Seit 03:00 Uhr Nachrichten

Donnerstag, 20.09.2018
 
Seit 03:00 Uhr Nachrichten

Hörspiel | Sendung am 28.10.2018 um 18:30 Uhr

Wenn die Worte verschwinden, bleiben Gedanken als TonspurenDie Stille hinter den Worten

Von Ulrike Haage

Podcast abonnieren
Ulrike Haage im Hörspielstudio, Produktion des Hörspiels "Lockbuch" (Cordula Kropke )
Ulrike Haage im Hörspielstudio (Cordula Kropke )

Ein Autor hat sich davongemacht. Ein paar Worte hat er uns hinterlassen, die nur noch in blassen Erinnerungsfragmenten die Räume beleben; Worte, die wie fern vergangene Reflexe einstiger Ideen aufscheinen. Seine Abwesenheit zeichnet eine tönende Spur des Verschwindens, weckt die Erinnerung an eine schemenhafte Präsenz, die nun nicht mehr Sprache ist, sondern bloßer Nachhall der Worte – Gedankenspuren, die sich in Tonspuren verwandelt haben.

Wir, die Verlassenen, bleiben zurück in dem Raum des vollen, erfüllten Schweigens. Doch zwischen den Geräuschen, den Satzfragmenten und den Tönen muss ES noch zu finden sein: dieses Gewesene, das so gegenwärtig ist. Jeder Ton, jede Silbe, jedes Wort und jeder Name gleicht einer Anrufung, um den Raum des Schweigens mit einer spürbaren Präsenz zu füllen: Schemen des Realen, der Leidenschaft, des Todes. Nichts verschwindet.

"Es entsteht eine pausenintensive Zwiesprache mit sich selber, Sätze treffen auf Worte und verschwinden in der Musik. Die Musik reagiert, erschafft einen wort-losen Raum, den Frei-Raum für eigene Gedanken. Die Stille hinter den Worten wird hörbar. Nichts verschwindet spurlos. Nicht in den Rissen der Welt, nicht im Arkanum des Schweigens." (Ulrike Haage)

Die Stille hinter den Worten
Hörspielkomposition in 9 Bildern
Von Ulrike Haage
Komposition und Realisation: Ulrike Haage
Mit: Anna-Lena Zühlke, Carlos Bica (Kontrabass),
Ulrike Haage (Präpariertes Klavier, Elektronik, O-Töne)
Produktion: BR 2008

Länge: 41'34

Ulrike Haage, geboren in Kassel, arbeitet an der Schnittstelle von Jazz, Avantgarde, klassischer Musik und Literatur. Neben ihrer Arbeit als Komponistin, Autorin und Regisseurin von preisgekrönten Hörspielen, schreibt sie Filmmusik und ist als Solopianistin und Scriptautorin tätig. Sie lebt in Berlin.

Hörspiel

Hörspiel: Ein Internat in der DDRDie Russische
Linda Olsansky  (Deutschlandradio / Jonas Maron)

Einmal im Jahr ist Tag der Neuen, darauf wartet das ganze Internat um das Lachen der Mädchen zu hören. Nachts lernen die Mädchen Zivilverteidigung, mit Gasmasken hetzen sie durch die Wälder. Die Russische läuft übers Feld.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur