Das Feature, vom 03.10.2018, 10:05 Uhr

Wie man einen Friedhof am Sterben hindertSt. Matthäus lebt

Wenn keiner mehr begraben wird, ist ein Friedhof tot. Nicht unwahrscheinlich in einer Welt des Mir-doch-egal-wo. Zum Glück ist die Prominenz unsterblich. Das weiß jeder, der Friedhöfe mit Dichtergräbern besucht. Der Alte Sankt-Matthäus-Kirchhof in Berlin Schöneberg bezieht seine Vitalität aber noch aus anderen Quellen.

Der Grabstein des Musikers Rio Reiser auf dem St. Matthäus-Friedhof in Berlin-Schöneberg (Deutschlandradio / Cara Wuchold)
Der Grabstein des Musikers Rio Reiser auf dem St. Matthäus-Friedhof in Berlin-Schöneberg, der seit 1854 existiert (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Natürlich fotografieren auch hier die Lebenden gern die Steine derer, die alle kennen: Der Brüder Grimm und Rudolf Virchows, des Molkereizaren Bolle oder des Psychiaters Griesinger. Aber schweigend, ergriffen, schmunzelnd halten sie woanders inne: Bei den Sternenkindern, deren verwaiste Eltern manchmal vor den kleinen Gräbern picknicken. Bei Rio Reisers Ruhestätte voller Herzen und Kronen. Am frischen Ehrengrab einer sehr alten Frau, die zwölf Jahre tot sein musste, bevor man sich ihrer erinnerte: Hilde Radusch, Feministin, Kommunistin.

Am Eingang der Kapelle, in der mitunter unanständig fröhlich gesungen wird.  Vor prächtigen Grabmalen, die längst eingefallen wären, hätten sie nicht Paten gefunden, die sie am Leben halten. Zum Eigenbedarf.

Manchmal sind es viele Paten, und viele neue Namen stehen auf den alten Tafeln. Männer, deren der PositHIV e.v. gedenkt. St. Matthäus lebt! Gleich neben dem Eingang gibt es … Kaffee und Kuchen.

Sankt Matthäus lebt!
Wie man einen Friedhof am Sterben hindert.
Von Ulrike Bajohr

Mit Andrea Wolf
Regie: Matthias Kapohl
Redaktion: Tina Klopp
Produktion: Dlf 2017

Sankt Matthäus lebt! (PDF)

Sankt Matthäus lebt! (Textversion)

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