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Lesart | Beitrag vom 11.12.2020

Wilhelm Bode über "Tannen. Ein Portrait"Die hohe Sensibilität der deutschen Lieblingsbäume

Moderation: Frank Meyer

Eine einzelne Tanne auf einer verschneiten Ebene (picture alliance / imageBROKER / Maik Blume)
Tannen reagieren besonders sensibel auf falsche Behandlung, beklagt Forstwirt Wilhelm Boden in seinem Buch. (picture alliance / imageBROKER / Maik Blume)

Millionen von Tannen stehen zu Weihnachten hierzulande in den Wohnzimmern. Die Deutschen lieben ihre Tannen. Der Forstwirt Wilhelm Bode hat diesem Baum nun ein Buch gewidmet, geschrieben mit Leidenschaft und Wut.

Bald ist es wieder soweit: Jedes Jahr stehen etwa 25 Millionen Weihnachtsbäume in deutschen Wohnzimmern – viele davon sind Nordmanntannen. Passend dazu hat Forstwirt Wilhelm Bode nun das Buch "Tannen. Ein Portrait" veröffentlicht. Er schreibt darin mit einer großen Leidenschaft über die Tanne.

Das bedeute aber nicht, dass so ein Baum zum Weihnachtsfest nicht auch in seiner Wohnstube stehe, betont Bode. Genauer: eine Nordmanntanne. "Die nadelt nicht, und ist auch sehr gut zu transportieren und piekt nicht beim Aufstellen." Und ökologisch habe sie auch Vorteile: Die Plantagen, auf denen die Bäume meist wüchsen, ständen oft auf früheren Maisfeldern. "Eine Tannenbaumplantage mit Nordmannstannen ist ökologisch um ein Vielfaches günstiger als ein Maisacker."

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Doch obwohl die Deutschen – zumindest dem Volksmund nach – die Wälder und Bäume ganz besonders liebten, wüssten sie sehr wenig darüber, so Bode. "Da gehen sie eigentlich den großen Geschichtenerzählern der deutschen Forstwirtschaft unablässig auf den Leim."

Plädoyer für natürliche Wälder

Bode prangert in seinem Buch teils voller Wut die Fehler an, welche die deutsche Forstwirtschaft in seinen Augen begeht. So etwa die Verdrängung der Tanne durch Fichtennutzwälder. Dabei seien das in der Regel nicht die richtigen Standorte für Fichten, da sie zu niedrig lägen.

Außerdem sei das Pflanzen von Wäldern das Problem schlechthin, kritisiert Bode. Vor allem, da die Bäume im Reinbestand gepflanzt würden. Das heißt, Bäume der gleichen Art und oftmals auch des gleichen Alters. In einem natürlichen Wald sei das bunt durchmischt.

Diese "heftig belebte Kronenoberfläche" mache die Stabilität unserer natürlichen Wälder aus, erklärt Bode. "Wenn wir wirklich wieder Wälder wollen, die stabil sind und mit dem Klimawandel fertig werden können, dann müssten wir aus den bestehenden Wäldern durch Änderung der Forstwirtschaft wieder natürliche Wälder erziehen." Das ginge recht einfach – doch ohne das Pflanzen.

Alles über die Tanne in einem Gedicht

Die Tanne spielt aber auch in der Kulturgeschichte eine große Rolle. Zahlreiche Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben über sie geschrieben, darunter Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Hans Fallada – und Rainer Maria Rilke. Von ihm stamme auch sein liebstes Tannengedicht, sagt Bode. Der Titel: "Advent":

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird;
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Damit sei alles gesagt über die Tanne, so Bode. Er habe das Gedicht ausgewählt, weil es die Sensibilität der Tanne so schön schildere. "Die Tanne ist von all unseren Bäumen diejenige, die auf die Fehler der Forstwirtschaft am härtesten reagiert." Sie verweigere sich sofort. Tannenwälder könne man praktisch nicht pflanzen. "Sie gehen auf der Freifläche durch Früh- und Spätfroste sofort ein. Aber unter Buchen natürlich ausgesät, tut sie es prächtig. Eigenartig, nicht wahr?"

(abr)

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