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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 23.12.2013

WissenTraditionslexikon im modernen Gewand

Die altehrwürdige Encyclopædia Britannica erscheint nur noch digital

Von Susanne Billig

In einem Regal stehen Bände des Lexikons Encyclopaedia Britannica. (dpa)
Noch in Buchform: Die Encyclopaedia Britannica (dpa)

Seit 2012 ist die Encyclopædia Britannica im Internetzeitalter angekommen: 32 Bände Weltwissen gibt es nun auf dem Computer statt in kiloschweren dicken Büchern - aber noch immer auf Englisch. Wer kauft das in Deutschland - angesichts von Konkurrenz wie Wikipedia?

Ein Lexikon der Superlative - das ist die Encyclopædia Britannica mit ihren zweiunddreißig Bänden und der traditionsreichen Geschichte. Ende des 18. Jahrhunderts erschien die Enzyklopädie erstmals in nur drei Bänden. Ihr Anspruch: Das gesamte menschliche Wissen nach höchsten wissenschaftlichen Standards zu präsentieren. Doch das Wissen der Menschheit explodierte - und das Lexikon wuchs und wuchs. 2012 traf der Verlag eine gewichtige Entscheidung: Nach 244 Jahren ist Schluss mit kiloschweren, dicken Büchern - die Encyclopædia Britannica erscheint nur noch digital.

Eva Wiener ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des USM-Verlags. Er besitzt die Lizenz für den Verkauf der britischen Enzyklopädie in Deutschland:

"Durch das Internet rentieren sich die Verkäufe jetzt nicht mehr so wie vor zehn Jahren. Aber wir sind damit auf jeden Fall zufrieden, zumal wir einfach auch möchten, dass es eben auch noch ein Lexikon gibt auf dem deutschen Markt, was erworben werden kann, weil das hier auch sehr zurückgegangen ist. Also wir sehen es schon auch ein bisschen als Bildungsauftrag, dass wir sagen: Wir möchten wirklich auch dieses Lexikon noch auf den Markt bringen, damit es einfach eben auch genutzt werden kann in Deutschland."

Volltextsuche und Zeitleiste

Wer die Silberscheibe im heimischen Rechner aktiviert, sieht als erstes drei Bibliotheken - für Erwachsene, Jugendliche und bildungshungrige Kinder. Die Kleinen können einfache Artikel lesen, Wörterbücher konsultieren oder Mathe und Rechtschreibung üben. Aus dem Internet lassen sich PDF-Dateien mit Quiz-Aufgaben oder Wissensfragen laden, das Lexikon führt zu den richtigen Antworten. Auch Videos kann der Nachwuchs betrachten - ein bisschen Atomtheorie gefällig?

Die Bibliothek für Erwachsene enthält die kompletten 32 Bände des einst gedruckten Mammut-Lexikons. Neben der Volltextsuche führt eine Zeitleiste in die verschiedenen Jahrhunderte, geordnet nach Politik, Kunst, Geschichte, Medizin, Technik, Architektur. Dazu kommt ein üppiges multimediales Angebot: 24.000 Fotos, Videos, Animationen und Tonaufnahmen. Einen großen Stellenwert nimmt die Musik ein.

"Wenn ich hier dann beispielsweise die Kategorie 'Musik' wähle und sage, ich gehe jetzt auf 1870, erscheint beispielsweise George Bizet, wo ich mir dann auch Stücke aus der Oper Carmen anhören kann."

Mehr als ein Drittel der Britischen Enzyklopädie wurde in den letzten zwei Jahren neu geschrieben, von 100 festangestellten Editoren und über 4000 Fachleuten, darunter viele bekannte Wissenschaftler. Auch Lehrfilme zu naturwissenschaftlichen Themen finden sich reichlich. Ein interaktiver Atlas führt in die Welt ferner Länder und Kulturen. Politik, Bevölkerung, Geografie lassen sich in Text, Bild, Video und Audio studieren. 32 Bände Weltwissen in englischer Sprache mit zehntausenden einzelner Artikel - wer kauft so etwas in Deutschland?

"Die Käuferinnen und Käufer müssen Englisch verstehen. Deswegen ist es aber auch gerade geeignet für Gymnasiasten und Realschüler, die eben schon Englisch in der Schule haben, auch gleich die Sprache üben und sich trotzdem in Themen einarbeiten können, die sie in der Schule vermittelt bekommen. Und zudem natürlich generell Wissensinteressierte. "

Wikipedia ist zwar praktisch, aber...

Zum Beispiel Lehrer, die das Lexikon im Unterricht einsetzen. Doch wer denkt bei den Worten "digitales Lexikon" nicht sofort an Wikipedia? 30 Millionen Artikel, 280 Sprachen, Platz sechs der weltweit meistbesuchten Internet-Webseiten. Wikipedia ist zwar praktisch:

"Allerdings muss man natürlich sagen, gerade auch in Bezug auf Schüler und Studenten in der Universität: Ich kann beispielsweise keine Wikipedia-Quelle in einer wissenschaftlichen Arbeit zitieren. Das wird von den Professoren nicht anerkannt, eben weil man auch nicht hundertprozentig sagen kann, dass diese Inhalte wirklich so stimmen. Ich kann mich auf jeden Fall auf die Encyclopædia Britannica verlassen, was die Richtigkeit der Daten da angeht."

Die Schnelligkeit des Internets ist nicht zu überbieten. Darum führen zehntausende von Links zu geprüften, teils tagesaktuellen Internetseiten und Online-Magazinen. Auch ein Update-Center gehört zur DVD. Per Mausklick geht es auf eine Verlags-Website mit aktualisierten Lexikon-Einträgen. Traditionsreich wuchtig und hochmodern - so hält die Encyclopædia Britannica mit dem digitalen Zeitalter Schritt.

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