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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.05.2018

Wettbewerb für die Bauakademie von Schinkel62 Millionen Euro und kein Konzept

Sigrid Brinkmann im Gespräch mit Nikolaus Bernau

Die zerisssenen Planen des Umrisses der Berliner Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel, aufgenommen am 11.04.2017. (imago stock&people)
Zerissene Planen: Umriss der Berliner Bauakademie, wie sie einst von Karl Friedrich Schinkel geplant worden war (imago stock&people)

62 Millionen Euro hat der Bund für den Wiederaufbau von Karl Friedrich Schinkels Bauakademie in Berlin zur Verfügung gestellt. Ein Wettbewerb sollte klären, wie das zukünftige Gebäude genutzt werden soll. Jetzt wurden gleich fünf Gewinner präsentiert.

Wie soll die Nationale Bauakademie in Berlin genutzt werden? Im Wettbewerb dazu hat eine Jury nun gleich fünf Entwürfe prämiert und sie der Öffentlichkeit präsentiert. 73 Vorschläge waren eingereicht worden.

Fünf Gewinner - das sei sehr ungewöhnlich, sagte der Architekturhistoriker Nikolaus Bernau im Deutschlandfunk Kultur. In der Begründung der Jury hieß es demnach, man habe alle Möglichkeiten aufzeigen wollen, die für die Nutzung des Gebäudes, das an der Stelle der ehemaligen Akademie entstehen soll, denkbar sind.

Detailliert und an Schinkel orientiert

Die Vorschläge der fünf Architekten seien teils "sehr detailliert" und stark an Schinkel orientiert - in einem Fall aber auch "absurd", so der Kritiker. So habe das deutsch-schweizerische Team "Studio Europa" einen skulpturalen, 22.000 Quadratmeter großen, leeren Raum präsentiert.

Dagegen lobte Bernau den Entwurf der Architektur Galerie von Ulrich Müller aus Berlin: "Da ist jemand vorangegangen, der sehr genau weiß, wie man mit Architektur umgeht, wie man Architektur ausstellen soll." Müller schlage einen sehr offenen Grundriss vor, der sich am historischen orientiere, "dort aber nicht zu eng ist", so Bernau.

Geld für den Bau, aber nicht für den Betrieb

Das Problem sei nun, dass man 62 Millionen Euro für die Fassadenwiederherstellung habe, aber kein Geld für den Betrieb des Gebäudes, sagte Bernau. Das werde in den Vorschlägen nicht thematisiert: "Wenn man dauernde Ausstellungen machen will, wie es dort geplant ist, kostet das ungeheuer viel Geld, und das ist bis jetzt überhaupt nicht eingeplant."

Die Jury habe klargemacht, dass man nicht bauen könne, ohne vorher ein echtes Nutzungskonzept zu haben: "Eigentlich hat sie durch die Blume zu verstehen gegeben: Einfach so Schinkel geht eben nicht", betonte Bernau: "Die Jury hat im Grunde genommen das ganze Thema Nutzung zurückgegeben an die Politiker."

Der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel als Standbild und Plakat auf dem Schinkelplatz in Berlin-Mitte.  (imago )Um sein Erbe geht es: der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel (imago )

Initiiert wurde der Wettbewerb vom Bundesbauministerium. In einem ersten Schritt sollten Nutzung und Raumgestaltung geklärt werden. Ende 2018 oder Anfang 2019 soll es dann einen weiteren Wettbewerb für die äußere Gestaltung des Gebäudes geben. Die Nationale Bauakademie soll am Ort der historischen, von Schinkel entworfenen Bauakademie im Zentrum Berlins errichtet werden. Das Gebäude war im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1962 abgerissen worden.

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