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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.06.2020

Wettermoderator Sven Plöger Aus der Coronakrise für den Klimaschutz lernen

Moderation: Liane von Billerbeck

Sven Plöger, Wetter-Moderator der ARD steht im TV-Studio des "ARD-Wetterkompetenzzentrum" beim Hessischen Rundfunk. (picture-alliance/dpa/ Boris Roessler)
Der Wettermoderator der ARD, Sven Plöger, zieht in seinem Buch über den Klimawandel Lehren aus der Coronakrise. (picture-alliance/dpa/ Boris Roessler)

Die Coronakrise kann nicht verdecken, dass sich unser Klima immer schneller verändert, sagt der ARD-Wettermoderator und Buchautor Sven Plöger. Er glaubt, dass man die beiden Herausforderungen zusammen denken sollte.

Mit der Coronakrise ist die Debatte über den Klimawandel in den Hintergrund getreten. Dafür gibt es aus Sicht von Sven Plöger zwar gute Gründe, aber beide Krisen seien noch immer akut. Sie müssten müssten parallel gedacht werden, sagt der ARD-Wettermoderator, der zu diesem Thema gerade ein Buchveröffentlicht hat.

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Aus der Coronapandemie könne man etwas lernen: "Das war eine Problematik, die innerhalb von Wochen und jetzt spürbar Monaten stattfindet. Die Bedrohung für uns war sehr konkret, wir haben eine Gefahr gesehen für uns selbst, für unsere Familien, für unsere Freunde, die sich anstecken konnten. Wir haben reagiert, wir haben auf die Wissenschaft gehört."

Zeitliche Nähe macht Bedrohung durch Corona plastisch

Diese zeitliche Nähe habe sehr geholfen, beim Klimawandel dagegen führe die Zeitdauer über Generationen bis ins nächste Jahrhundert dazu, dass vieles aufgeschoben werde. Dadurch sei die Bedrohung nicht mehr klar und es werde nicht mehr auf die Wissenschaft gehört:

"Klimawandel ist Asteroideneinschlag in Superzeitlupe. Und Superzeitlupe können wir nicht."

Stattdessen versuche man, sich die Welt ein bisschen schön zu reden, um auch das Verhalten nicht ändern zu müssen.

"Mir kommt es manchmal so ein bisschen so vor, als würde man an einer Küste stehen und einen Tsunami beobachten", sagt Plöger. Da wäre Corona dann eine fünf Meter hohe Welle, vor der man Sorge habe und auf die man reagiere. "Die 500 Meter hohe Welle, die wir dahinter haben, die schon langsam hochgeht, die sehen wir noch nicht."

Dabei sei auch der Klimawandel bereits durch Wetterveränderungen spürbar geworden. Die meisten Menschen machten sich darüber Gedanken. In seinem Buch plädiert er für einen entsprechenden Umbau der Wirtschaft. 

(gem)

Sven Plöger: Zieht euch warm an, es wird heiß! Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen
Westend-Verlag 2020
320 Seiten, 19,95 Euro.  

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