter anderem in Klaviervariationen von Wolfgang Amadeus Mozart. Alles andere als ein Kinderspiel!

Morgen kommt der Weihnachtsmann – Twinkle, twinkle, little star – Ah! Vous dirai-je, maman: Über dieses europaweit bekannte Kinderlied hat Wolfgang Amadeus Mozart im Frühsommer 1778 in Paris zwölf Variationen KV 265 für Klavier geschrieben. Sie sind merkwürdigerweise der einzige Zyklus dieser Werkgattung, der es zu echter Popularität gebracht hat. Dabei gibt es von Mozart mehr als ein Dutzend Variationsreihen für Klavier.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Musik auf Zuruf

Kinder- oder Tanzlieder zu variieren, war zu Mozarts Zeit eine beliebte Wettkampfdisziplin reisender Virtuosen. Man ließ sich vom Publikum im Konzert ein Thema geben, gern auch aus erfolgreichen Opern, und improvisierte darüber. Solchen Anlässen verdanken sich auch Mozarts Variationen: Sie sind eng verknüpft mit seiner Parisreise 1778 und mit seinen Auftritten als Klaviervirtuose in Wien, Berlin und Frankfurt am Main. Daher unterscheiden sie sich grundlegend von seinen Klaviersonaten.

Während letztere eher für musikalische Laien, namentlich Mozarts adlige Klavierschülerinnen, geschrieben wurden, stellen die Variationen oft nachträglich fixierte Improvisationen dar und gingen ein in Mozarts eigenes Repertoire. Ihr technischer Anspruch ist ungleich höher als bei den Sonaten.

Irrwitz in Hundertachtundzwanzigsteln

Schon die Variationen über "Ah! Vous dirai-je, maman", zunächst scheinbar kindlich-harmlos und rein äußerlich quasi als Geschenk verpackt, enthalten einen reichen Fundus an klavieristischen Gemeinheiten mit eingebauter Kindersicherung. Im Zyklus über "Lison dormait" KV 264 hat Mozart diese Akrobatik bis zum Irrwitz von Trillerketten, Hundertachtundzwanzigstelnoten und einem Sextenglissando gesteigert.

Vielleicht liegt es an diesem technischen Höhenflug, dass es von den Variationen so wenig Gesamtaufnahmen gibt, während man bei den Sonaten eine große Auswahl auf dem Plattenmarkt findet. Durch die Renaissance des Hammerflügels jedoch erlebt die enzyklopädische Beschäftigung mit Mozarts Experimentalpianistik einen Aufschwung.

Jan Brachmann stellt in dieser Sendung, die wir aus dem Jahr 2009 wiederholen, Aufnahmen auf dem modernen Flügel ebenso vor wie Annäherungen auf historischen Instrumenten der Mozart-Zeit. Zu entdecken ist eine Musik, die vom Spieler Mut und Übermut fordert.

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