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Interview / Archiv | Beitrag vom 20.08.2014

Wirtschaft"Der Westen könnte einen Boom erleben"

Nobelpreisträger kritisiert Versagen der Politik

Edward Prescott im Gespräch mit Dieter Kassel

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Das Frankfurter Bankenviertel (dpa / picture-alliance / Arne Dedert)
Finanzkrisen haben keine wesentlichen Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, sagt Nobelpreisträger Prescott. (dpa / picture-alliance / Arne Dedert)

Dass viele Volkswirtschaften schwächeln, hat nichts mit dem Finanzsektor zu tun - schuld ist die Politik, sagt der US-amerikanische Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, Edward Prescott. Die westlichen Volkswirtschaften litten unter einer zu hohen Regulierungslast, übermäßigen Staatsausgaben und Steuersystemen, die dringend reformiert werden müssten.

Der Grund dafür sei das Versagen der Politik, so Prescott am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Die Durststrecke, die viele westliche Volkswirtschaften momentan durchschritten, sei einem Mangel an gewinnträchtigen Investitionsmöglichkeiten, einer zu hohen Regulierungslast sowie einem übermäßigem Ausgabenverhalten geschuldet. Gleichzeitig stiegen die Steuern und hemmten die wirtschaftliche Tätigkeit: "Der Westen könnte einen Boom erleben, wenn die Steuersysteme reformiert würden."

Auch Deutschland könnte dem Wissenschaftler zufolge deutlich besser dastehen. Es habe "eines der schlimmsten Steuersysteme", außerdem sei die Investitionstätigkeit zu gering. "Man investiert im Ausland und was im Ausland investiert wird, fehlt im Inland." Die Wurzel des Problems sei, dass es keine vielversprechenden Sparmöglichkeiten gebe.

Die Krise in den südlichen Ländern führt Prescott wiederum auf eine verfehlte Arbeitsmarkpolitik zurück. Gleichzeitig seien die Spitzensteuersätze dort zu hoch und das Angebot an Arbeitskraft zu gering. Die Finanzkrise als solche habe mit all dem "recht wenig" zu tun: "Das Reden von der Finanzkrise ist im Grunde viel Lärm um nichts."

Finanzkrisen habe es in der Vergangenheit schon oft gegeben, sagte der Nobelpreisträger. "Sie hatten nie eine wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsproduktivität - also auf die Arbeitsleistung pro Arbeitsstunde - und auf die Beschäftigung. Wenn die Politiker sich immer wieder darauf beziehen, dann ist das im Grunde eine billige Ausrede, um das eigene Versagen zu überdecken."

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