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Lesart | Beitrag vom 19.06.2021

Wie politisch darf Literatur sein? Diskussionen austragen und Position beziehen

René Aguigah und Maryam Aras im Gespräch mit Joachim Scholl

Die Worte "sogenannter Nazi" sind am 06.03.2017 im Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München (Bayern) in einem Brief eines Polizisten an den bayerischen Ministerpräsidenten in der Nachkriegszeit, Wilhelm Hoegner, zu sehen. Der Polizist ersucht in dem Brief Hilfe vom damaligen Ministerpräsidenten im Bezug auf Nazi-Vorwürfe. Im Rahmen des Forschungsprojekts "Demokratische Kultur und NS-Vergangenheit" untersuchen Mitarbeiter des Instituts Politik und Personal in bayerischen Spitzenbehörden nach 1945. Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Jede Generation diskutiert aufs Neue über das Politisch-Sein der Literatur und liefert dabei ihre Antworten. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)

Literatur und Politik haben einander zu allen Zeiten beeinflusst: Literatur als Reaktion auf politische Zustände, Politik als begrenzender, bestenfalls aber inspirierender Faktor. Wir schauen mit den Journalisten René Aguigah und Maryam Aras genauer hin.

"Muss Literatur politisch sein?" – diese Frage haben wir eine Woche lang in "Lesart" und im "Büchermarkt" im Deutschlandfunk unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Dabei kamen Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger zu Wort - Max Czollek und Terezia Mora , Thorsten Ahrend, Zoe Beck, Annika Reich und Marko Martin.

Diese Reihe von Essays und Gesprächen kreisten um Themen wie die Geschlechter-Quote, die politische Verantwortung der Schreibenden, um Literatur in autoritären Staaten und in Krisengebieten. All diese Aspekte führen wir heute zusammen - und weiter.  Wir haben den Kulturjournalisten und Deutschlandfunk-Kultur-Redakteur René Aguigah und die Journalistin, Literaturwissenschaftlerin*, studierte Politologin* und Orientalistin Maryam Aras nach ihrer Meinung gefragt.

Kluger Roman von Baldwin zu Thema

Maryam Aras ist der Ansicht: "'Unpolitisch' sein und aus einer 'neutralen' Position zu schreiben, bedeutet eigentlich immer, die bestehenden Machtstrukturen zu unterstützen. Und das passiert meist aus einer Position der Privilegiertheit heraus."

René Aguigah führt James Baldwin an: "'Leiden hat keine Farbe', heißt es einmal bei James Baldwin, in dem Roman 'Ein anderes Land'. Der Witz ist, dass das im Roman ein weißer, liberaler Mann sagt, der die ganze Zeit im Streit ist mit einer schwarzen Frau, mit der er in einer Beziehung ist." Die schwarze Frau versuche ihrem Partner klarzumachen: "Natürlich hat mein Leiden eine Farbe, denn ich habe eine andere Erfahrungswelt als du."

Dieser Roman fälle letztlich dazu keine Entscheidung, aber er trage diesen Streit aus. Aguigah ist überzeugt:  "Und ich glaube, das ist etwas, das wir gesellschaftlich weiter betreiben müssen."

Hören Sie dazu auch aus der zurückliegenden Woche:

Politische Literatur - Der Druck hat zugenommen  

*Redaktioneller Hinweis: Wir haben die Berufsbezeichnung korrigiert.

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