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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 08.05.2016

Wettbetrug im Tennis Das Geschäft ist international

Von Jan-Christoph Kitzler

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Ein Tennisspieler schlägt vor dem Netz mit der Aufschrift "ATP World Tour" in Madrid auf.  (dpa-Bildfunk / EPA / Juan Carlos Hidalgo)
Ein Tennisspieler schlägt vor dem Netz mit der Aufschrift "ATP World Tour" in Madrid auf. (dpa-Bildfunk / EPA / Juan Carlos Hidalgo)

Die Staatsanwaltschaft Cremona ermittelt um Manipulation im Tennis. Zu den Angeklagten gehören auch zwei Unternehmer, die große Summen bei Wetten kassiert haben sollen. Die Tennisprofis Daniele Bracciali und Potito Starace sollen Teil der Bande gewesen sein.

Hören Sie dazu auch das Gespräch mit dem Sportjournalisten Tom Mustoph:


In dem Prozess geht es um Spielmanipulation im Tennis verbunden mit Wettbetrug. Die Staatsanwaltschaft Cremona, die die Ermittlungen leitet gibt an, Beweise für einen Zeitraum zwischen Ende 2007 und Sommer 2011 in der Hand zu haben. Zu den insgesamt sechs Angeklagten gehören zwei Unternehmer aus Bologna, Francesco Giannone und Manlio Bruni, die große Summen bei Sportwetten im Tennis kassiert haben sollen.

Sie waren zuvor auch schon in Fußball-Wettskandale verstrickt. Auch die Tennisprofis Daniele Bracciali und Potito Starace sollen Teil der Bande gewesen sein. Bracciali, der unter anderem im italienischen Davis-Cup-Team gespielt hat, soll beispielsweise beim ATP-Turnier in Newport absichtlich bereits in der ersten Runde ausgeschieden sein und dafür 60.000 Euro kassiert haben.

Starace, der mal 27 der Tennisweltrangliste war, soll am 10. April 2011 300.000 für eine Niederlage im Finale des Turniers von Casablanca bekommen haben. Auch Partien in München, Hamburg, Paris oder Barcelona sollen manipuliert worden sein. Die Ermittler haben unter anderem Chat-Protokolle gesichert, die das belegen sollen.

Hintermänner erwirtschaften riesige Summen 

Vor der Anhörung in Cremona beteuert vor allem Starace seine Unschuld, auch sein Bruder Gianluca hat sich in diesem Sinne geäußert:

"Er ist da in eine Sache hineingeraten und weiß nicht einmal, wie das gekommen ist. Er wurde vom Sport besudelt, für den er sein Leben gegeben, sich selbst geopfert hat. Vom Italienischen Tennisbund hat er das nicht mit gleicher Münze zurückbekommen."

Dabei ist Italiens Sportgerichtsbarkeit noch recht milde mit den beiden Tennisprofis umgegangen. Die Sperre für Potito Starace, der auch Anfang 2008 schon wegen verbotener Sportwetten für ein paar Wochen gesperrt war, wurde inzwischen wieder aufgehoben, die für Daniele Bracciali auf ein Jahr reduziert.

Zu welchem Ergebnis Italiens Gerichte kommen, steht auf einem anderen Blatt. Die Staatsanwälte haben aber bereits gesagt, dass die beiden Sportler wohl eher kleine Fische sind, und dass es sehr schwer sein wird, den wahren Hintermännern, die mit Sportwettenbetrug riesige Summen erwirtschaften, auf die Schliche zu kommen. Das Geschäft ist sehr international und das große Geld wird längst nicht nur im Fußball gemacht, sondern auch im Tennis.

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