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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 02.04.2010

"Wer hat dich so geschlagen?"

Ärgerliche Deutungen des Todes Jesu

Von Pfarrer Rainer Stuhlmann, Köln

Jesus am Kreuz (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
Jesus am Kreuz (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Im Zentrum des christlichen Glaubens steht ein Ereignis brutaler Gewalt - die Kreuzigung Jesu. Für viele Glaubende ist das schwer nachvollziehbar und ein Ärgernis. Doch Millionen Menschen werden Opfer blutiger Gewalt auf Erden – gerade ihretwegen ist das Ärgerliche des Karfreitags nicht auszutilgen, sondern auszuhalten.

Es gibt eine Deutung des Todes Jesu, die heute hilft, Gewaltgeschichten zu unterbrechen, Versöhnung zu fördern. Nicht zuletzt eröffnet diese Deutung Möglichkeiten, sagt Autor Pfarrer Rainer Stuhlmann, in die Choräle aus Johann Sebastian Bachs Passionsmusiken einzustimmen.

"Jesus ist für unsere Sünden gestorben." Das ist die gängige Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Todes Jesu. Im Religionsunterricht an meiner Schule geht selbst nicht-religiösen Jugendlichen dieser Satz ganz leicht über die Lippen. Aber ebenso leicht entlarvt er sich als Floskel, weil ihn kaum einer plausibel machen kann. Da geraten selbst die kirchlich engagierten und gläubigen unter meinen Schülerinnen und Schülern in Erklärungsnotstand. Was haben unsere Sünden heute mit dem Tod Jesu damals zu tun?

Wenn sie selbst nicht weiter wissen, zitieren sie gerne den Katechismus oder das Gesangbuch. Viele alte Lieder haben Jesu Leiden und Sterben zum Thema. Und die Musik, vor allem die von Johann Sebastian Bach, hat sie bekannt und populär gemacht.

"Wer hat dich so geschlagen?", wird da zum Beispiel Jesus gefragt und dann geantwortet: "Ach, meine Sünden haben dich geschlagen". War Jesus so etwas wie ein Sündenbock? Hat Gott ihn geschlachtet, um die Sünden der Menschheit zu sühnen?

Kein Wunder, dass sich viele Menschen heute entschlossen gegen solche ärgerlichen Deutungen des Todes Jesu wehren!
"Ich möchte nicht, dass irgendjemand für meine Sünden sterben muss. Ich kann selber für den Mist gerade stehen, den ich verbockt habe. Wie kommt dieser Jesus dazu, ungefragt für mich zu sterben. Ich protestiere. Für mich jedenfalls soll keiner sterben."

Eine andere sagt kokett:
"Das wäre aber nicht nötig gewesen, Jesus!", und mag vielleicht dabei denken: "Was hab ich schon Schlimmes ausgefressen! Jedenfalls nichts, was mit dem Tod geahndet werden müsste."

Mit dieser traditionellen Deutung des Todes Jesu kann ich bei meinen klugen säkularen Jugendlichen in Köln kein Gehör finden. In meinem Unterricht hat sich ein anderer Zugang zum Verständnis des Todes Jesu bewährt.

Dass Jesus ein Opfer wurde, das leuchtet den Jugendlichen auf eine ganz andere Weise ein. Jesus ist ein Opfer menschlicher Gewalt. Ein Opfer politischer Willkür. Einer, der nichts Böses getan hat, wird von seinen engsten Freunden verraten und verkauft und von einer Militärjunta abgeurteilt, gefoltert und zu Tode gequält. Sein Tod – so formulieren sie selber – ist ein himmelschreiendes Unrecht.

Seine Leidensgeschichte ist eine Geschichte, die nach Gerechtigkeit schreit. Darin gleicht sie Millionen anderer Leidensgeschichten, die ihr vorangingen, seit Kain seinen Bruder Abel erschlug. Und die ihr gefolgt sind bis Auschwitz und in unsere Tage.

Es ist eine exemplarische, eine repräsentative Geschichte. Jesus steht hier stellvertretend für alle anderen Leidenden. Er ist ein Opfer menschlicher Gewalt unter vielen, die schon immer und bis heute wie Lämmer abgeschlachtet werden. In Terror und Krieg, durch Ausgrenzen und Verhungern. "Mein Lamm in Tigerklauen!", rufen Menschen aus, die ihre Liebsten ausgeliefert sehen – dem Sadismus im Folterkeller wie dem Missbrauch im Wohnzimmer.

Jesus als leidender Gerechter – das ist auch eine ärgerliche Deutung des Todes Jesu. Sie erregt Zorn und Wut. Das führt unweigerlich zur Klage: Brecht das Schweigen! Erhebt eure Stimme zum Protest! Macht die Leiden öffentlich! Klagt die Täter an und zieht sie zur Rechenschaft! Schreit eure Wut heraus!

"Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden? Eröffne den feurigen Rachen, o Hölle, zertrümmre, verderbe, verschlinge, zerschelle mit plötzlicher Wut den falschen Verräter, das mörd'rische Blut!"1

Die Leidensgeschichten dieser Welt sind ein großer Schrei nach Gerechtigkeit, der auf ein Echo wartet. Jesus unterscheidet sich von anderen Opfern menschlicher Gewalt einzig darin, dass er nicht wie alle anderen im Tod geblieben ist, sondern in ein neues Leben verwandelt wurde.
Über Jesu Prozess wurden nämlich die Akten nicht geschlossen. Über sein Grab ist kein Gras gewachsen. Dieses Opfer menschlichen Unrechts wurde rehabilitiert. Und zwar von der höchsten Instanz. Jesus wurde ins Recht gesetzt, ja selbst als Richter inthronisiert. So deuten die Menschen ihre Ostererfahrungen.

Gott gibt Jesus Recht - indem er ihn auferweckt aus dem Tod. Gott stellt sich so an die Seite der Opfer, ergreift für sie Partei, er solidarisiert sich, ja identifiziert sich mit dem Opfer menschlicher Gewalt. Gott macht sich selbst zum Opfer.

Damit kann Jesu Passionsgeschichte zugleich als Gottes Passionsgeschichte erkannt werden. Gott hat nicht nur Mitleid mit seinen leidenden Geschöpfen, sondern Gott leidet wirklich mit ihnen. Das heißt: Der Allmächtige verzichtet auf seine Macht. Gott hält die Ohnmacht seiner Geschöpfe aus.

Die ersten Christen konnten die Passion Jesu so deuten, weil sie Juden waren. Dass Gott in den Leidensgeschichten seiner Geschöpfe mit leidet, ist jüdischem Glauben nicht fremd.

Elie Wiesel, ein Überlebender von Auschwitz, erzählt: "Die SS erhängte zwei jüdische Männer und einen Jungen vor der versammelten Lagermannschaft. Die Männer starben rasch, der Todeskampf des Jungen dauerte eine halbe Stunde. 'Wo ist Gott? Wo ist er?', fragte einer hinter mir. Als nach langer Zeit der Junge sich immer noch am Strick quälte, hörte ich den Mann wieder rufen: 'Wo ist Gott jetzt?' Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: 'Wo ist Er? Hier ist Er ... Er hängt dort am Galgen ..."

Auf den Kopf gestellt ist mit dieser Antwort alles, was Menschen sich je über Gott in ihrem Herzen ausgedacht haben. Gott hängt in Auschwitz am Galgen? Können das Menschen glaubend und denkend nachvollziehen? Diese paradoxen Gedanken kann man nur denken, wenn man Gott nicht nur einfältig, sondern zweifältig, zwiespältig denkt: den allmächtigen und den ohnmächtigen in eins denkt.

Diese Deutung des Todes Jesu und seiner Auferstehung erzeugt Ärger einer noch ganz anderen Art. Im tiefsten Sinne ärgerlich ist es, wenn der Allmächtige auf seine Macht verzichtet. Und keine Antwort auf die Frage gibt, warum er sich so verhält.

"Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Mit diesem Verzweiflungsschrei auf den Lippen stirbt Jesus am Kreuz. So wird es im Matthäusevangelium erzählt. Und dann kommen Menschen zu der paradoxen Überzeugung: "Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen." Dieser Gottverlassene.

Was für Gottesbilder müssen da zerbrochen sein, wenn sich solche Erkenntnis Bahn bricht! Das Erstaunlichste daran aber ist, welche als erste zu diesem Glauben kommen. Es sind Gottlose: der Chef des römischen Exekutionskommandos zusammen mit denen, die Jesus hinrichten. Vielleicht wollten die biblischen Erzähler damit ausdrücken: Niemand kann so gottlos werden, dass er diesen Gott los würde. Gott bleibt selbst dem zugewandt, der sich von ihm abkehrt.

"Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das Ganze Land, bis zu der neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schriee Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani. Das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? ... Aber Jesus schriee abermal laut und verschied ... Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stück, von oben an bis unten aus.

Und die Erde erbebete und die Felsen zerrissen, und die Gräber täten sich auf, und stunden auf viel Leiber der Heiligen, die da schliefen und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann und die bei ihm waren und bewahreten Jesum, da sie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: "Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen."2

Wenn Jesu Passionsgeschichte zugleich die Passionsgeschichte des Gottessohnes ist, dann wird sie bedeutsam für die Passionsgeschichten der vielen. Die dem Einen widerfahrene Gerechtigkeit kann jetzt allen zugutekommen.

Wenn Gott Partei ergreift für die Opfer, dann haben diese in Christus einen Fürsprecher. Insofern können sie sagen: "Christus ist für uns gestorben". Er ist nämlich unser Anwalt. Er tritt für uns ein. Damit ich Recht nicht nur habe, sondern auch bekomme, brauche ich oft eine gute Anwältin, einen fähigen Rechthelfer, die sich meiner Sache annehmen. Wie wichtig Stellvertretung ist, erfahre ich ganz elementar, wenn ich aus welchen Gründen auch immer mein Recht nicht selbst durchsetzen kann.

Auf dem Isenheimer Altar hat Matthias Grünewald den Körper des Gekreuzigten ekelhaft gemalt. Über und über ist er mit eiternden und blutenden Geschwüren übersät. Als ich das Original in Colmar sah, erfuhr ich, dass der Altar für ein Hospiz gemalt wurde, in dem Menschen bis zu ihrem Tod gepflegt wurden. Sie waren mit sogenanntem Mutterkorn vergiftet, das zusammen mit dem Brotgetreide heranwuchs und verarbeitet wurde und dessen Gefährlichkeit im 15. Jahrhundert noch unbekannt war. Die Körper der Vergifteten verfaulten in einem langsamen quälenden Sterbeprozess und sahen so aus wie der Körper von Jesus auf ihrem Altarbild.

Die Leidenden blickten also auf zum "großen Schmerzensmann", wie Jesus in dieser Tradition ausdrucksstark bezeichnet wurde. Der "große Schmerzensmann" predigt den Menschen nicht: "Ich bin für deine Sünden gestorben". Nicht für das Böse, das Menschen tun, sondern für das Böse, das sie erleiden, wird die Bedeutung des Todes Jesu hier entfaltet. Wenn die qualvoll Sterbenden den Gekreuzigten anschauten, wurden sie gewiss: "Gott, weiß, wie mir zumute ist. Er hat meine Krankheit, meine Wunden, meine Schmerzen am eigenen Leibe ertragen. Der Sohn Gottes ist ein Opfer wie ich. Er ist der beste Anwalt der Welt, der mir Gerechtigkeit verschaffen kann."

So kommt es zu einer wechselseitigen Solidarität im Leiden. Einerseits vertrauen die Leidenden auf Gottes Treue bis in die Todesstunde hinein:
"Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir! Erscheine mir zum Schilde in meiner Todesnot!" So endet das Gebet zum großen Schmerzensmann, das mit den Worten "O Haupt voll Blut und Wunden" beginnt.

Anderseits führt das Leiden Gottes zu dem Willen, mit den Leidenden solidarisch zu sein. Zunächst mit dem leidenden Jesus. Und weil Jesus der Repräsentant der leidenden Menschen ist, ruft er die, die ihm nachfolgen, auf, auch solidarisch mit anderen leidenden Menschen zu werden. Das kann bedeuten, gegen das Leiden zu kämpfen, Widerstand zu leisten und zu organisieren, für das Recht derer zu kämpfen, die ihr Unrecht nicht selbst beseitigen können. Das kann aber auch bedeuten, die eigene Ohnmacht aus zu halten und der Ohnmacht anderer stand zu halten

"Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht. Wenn dein Herz wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schoß."3

Wenn Gott eindeutig und provokativ auf der Seite der Opfer steht, dann ärgert das die Täter. Denn dann steht er den Tätern gegenüber und zieht sie zur Verantwortung. Der Anwalt, der Rechtshelfer, der Opfer ist zugleich Richter über die Täter.

Wenn die Leidensgeschichte des Gottessohnes repräsentativ ist für die Leidensgeschichten der vielen, dann lädt sie nicht nur zur Identifikation mit den Leidenden ein, sondern dann überführt sie uns auch als Täter oder Mittäter, Komplizen, Mitläufer, Verdränger, Weggucker ... Der göttliche Richter schaut uns also mit den Augen der Opfer unserer Taten an.

"Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan". "Und was ihr an Hilfe für sie unterlassen habt, das habt ihr mir gegenüber unterlassen", sagt der himmlische Richter. Jesus hat das den Seinen eingeschärft. Uns werden auf diese Weise die Opfer unserer Taten vor Augen geführt.

Oft haben Künstler die Leidensgeschichte Jesu so ins Bild gesetzt, dass ihre Zeitgenossen die Leidenden ihrer Zeit, die Opfer gegenwärtiger Gewalt erkannten. In Köln gab es zu einer Aufführung von Bachs Matthäuspassion ein Textheft, in dem der Bibeltext mit Fotos vom 11. September, von Massakern in Peking, von Folterszenen in Abu Ghraib konfrontiert wurde.
In den Passionsliedern werden Fragen an Jesus gestellt: "Wer hat dich so geschlagen?", "Wer ist's, der dich verrät?" Diese Fragen werden jetzt zu Fragen an die Geschlagenen und Verratenen unserer Zeit Vielleicht an die Kinder in Pakistan, die unsere Fußbälle nähen oder das Nachbarkind, das von seinem Vater misshandelt wird. Und dann können die Antworten der Choräle unsere werden: "Ich bin's. Ich sollte büßen ... " "Ich, ich und meine Sünden ... " Sie halten uns den Spiegel vor, in dem wir erkennen können, wie sehr wir schuldhaft in die kleinen und großen Leidensgeschichten dieser Welt verflochten sind.

"Ich bin's, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen gebunden in der Höll'. Die Geißeln und die Banden, und was du ausgestanden, das hat verdienet meine Seel'."4

Der Richter zieht die Täter zur Verantwortung. Das tut er, weil er für die Opfer eintritt. Es geht ihm darum, dass den Opfern Gerechtigkeit widerfährt. Nur darum kommen auch die Täter in Blick. Und deshalb vernichtet er die Täter nicht. Als Anwalt der Opfer verurteilt er die böse Tat, aber nicht die Täter. Er bricht nicht den Stab über sie, sondern eröffnet ihnen die Möglichkeit der Bewährung. Er gibt eine "zweite Chance". Das heißt traditionell: Der Richter ist den Tätern gnädig, er vergibt ihnen ihre Schuld.

Den Opfern wird Gott als ihr Anwalt gerecht, den Tätern als ihr gnädiger Richter, der sie zurecht bringt. Die Täter stehen nicht mehr unter dem Diktat ihrer Vergangenheit. Sie sind befreit vom Druck eines permanent schlechten Gewissens, vom Bann ihrer Schuld. Deshalb können Menschen nicht nur, wenn sie unter dem Bösen leiden, sagen: Christus ist für uns gestorben, sondern auch wenn sie Böses getan haben. Wird Schuld vergeben, so fragt die Gerechtigkeit: Wer kommt für den Schaden auf? Wer leistet Ersatz? Wer sühnt? Auch hier ist die Antwort ganz und gar jüdisch: Gott selbst. Gott stiftet die Sühne. Die Botschaft vom gnädigen Richter nimmt den Menschen alle Angst vor dem Tod.

Freilich diese unverdiente Gnade ist dem ängstlichen Gewissen kein bequemes Ruhekissen. Sondern diese unverdiente Gnade ermöglicht, dass ich heute mit getröstetem Gewissen etwas besser mache, als ich es gestern getan habe. Dass ich eine zweite Chance habe, die ich ergreifen kann, das öffnet die Augen für die Spielräume, in denen ich heute das Böse meiden und das Gute tun kann.

"Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein. Hat uns doch dein Sohn verglichen durch sein' Angst und Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld. Aber deine Gnad' und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets in mir befinde."5

Die Begnadigung der Täter ist die Kehrseite von Gottes Parteilichkeit für die Opfer. Diese Kehrseite aber hat sich später in der Theologie verselbständigt. Sie ist zu einer Theorie geworden, in der die biblische Botschaft auf den Kopf gestellt wird. In dieser Theorie erscheint Gott wie ein beleidigter Corps-Student, der Satisfaktion fordert und Blut sehen will, dem ein Sühnopfer dargebracht werden muss, um seinen Zorn zu stillen. Diese bibelfremde Theorie hat leider Katechismen und Choräle bestimmt und sich auch in den Passionsmusiken Johann Sebastian Bachs niedergeschlagen. So schön diese Musik auch ist, so sind doch auch viele ihrer Texte von der Bibel her zu kritisieren.

In der Bibel wird der Tod Jesu als Gottes Selbsthingabe gedeutet. Gott opfert sich. Das ist das Ende aller menschlichen Opfer. Gott können und dürfen keine Opfer dargebracht werden. Auch Jesus wurde nicht zum Sündenbock. Wenn es heißt, dass er für uns geopfert wurde oder dass er sich geopfert hat, dann ist es immer der Gottessohn, also Gott selbst. In der gesamten Geschichte Jesu geht es um Gottes Selbsthingabe, seine selbstlose Liebe zu uns Menschen.

Musik:
Johann Sebastian Bach, Matthäuspassion, La Chapelle Royale und Collegium Vocale Gent
Howard Crook, Ulrik Cold, Philippe Herreweghe, 1984, Harmonia mundi 1985.

Adagio aus dem 2. Brandenburgischen Konzert, Concentus musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt, 1964.

1 Nr. 27b
2 Nr. 61 und 63 i.A.
3 Nr. 17
4 Nr. 10
5 Nr. 40


Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrerin Petra Schulze, Senderbeauftragte für Deutschlandfunk und Deutsche Welle für den Medienbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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