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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.10.2020

Wiener Staatsoper: Mozart und Neuenfels"Entführung aus dem Serail" ziemlich anders

Moderation: Michael Blees

Das angestrahlte Opernhaus ist seitlich zu sehen, über einen Platz mit festlicher Beleuchtung hinweg. (imago images / Westend61)
Die Wiener Staatsoper hat ihren Spielbetrieb wieder eröffnet. (imago images / Westend61)

Regisseur Hans Neuenfels hat in Wien für Mozarts Singspiel "Entführung aus dem Serail" den Kniff der doppelten Besetzung gewagt: alle Rollen bis auf die einzige Sprechrolle in diesem Stück stellte er in Sänger- wie Schauspielerbesetzung auf die Bühne.

Hans Neuenfels, der deutsche Regisseur, bot nach Stuttgart nun auch Wien seine doppelt gemoppelte Versionierung von Mozarts "deutschem Singspiel", der "Entführung aus dem Serail", an. Ein Sprechstück und ein Bühnenstück in einem – samt verdoppeltem Personal. Die einen begrüßten einen Klassiker in ganz neuer Dynamik, die anderen verdammten diese Form der Werkausdeutung.

Nimm Zwei

Und so doppelte er alle Rollen bis auf die einzige Sprechrolle in diesem Stück. Damit griff Neuenfels sehr frei in den Text der Vorlage ein und streckte ihn um viele Kniffe und Ideen.

Ein Mann mit Ganzkörpertatoo nähert sich zwei Frauen in eng gescnhürten Reisekostümen mit spitzen, roten Hütchen. (Wiener Staatsoper / Michael Poehn)Ein Mal Osmin (Goran Juric) mit doppeltem Blondchen (Regula Mühlemann, Stella Roberts). (Wiener Staatsoper / Michael Poehn)

So endete die Oper zum Beispiel nicht mit dem legendären Janitscharenchor, sondern einem Eduard-Mörike-Gedicht, das Schauspieler Christian Nickel als Bassa Selim alleine deshalb vortragen "wollte", weil ihm keine Singrolle im Singspiel zukam. Die Besetzung des türkischen Herrschers durch einen Schauspieler war bereits Mozarts Intention; dass man Mörike am Ende vortrug, quittierte ein Mann im Premierenpublikum mit den Worten: "Das gehört nicht dazu."

Zwei Paare stehen unter einem angedeuteten Torbogen, der den Blick zu einem dunkelblauen, aufgewühlten Abendhimmel voller Wolken bietet. (Wiener Staatsoper / Michael Poehn)Wie bieten die Neuinszenierung unter der musikalischen Leitung von Antonello Manacorda, die am 12. Oktober 2020 Premiere hatte. (Wiener Staatsoper / Michael Poehn)

Aufzeichnung der Oper vom 12. September 2020 in der Staatsoper Wien

Wolfgang Amadeus Mozart
"Die Entführung aus dem Serail", Singspiel in drei Akten KV 384
Libretto: Johann Gottlieb Stephanie

Bassa Selim - Christian Nickel, Sprecher
Belmonte - Daniel Behle, Tenor
Konstanze - Lisette Oropesa, Sopran
Blonde - Regula Mühlemann, Sopran
Osmin - Andreas Grötzinger, Bass
Pedrillo - Michael Laurenz, Tenor

Wiener Staatsopernchor
Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Antonello Manacorda

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