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Fazit | Beitrag vom 04.01.2021

Whistleblowing-PlattformenDie korrigierende Macht

Daniel Domscheit-Berg im Gespräch mit Vladimir Balzer

Auf einem Smartphone ist das Logo von WikiLeaks zu sehen. (imago images/ZUMA Wire/Rafael Henrique)
Der Verdienst der Plattform WikiLeaks sei, dass sie einen kulturellen Wandel bezüglich Geheimnisverrats ausgelöst habe, sagt Daniel Domscheit-Berg. (imago images/ZUMA Wire/Rafael Henrique)

Wie sieht die Zukunft des Whistleblowing aus? Der Informatiker Daniel Domscheit-Berg über die Fehler von WikiLeaks und den kulturellen Wandel, den die Plattform ausgelöst hat.

Der Journalist und Gründer von WikiLeaks, Julian Assange, wird vorläufig nicht an die USA ausgeliefert. Das entschied ein britisches Gericht. Über seinen Antrag auf Freilassung auf Kaution soll bald entschieden werden.

Der Informatiker, Aktivist und ehemalige Mitarbeiter von WikiLeaks, Daniel Domscheit-Berg, der die Plattform OpenLeaks gegründet hat, freut sich über diesen Teilsieg für Assange, bedauert aber die Richtung, die WikiLeaks genommen hat.

Kultureller Wandel durch WikiLeaks

"Das Traurigste ist, dass die Professionalisierung, die ein solches Projekt gebraucht hätte, um über Jahre und Jahrzehnte das ganze Feld Whistleblowing auf andere Beine zu stellen, nie stattgefunden hat, weil das Projekt auf der aktivistischen Ebene geblieben ist und mehr Assanges Spielzeug blieb, als dass es sein volles Potenzial entfaltet hätte."

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Der Verdienst der Plattform sei aber, dass sie einen kulturellen Wandel ausgelöst habe. Jeder habe mittlerweile von ihr gehört.

"Wir haben gerade auch in Deutschland eine riesige Entwicklung gemacht, was die Definition von Geheimnisverrat angeht, nämlich, dass das auch positiv besetzt sein kann! Dass es wichtig ist, dass uns Menschen den Blick hinter verschlossene Türen gewähren. Und dass wir das brauchen, als einen Korrekturmechanismus für Fehler in der Gesellschaft."

Schutz für Whistleblower und Journalisten 

Es gehe in die richtige Richtung, das zeige auch ein kürzlich in Europa verabschiedetes Whistleblower-Schutzgesetz.

"Jeder Journalist, der investigativ arbeitet, der versucht, hinter verschlossene Türen zu blicken, ist angewiesen auf Leute, die ihm Informationen zutragen, also auch Whistleblower. Sie sind in einer symbiotischen Beziehung, die ganz wichtig ist, und beide Komponenten dieser Beziehung müssen geschützt werden."

Daniel Domscheit-Berg blickt freundlich in Richtung des Betrachters. (imago-images / Müller-Stauffenberg)Daniel Domscheit-Berg setzt auf viele, dezentrale Whistleblowing-Plattformen. (imago-images / Müller-Stauffenberg)
Dennoch gebe es auch berechtigte Kritik an WikiLeaks-Veröffentlichungen, räumt Domscheit-Berg ein: So bestehe etwa bei geheimen Kriegsdokumenten mit ungeschwärzten Namen die Gefahr, Menschenleben zu gefährden.

"Das ist auch einer der Gründe, warum ich bei dieser Plattform nicht mehr dabei bin. Es gibt viele Dinge, die unprofessionell gelaufen sind, wo Fehler gemacht wurden und, noch schlimmer, aus den Fehlern nicht gelernt wurde."

Vernetzte Plattformen

Für die Zukunft des Whistleblowing sei es wichtig, dass es nicht nur eine einzige Plattform gebe, meint der Aktivist. 

"Es wäre ein riesiges Problem, wenn es eine Monopolstellung einer Whistleblower-Plattform gibt. Dafür liegt einfach zu viel Macht in einer solchen Plattform: Darüber zu entscheiden, was mit Informationen passiert, wie die veröffentlicht werden, was man zurückhält oder auch nicht. Das sind wichtige und komplexe Fragen.

Das heißt, wir brauchen eigentlich eine dezentrale Infrastruktur. Es braucht viele solcher Plattformen, und idealerweise würde man das ganzheitlich denken, dass diese Plattformen miteinander vernetzt sind."

(rja)

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