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Nachspiel | Beitrag vom 10.01.2021

Wilder Wintersport in der Pandemie Auf die Piste, fertig, los!

Von Tobias Krone

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Dicht an dicht stehen Menschen an einem Skilift an. (picture alliance/dpa/KEYSTONE/Marcel Bieri)
Reger Andrang Anfang Januar im Schweizer Skigebiet Grindelwald-Wengen. (picture alliance/dpa/KEYSTONE/Marcel Bieri)

Es liegt Schnee, und Tausende zieht es in die Skigebiete – Corona hin, Corona her. Die Lust auf Wintersport haben sowohl Einheimische als auch Städter. Wer sich jetzt aber unbedingt anstecken will, stürze sich ins Getümmel, kommentiert Tobias Krone.

Was wollt’s ihr eigentlich alle hier? – Zwischen den Jahren ist so ein Stinkefinger schon mal eine Zeitungsmeldung wert. Das Schild steht am Ortseingang von Miesbach, da wo es nicht mehr weit bis in die Berge ist – und wo sich die Autokolonne in Richtung Schneedestinationen Tag für Tag staute. Der Stinkefinger trägt die Aufschrift "Wir wollen Euch nicht. Bleibt da wo ihr hingehört."

Das Schild hat die Polizei abgeschraubt und ein Strafverfahren gegen "Unbekannt" eingeleitet. "So schürt man Hass", erklärt die Polizei. Ist es schon Hass auf die Städter, dort in den Wintersportorten, an den zugefrorenen Bergseen und den zugeparkten Bergdörfchen, im Harz, im Taunus, in der Eifel oder hier in Oberbayern? Und ist der Unmut gerechtfertigt?

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Im Rückblick lässt sich die Lawine an Medienberichten der vergangenen Tage ein bisschen einbremsen. Richtig zu viel ist es vor allem dort, wo es die Menschen schon immer zuallererst hinzieht: am überschaubaren Spitzingsee und im sauerländischen Hotspot Winterberg, Urlaubsorten also mit einem solitären Ruf.

Von dort gab es dann auch die politischen Hilferufe. In Regionen, wo es viele schöne Ecken gibt, wie am Alpenrand, verteilte sich der Ausflugsverkehr – wie sonst eben auch. Und wie immer galt das Prinzip: Die Skimassen überrollten die Skipisten, trotz geschlossener Lifte, während alle, die sich auskennen, eben auf die Geheimtipps des Skitourengehens auswichen.

Von Spaltung zu reden, wäre wirklich übertrieben

Wer in den Winterregionen lebt, weiß sowieso, dass man sich am Wochenende am klügsten mit einer Langlaufrunde auf der Wiese hinterm Haus begnügt. Den Wahnsinn auf den Straßen, an der Bergbahnkasse und auf den Hütten überlässt man sonst auch denjenigen, die nicht das Privileg haben, dort zu leben. Die einen ziehen hinaus und beneiden die Landbevölkerung, die andern bemitleiden die aus der Stadt und bleiben daheim. So war das Verhältnis von Stadt und Land schon immer. Und es hat sich auch mit Corona nicht geändert. Hier von Spaltung oder Hass zu reden, wäre wirklich übertrieben.

Doch natürlich bleibt ein hochansteckendes Virus eine große Gefahr. Aber nicht auf den Winterwanderwegen und auf einer wilden Skitour, auch nicht auf lang gestreckten Rodelbahnen durch den Wald. Es geht hier um gesunden Menschenverstand. Sicherlich ist dagegen bei Hunderten auf einer Skipiste und auf einem vereisten See so ein Abstandsgebot nicht einzuhalten.

Der Mensch muss an die frische Luft

Zumal man als Familie ja immer gerne auch noch eine andere Familie mitnimmt, um sich gleich doppelt vom Lockdown freizunehmen. So etwas ist dumm und fahrlässig. Wer sich jetzt anstecken will, stürzt sich ins Getümmel. Und wer die Menschenmasse noch mal so richtig anreichern will, verordnet seiner Bevölkerung einen 15-Kilometer-Bewegungsradius, wie einige Landesregierungen. Gnade da dem Berliner Tiergarten und Gnade Starnberg, das als einziger Ort am Starnberger See dann noch von München aus zu erreichen wäre.

Der Mensch muss an die frische Luft. Doch anstatt ihn von der Naherholung abzuhalten, sollte man ihn dazu inspirieren, die Schönheit der einsamen Nischen zu suchen. Die findet man übrigens am besten selbst, einfach beim Stau mal abbiegen.

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