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Konzert / Archiv | Beitrag vom 12.10.2019

Wiener StaatsoperMagische Verwechslungsgeschichte

Moderation: Ulrike Klobes

Eine Szene aus Benjamin Brittens Sommernachtstraum an der Wiener Staatsoper mit Mitgliedern der Opernschule, der Sopranistin Erin Morley und dem Bariton Peter Rose (Wiener Staatsoper/Michael Pöhn)
Eine Szene aus Benjamin Brittens Sommernachtstraum an der Wiener Staatsoper mit Mitgliedern der Opernschule, der Sopranistin Erin Morley und dem Bariton Peter Rose (Wiener Staatsoper/Michael Pöhn)

Nach 55 Jahren zeigt die Wiener Staatsoper eine neue Inszenierung von Benjamin Brittens „Ein Sommernachtstraum“ mit Erin Morley als Titania und Lawrence Zazzo als Oberon. Die musikalische Leitung hat die Dirigentin Simone Young.

1962, in der Direktionszeit von Herbert von Karajan, erklang Brittens Shakespeare-Oper zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper. Darauf wurde die Produktion unter der musikalischen Leitung von Heinrich Hollreiser und in einer Inszenierung von Werner Düggelin 15 Mal gezeigt, zuletzt im Dezember 1964. Dann verschwand sie vom Spielplan. Nun hat die Regisseurin Irina Brook die amüsante und poetische Verwechslungsgeschichte wieder auf die Bühne gebracht. Die Premiere fand am 2. Oktober statt, wir senden eine Aufzeichnung des ORF vom 5. Oktober.

Liebe, Macht und Elfenzauber

Für die Wiedereröffnung der Jubilee Hall in Aldeburgh schrieb Benjamin Britten in nur sieben Monaten eine neue Oper: "Ein Sommernachtstraum". Da die Zeit fehlte, ein neues Libretto anzufertigen, griff er auf die bekannte gleichnamige Komödie von William Shakespeare zurück, die er gemeinsam mit seinem Partner Peter Pears einkürzte und arrangierte. Im Mittelpunkt steht der Einfluss des Elfenkönigs Oberon, der mithilfe seines Dieners Puck das Liebes-Durcheinander in der Welt der Menschen erst in Gang bringt. Zwei Athener Liebespaare werden in der Mittsommernacht verzaubert, sodass plötzlich jeder einen anderen liebt. Aber zum Glück kann das Chaos am Ende beseitigt werden, im Finale gibt es eine glückliche Dreifach-Hochzeit.

Roter Faden Zauberklänge

Am 11. Juni 1960 wurde "Ein Sommernachtstraum" unter der musikalischen Leitung des Komponisten uraufgeführt. Für die unterschiedlichen Figurengruppen der Komödie setzt Britten unterschiedliche Klangfärbungen ein, seine Vertonung des Elfenwaldes gibt der Geschichte eine ungewohnt fantastische Note, und auch die Musik seines barocken Vorbildes Henry Purcell scheint in zahlreichen Anspielungen immer wieder hindurch.

Eine Szene aus Benjamin Brittens Sommernachtstraum an der Wiener Staatsoper mit dem Bariton Rafael Fingerlos und der Sopranistin Valentina Naforniţă (Wiener Staatsoper / Michael Pöhn)Eine Szene aus Benjamin Brittens Sommernachtstraum an der Wiener Staatsoper mit dem Bariton Rafael Fingerlos und der Sopranistin Valentina Naforniţă (Wiener Staatsoper / Michael Pöhn)

Simone Young ist seit ihrem Wiener Debüt 1993 eng mit dem Haus am Ring verbunden. Es gebe, sagte die Dirigentin im Gespräch mit Oliver Láng im Vorfeld der Premiere, trotz des ganzen Durcheinanders einen roten Faden, der sich quer durch das Werk ziehe: das Magische: "Man stößt immer wieder auf die Zauberklänge, die durch die Glissandi in den tiefen Streichern ausgedrückt werden. Das klingt für mich wie ein großer Baum, der sich im Sturm windet. […] Diese Naturlaute sind auch die Welt Brittens, oder genauer: Die Welt Brittens um 3 Uhr morgens, zwischen Traum und Alptraum. Diese Klänge kehren in der Oper immer wieder und sind so ein Anhaltspunkt."

Wir senden diese Aufnahme aus Wien anstatt der ursprünglich vorgesehenen Oper von Nikolaj Rimsky-Korsakow. Das Moskauer Bolschoj-Theater hat den Mitschnitt der russischen Kolleginnen und Kollegen leider nicht rechtzeitig freigegeben.

Wiener Staatsoper
Aufzeichnung vom 5. Oktober 2019

Benjamin Britten
"A Midsummer Night's Dream",  Oper in drei Akten nach William Shakespeares Komödie
Libretto: Peter Pears und der Komponist

Oberon - Lawrence Zazzo, Countertenor
Tytania - Erin Morley, Koloratursopran
Puck - Théo Touvet, Sprecher
Theseus - Peter Kellner, Bass
Hippolyta - Szilvia Vörös, Alt
Lysander - Josh Lovell, Tenor
Demetrius - Rafael Fingerlos, Bariton
Hermia - Rachel Frenkel, Mezzosopran
Helena - Valentina Naforniţă, Sopran
Bottom - Peter Rose, Bassbariton
Flute - Benjamin Hulett, Tenor
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Simone Young

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