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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 12.07.2014

WM-Tagebuch (30)Keiner will den Trostpreis

Das Duell der Enttäuschten

Von Thomas Wheeler

Luiz Gustavo und Dante ärgern sich über eines der vielen Gegentore im WM-Spiel gegen Deutschland. (picture alliance / dpa / Sharifulin Valery)
Luiz Gustavo und Dante ärgern sich über eines der vielen Gegentore im WM-Spiel gegen Deutschland. (picture alliance / dpa / Sharifulin Valery)

Heute kicken Brasilien und die Niederlande um die Goldene Ananas, nämlich Platz 3. Die einen wollen sich würdig vom Heimpublikum verabschieden, die anderen die WM ungeschlagen verlassen.

Brasiliens Trainer Luis Felipe Scolari widerspricht sich nach dem Debakel gegen die deutsche Mannschaft immer häufiger. Erst sah er das Spiel um Platz 3 als neue Herausforderung. Dann hat er es als lästige Pflicht bezeichnet. Sein niederländischer Kollege Louis van Gaal würde das "kleine Finale" am liebsten sofort abschaffen. Gut möglich, dass beide Spielern eine Chance geben, die bisher noch nicht im Rampenlicht dieser Weltmeisterschaft standen. Anstoß in Brasilia ist um 22 Uhr unserer Zeit.

Weiß Scolari eigentlich noch, was er gestern oder vor ein paar Stunden bzw. ein paar Minuten gesagt hat? Mit dem Spiel um Platz 3 hat er so seine Probleme. Mal hat diese Partie keine Bedeutung, dann wieder doch. Jüngst hat er nun behauptet, Trainer und Spieler stünden bei den Fans und der Verbandsführung in der Pflicht. Wohl wahr. Es gehe nun aber nur noch um einen viel kleineren Traum. Van Gaal ist sich auch nicht ganz im Klaren, was er will. Mal heißt es "kleines Finale" sofort weg damit, jetzt möchte er als erster niederländischer Trainer ohne Niederlage von einer WM nach Hause fliegen. Heißt, die Oranjes haben das Ziel, zu gewinnen oder mindestens das Elfmeterschießen zu erreichen. Denn Niederlagen bei der Entscheidung vom Punkt werden in den Statistiken als Unentschieden gewertet.

Erstmals Afrika-Schiedsrichter im kleinen Finale

Auch wenn alle afrikanischen Nationalteams trotz vollmundiger Ankündigungen mal wieder den ganz großen Ruhm verpasst haben und schon zu Hause Wunden lecken, ein Mann von ihrem Kontinent ist dabei, wenn zwei der besten Mannschaften der Welt um die goldene Ananas spielen. Djamel Haimoudi aus Algerien ist von der FIFA für die Begegnung nominiert worden. Bisher leitete der Unparteiische bei dieser WM drei Spiele.

Hoffnung auf viele Tore

Bis auf wenige Ausnahmen hat das Duell der Enttäuschten oft für gute Unterhaltung gesorgt. Neun Tore beim 6:3 von Frankreich gegen Deutschland 1958 sind bisher der Rekord. Vor vier Jahren in Südafrika fielen fünf Treffer, als die DFB-Elf 3:2 gegen Uruguay gewann. Ohnehin Deutschland hält auch in dieser Kategorie den Rekord bei Siegen. Fünfmal dabei, viermal Dritter. Für die Brasilianer ist es die vierte Teilnahme am Spiel um Platz 3, bei einer bislang positiven Bilanz. Für die Niederländer eine Premiere.

Löw wohl wieder mit derselben Startelf

"Never change a winning Team" beherzigt der Bundestrainer und wird höchstwahrscheinlich mit derselben Anfangsaufstellung ins Finale gehen, die Brasilien vom Platz saugte. Auch Mats Hummels kann trotz einer leichten Sehnenreizung in der Kniekehle nach dem letzten Stand spielen. Das Abschlusstraining wird wegen starker Regenfälle auf Wunsch der FIFA nicht im Maracana, sondern in einem anderen Stadion stattfinden. Um den Rasen zu schonen. Na das kann doch beiden Finalisten nur recht sein. Bei den Argentiniern macht sich Mittelspieler Angel di Maria wieder Hoffnungen auf einen Einsatz im Endspiel. Im Training absolvierte er leichte Laufübungen und einige Sprints. Di Maria hatte sich im Viertelfinale gegen Belgien am Oberschenkel verletzt. Er ist ein wichtiger Partner für Lionel Messi.

Italiener pfeift Finale

Die Squadra Azzurra ist nach ihrem enttäuschenden Vorrunden-Aus bereits seit gut zwei Wochen wieder daheim, aber ein Herr aus dem Land des viermaligen Weltmeisters ist trotzdem mit von der Partie, wenn morgen der 20. WM-Titel vergeben wird. Nicola Rizzoli hat die Ehre als dritter Italiener überhaupt das bedeutendste Fußball-Spiel auf dem Planeten zu dirigieren. Eine Überraschung, denn eigentlich war damit gerechnet worden, dass bei einer Paarung Europa gegen Südamerika ein Schiedsrichter von einem anderen Kontinentalverband den Zuschlag bekommt.

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