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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 08.12.2016

Wibke BruhnsDie erste Nachrichtenfrau Westdeutschlands

Wibke Bruhns im Gespräch mit Klaus Pokatzky

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Wibke Bruhns  (picture alliance/dpa/Foto: Britta Pedersen)
Wibke Bruhns 2013 in Berlin (picture alliance/dpa/Foto: Britta Pedersen)

"Auf meinem Grabstein wird wohl stehen: Hier ruht die erste Nachrichtensprecherin Deutschlands und die Geliebte Willy Brandts." Das sagt Wibke Bruhns, die am 12. Mai 1971 als erste Frau im westdeutschen Fernsehen die Nachrichten präsentiert hat.

Die DDR hatte zu diesem Zeitpunkt längst weibliche Nachrichtensprecherinnen und auch Wibke Bruhns konnte die Aufregung um ihre neue Arbeit kaum nachvollziehen.

"Ich war weder aufgeregt noch hatte ich das Gefühl, es sei irgendetwas Besonderes. Das änderte sich dann als ich die Reaktionen begriff, die kamen – vor allem von Frauen. Frauen haben sich das Maul zerrissen meinetwegen. Sie fanden, ich sollte gefälligst bei meinen Kindern bleiben, da gehörte ich hin, und ob ich denn überhaupt die leiseste Ahnung hätte, was ich da erzähle. Es könne ja nicht sein, dass ich das verstehe."

"Ich war bekannt wie ein bunter Hund"

Obwohl sie mit diesem Job Medien- und Frauengeschichte schreibt, findet sie es eher langweilig, fremde Texte vorzulesen und beendet ihr Engagement schon nach 380 Sendungen. Sie arbeitet als Filmautorin, Moderatorin politischer TV- und Radio-Sendungen und ab 1974 als Reporterin des Wochenmagazins "Stern". Kritik erntet sie 1972, als sie sich öffentlich für die Wahl Willy Brandts als Bundeskanzler einsetzt.

"Das durfte man natürlich nicht, das war klar! Mein Schnickschnack war immer: Nachrichten zu sprechen bedeutet nicht den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und deshalb kann ich in meiner Freizeit so viel Wahlkampf machen wie ich will. Ich war bekannt wie ein bunter Hund und die ganze Geschichte war natürlich ungeheuer link. Ich habe mir auch nie eingebildet, dass das rechtens sei. Da das ZDF aber so freundlich war, mich nicht rauszusetzen, bin ich da geblieben, habe tapfer meine Nachrichten gelesen und dann, als die Wahl gelaufen war, habe ich gesagt, das reicht jetzt."

Mit einem Buch dem Vater "sein Leben wiedergeben"

Gegen die Unterstellung, sie sei Willy Brandts Geliebte gewesen, geht sie mehrmals erfolgreich gerichtlich vor. 2004 veröffentlicht sie den Bestseller "Meines Vaters Land. Eine deutsche Familiengeschichte", in dem sie die Geschichte ihres Vaters vom Reserveoffizier der SS zum Mitwisser des Hitler-Attentates beschreibt. 

"Ich fand, dass diese ständigen Plaketten – besonders hier in Berlin – auf denen dann drauf stand, dass die und die und die Leute im Kammergericht zum Tode verurteilt wurden und dann hingerichtet in Plötzensee, dass er da nicht plastisch wird. Nicht lebendig. Ich habe das Buch geschrieben, weil ich ihm sein Leben wiedergeben wollte."

Wie sie sich als eine der ersten Frauen in der Männerwelt der Journalisten durchgesetzt hat, warum sie selbst keine Politikerin geworden ist und wie sie sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Hinrichtung des Vaters erinnert – darüber hat Klaus Pokatzky mit Wibke Bruhns gesprochen in der Sendung "Im Gespräch".

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