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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 29.10.2016

Wider die Wegwerfgesellschaft Die neue Lust am Reparieren

Moderation: Klaus Pokatzky

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Zwei Hobby-Experten bei der Reparatur einer Kaffeemaschine (dpa)
Zwei Hobby-Experten bei der Reparatur einer Kaffeemaschine (dpa)

Wieder aufpeppen, neu zum Laufen kriegen oder wieder in Schuss bringen - viele Leute widersetzen sich der Wegwerf-Neukauf-Routine. Wolfgang M. Heckl diskutiert, ob und wie man sich dem Neukauf-Wahn widersetzen kann. Zum Beispiel durch Tüfteln und Fummeln.

Das kennt wohl jeder: Man hat sich ein Gerät gekauft, und nach ein paar Jahren gibt das gute Stück den Geist auf. Die meisten Menschen besorgen sich dann entnervt ein neues Modell; auch, weil Ersatzteile - und ein Monteur - oft teurer sind als die Neuanschaffung.

Selbst Hand anlegen und reparieren - das kann heute kaum noch jemand. Viele Geräte sind mittlerweile aber auch so konstruiert, dass sie sich gar nicht mehr reparieren lassen. Die Folge: Es wird immer mehr produziert und es wird immer mehr weggeworfen - und das in immer kürzerer Zeit. Dies hat verheerende Folgen für unseren Ressourcenverbrauch und für die Natur.

"Wie ich mich gegenüber materiellen Dingen aus meiner Umgebung verhalte, sagt etwas über mich als Mensch"

"Wenn wir künftig nicht 100 Prozent der technischen Geräte recyceln und zuvor 50 Prozent reparieren, dann werden wir es nicht schaffen, die Umwelt und die Lebensgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten", sagt Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl. Der Generaldirektor des Deutschen Museums in München ist selbst ein begeisterter Tüftler, Flohmarktbesucher und Verfechter des "Do-it-yourself".

Für den einstigen Professor für Experimentalphysik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ist Reparieren eine "Kulturtechnik, die die Menschen seit Jahrtausenden beherrschen."

Er hat ihr er ein Buch gewidmet: "Die Kultur der Reparatur".

Seine Überzeugung: "Die Kultur der Reparatur basiert auf Kenntnissen, auf Können, auf analytischem Denken, aber auch auf Lebensklugheit, auf Wertschätzung und, vor allem, Achtsamkeit. Wie ich mich gegenüber materiellen Dingen aus meiner Umgebung verhalte, sagt etwas über mich als Mensch."

Daher ist dem Deutschen Museum auch ein "Repair-Café" angegliedert.

"Da geht es darum, zu lernen, wie Dinge funktionieren. Oder um es mit Goethes Faust zu sagen: Zu wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist doch ein Abenteuer: In einer Welt, in der alles immer schneller kaputtgeht, etwas selbst wieder in Gang zu bringen. Anders gesagt: Reparieren macht glücklich. Und es lässt ein neues Bewusstsein dafür entstehen, dass langlebige Produkte etwas Sinnvolles sind."

Am Samstag ist Wolfgang M. Heckl im Deutschlandradio Kultur ab 9:07 Uhr bei "Im Gespräch". Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de oder auf Facebook und Twitter.

Informationen im Internet:

Über Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl:
http://www.deutsches-museum.de/information/wir-ueber-uns/generaldirektor/

Literaturhinweis:
Wolfgang M. Heckl: "Die Kultur der Reparatur", Hanser Fachbuch Verlag, 2013

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