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Tonart | Beitrag vom 18.12.2019

Will Beeley: "Highways & Heart Attacks"Immer unterwegs – und nach 40 Jahren ein neues Album

Von Knut Benzner

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Würdigung nach 40 Jahren: Der Trucker und Musiker Will Beeley (Courtesy Tompkins Square)
Würdigung nach 40 Jahren: Der Trucker und Musiker Will Beeley (Courtesy Tompkins Square)

Im Sommer ist das zweite Album von Will Beeley erschienen, das erste Album war vor 40 Jahren veröffentlicht und es niemanden interessiert. Will Beeley zog sich zurück und wurde Truck-Driver. Nun, 40 Jahre später, macht er wieder Aufnahmen.

B - E - E - L - E - Y. Beeley, William, kurz Will. "New Albuquerque."

Rio Rancho, ganz genau, Suburb, Vorstadt, Schlafstadt, nördlich von Albuquerque, seit 30 Jahren. Er, seine Frau, seine drei Kinder, die aus dem Haus sind.

"Ein Album, das 'Passing Dream' hieß" - das war damals, 1979. "Ich habe noch eine Schallplatte hier, aber gerade nicht vor mir." Produziert bei einem Rhythm&Blues und Soul-Label, in Jackson, Mississippi, Malaco. Little Milton, Dorothy Moore, Bobby Bland, Denise LaSalle und er, der Country-Sänger, der da angestellt war als Songschreiber:

Will war in seinen Zwanzigern, und ihm fehlte die Disziplin, sich auf das Songschreiben zu konzentrieren, wie er erzählt. Er kündigte, ging nach San Antonio, Texas, und verkaufte Neuwagen. Und seine LP "Passing Dream"?

Nach weiteren eineinhalb Jahren kam das zweite Kind, er brauchte richtige Arbeit. Auf dem Cover vor 40 Jahren: Er, lange Haare. Auf dem Cover seiner neuen CD: Er, kaum noch Haare auf dem Kopf, am Lenkrad seines Peterbuilt, 18 Räder, Lastwagenfahrer.

"Ja, mache ich immer noch. Heute Nachmittag müssen wir los", erzählt Beeley. Er und seine Frau. "Ich mag das, keine schlechte Art, sein Leben zu leben, man kommt herum, sieht neue Dinge, keine schlechte Sache." Nach Kansas, dann laden, danach Florida, er zehn Stunden am Steuer, anschließend Vicky, seine Frau. "The truck never stops", sagt er – und eine Abteilung der Country-Musik sind Trucker-Songs.

Songs über das Leben

Man muss das jetzt nicht vertiefen. Zumal er solche Songs eben kaum hört, Leonard Cohen ist zur Zeit sein Favorit, sonst Otis, Aretha, Al Green.

Seine neue CD heißt "Highways & Heart Attacks". Ein Song heißt "The Homeless Ain't Just Hobos Anymore" - "Obdachlose sind schon lange keine Hobos mehr". Er erzählt, wie es zu dem Song kam. "Nun, meine Frau hatte in Downtown San Antonio gearbeitet, in den 80er-Jahren. Eines Abends kam sie nach Hause und erzählte mir von den Leuten, die unter einer Brücke lebten. Es war eine Familie. Ein Kerl, dessen Frau sowie einige Kinder. Was passierte da? Meine Frau half ihnen mit Kleidung und Nahrung und nach und nach wurde klar, dass da zwanzig Leute lebten." 

Beeley fährt fort: "Die Situation der Obdachlosen ist – ich weiß nicht, wie das bei Euch in Europa geregelt wird – aber in diesem Land haben wir einen wirklichen Zustand mit den Obdachlosen. Ich brauchte sechs Monate, um den Song zu schreiben, nur der Refrain war schnell fertig." Beeley hatte den Song vor dreißig Jahren aufnehmen wollen, aber keine Chance dazu.

Die anderen Songs dieser CD: "US 85", "Help Me Face The Day", "Been A Drifter" ... Songs über das Leben eben.

Die Ladung wartet

Er ist in Nashville beim Americana-Festival aufgetreten und hörte Musik, wie er sagt, die er sonst nie gehört hätte und Waylon Jennings hat mal gesagt: "It's not the singer, it's the song." Beeley stimmt dem zu: "Oh, absolutely." Und Beeleys Songs sind klasse. Sie müssen los, die Ladung in Florida wartet, was auch immer es sein wird. "Thank you!", sagt er. "Es wird zwei Wochen dauern, bis wir zurück sind."

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