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Fazit | Beitrag vom 23.06.2020

Wissenschaftshistorikerin zur RassismusdebatteWenn das Undenkbare denkbar wird

Lorraine Daston im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Die US-amerikanische Wissenschaftshistorikerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, Lorraine Daston, im Antiquarium der Residenz in München.  (dpa-news / Andreas Gebert)
Glaubt an einen Perspektivenwechsel: Lorraine Daston. (dpa-news / Andreas Gebert)

Die gerade mit dem Gerda Henkel Preis ausgezeichnete Historikerin Lorraine Daston hat die Hoffnung, dass in den USA durch die Rassismusdebatte ein neuer Gemeinschaftsbegriff entsteht. Demokratie brauche keine Homogenität, betont sie.

Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston hat an den Universitäten Harvard und Princeton gelehrt - und über 20 Jahre am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin geforscht. Zugleich hat Daston durch eine Gastprofessur in Chicago den Kontakt zu ihrem Geburtsland USA gehalten.

In der Begründung für den Gerda Henkel Preis, mit dem sie nun ausgezeichnet worden ist, heißt es, es gelinge "ihr auf beeindruckende Weise, ihre Forschungen zu Kategorien wie Wahrheit, Beweis oder Tatsache für zentrale Debatten der Gegenwart fruchtbar zu machen."

Ein großer Schritt vorwärts

So schaut Daston auch genau auf die aktuelle Rassismus-Diskussion in den Vereinigten Staaten. Seit der Gründung der USA werde über Rassismus debattiert, sagt die Forscherin: "Die Frage ist nicht: Muss es wieder eine Rassismus-Debatte geben? Sondern: Ist das die letzte Debatte? Wird jetzt irgendetwas passieren?"

Wichtig sei ein Perspektivenwechsel, betont die 69-Jährige: "Zu meiner Freude und Überraschung scheint das jetzt der Fall zu sein." Wenn es der Bewegung gelänge, die Mehrheit der Amerikaner zu mobilisieren, wäre das ein Schritt vorwärts.

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Es könnte ein neuer Gemeinschaftsbegriff entstehen, der keinen gemeinsamen Kristallisationspunkt vorraussetzt, spekuliert die Wissenschaftlerin: "Nicht nur konzeptuell, sondern auch eine neue erlebte Bedeutung von Gemeinschaft."

Demokratie braucht keine Homogenität

Demokratie brauche keine Homogenität, betont Daston - aber sie brauche eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen: "Und diese Basis sind die Tatsachen."

Wenn es keine gemeinsamen Tatsachen gebe, gebe es auch keinen Konsens, wie minimal auch immer. "Und ohne minimalen Konsens hat man die Situation, die leider jetzt in den USA herrscht."

Daston blickt dennoch positiv in die Zukunft. In ihrer langen Karriere habe es immer wieder "Aha-Momente" gegeben, berichtet die Historikerin. Am meisten überrascht habe sie dabei, "dass das Undenkbare plötzlich denkbar werden kann."

(beb)

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