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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.04.2007

Wenn Roboter arbeiten

Ausstellung im Berliner Museum für Kommunikation

Von Jens Brüning

Parallelroboter bestechen durch ihre hohe Geschwindigkeit und Exaktheit. (tu-bs.de)
Parallelroboter bestechen durch ihre hohe Geschwindigkeit und Exaktheit. (tu-bs.de)

Mehr als 200 Roboter sind ab Donnerstag im Museum für Kommunikation in Berlin zu sehen. Die Ausstellung zeigt unter dem Motto "Die Roboter kommen!" die Geschichte der Maschinen. Zu den Höhepunkten der Schau gehört ein Trompeterautomat aus dem 19. Jahrhundert.

"”O schön! Schön, dass Sie kommen konnten! Wenn Sie wüssten, wie mich das freut!""

Der Service-Roboter mit dem einladenden Namen "Komm rein" ist schon da, und seine Service-Kollegen brummen auch schon ein paar Jahre durch die Museumsflure. "Komm rein" kann ein wenig nervig sein, insofern ist er sehr menschlich:

"Und noch Freunde mitgebracht! Schön! Oder gehören die Herrschaften nicht zusammen? O, pardon, pardon! Aber nun hat man sich auf diese Art doch kennen gelernt. Ich sage immer: Hauptsache, Mann und Frau spricht miteinander…"

Diese kleine Nervensäge ist ein spielerischer Roboter, und die haben, wie man in der Ausstellung sehen kann, Tradition. Johanna Sänger, eine der beiden Projektleiter, beschreibt ein frühes Exemplar:

"Ein Trompeterautomat, der äußerlich den Anschein eines menschlichen Wesens hat, ein militärisch gekleideter Trompeter, der aber eigentlich ein Musikautomat ist, also eine uhrwerksgesteuerte Maschine ist mit einem Blasebalg und mit einem Stimmenwerk versehen, und der militärische Signale spielen konnte, und die Menschen im frühen 19. Jahrhundert auf Jahrmärkten und in der Öffentlichkeit sehr beeindruckt hat."

So kläglich er klingt: Fesch sieht er aus in seiner Husarenuniform. Im Hof des Museums spielt eine Roboterband in einem Jahrmarktszelt. Die Blechkerle werden elektrisch-pneumatisch betrieben, sehen aber sehr professionell aus, und der Saxofonsolist erhebt sich stilgerecht zu seinem Solo.

Sie haben ein Repertoire von fünfhundert Musikstücken. Von 1958 bis 1984 waren sie auf Tournee. Die Idee entsprang den Köpfen einiger französischer Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren. Als sie wieder frei waren, bauten sie ihre Unterhaltungskapelle, ein hoch kompliziertes Maschinenwerk mit Lochkarten und Fotozellen, Blasebälgen und Lichtorgel.

An sich sind Roboter zum Arbeiten erfunden worden. So weiß Projektleiter Bodo-Michael Baumunk:

"Der Roboter ist die einzige technische Innovation, dessen Begriff auf ein Theaterstück zurückgeht. Da fällt mir kein weiteres Vergleichsbeispiel ein. 1920 hat Karel Čapek dieses Theaterstück RUR geschrieben, und er stammte aus Tschechien, und hat das tschechische Wort robot für arbeiten in die Welt gesetzt, deswegen nennen wir die heute Roboter."

Und eine noch ältere Fundstelle lässt sich auch finden: Homers "Ilias", in der Hephaistos, der Schmied, beschrieben wird.
"Zur Tür hinaus hinkte der Herre, gestützt von dienstbaren Mädchen. Die waren aus Gold, doch glichen sie lebenden Jungfraun. Sie besitzen im Innern Verstand selbst und das Vermögen der Sprache. Kraft haben sie, und von den unsterblichen Göttern erlernten sie allerlei Künste."

Als Arbeitskräfte sind Roboter heute überall beschäftigt Rolf Dieter Schraft, ehemaliger Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart, hat die ganze Geschichte miterlebt und mitgestaltet.

"Das fing 1954 an mit der ersten Patentschrift. Das war der erste, überhaupt ernst zu nehmende Industrieroboter. In Deutschland war man 68/69 in Sindelfingen war die erste Straße mit Industrierobotern, so genannte Seitenwandstraße bei Daimler, bei Mercedes hieß es damals. Es war die S-Klasse, wo die Seitenwände geschweißt wurden. Heute ist das weltweit überhaupt kein Thema mehr, Industrieroboter sehen alle gleich aus, das ist eine Komponente, wie jede andere auch, das ist eine normale Maschine, die kaufen Sie, die wird programmiert und eingesetzt, es ist überhaupt kein Thema mehr."

In seinen Ruhestand hat sich Rolf Dieter Schraft einen automatischen Staubsauger mitgenommen, nicht nur zur eigenen Freude.

"Wunderbar! Schalte das Ding an, läuft stundenlang, das größte Spielzeug für meine Enkel, die bauen dann Hindernisse und versuchen, den auszutricksen. Der lässt sich nicht austricksen. Der saugt zwar dann nicht sauber, aber macht Spaß."

Dagegen waren frühere Roboter Volltrottel. Bodo-Michael Baumunk über ein Exemplar, das 1939 auf der Weltausstellung New York Furore gemacht hat. Er wird im Film gezeigt:

"Elektro konnte eigentlich ein paar Schritte gehen, und er konnte rauchen. All diese frühen Roboter haben immer geraucht oder sie haben galant Feuer gegeben, das war eigentlich eine ihrer ganz hervorstechenden Fähigkeiten, und Sie sehen dann in dem Film auch Stimmen aus dem damaligen Publikum, die gesagt haben, so etwas Faszinierendes haben wir noch nie im Leben gesehen."

Viel gibt es zu sehen, manches zu bestaunen. Wer sich als Hirnchirurg betätigen möchte, bekommt wenigstens virtuell die Möglichkeit dazu. Die Angst vor dem allmächtigen Maschinenmenschen kann man zu Hause lassen. Kein Terminator betritt den Raum, und keine Killerbienen summen durch die Lüfte. Bodo-Michael Baumunk:

"Sie werden oben bei den Robotern, die wir zeigen, sehen, das sind alles künstliche Tiere, künstliche Menschen-Maschinenwesen, alles Roboter zum Liebhaben."

"O schön! Schön, dass Sie kommen konnten!"


Service:
Die Ausstellung ist vom 5. April bis zum 2. September 2007 zu sehen.

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