Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Sonntag, 21.04.2019
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 23.08.2013

Wenn Avital auf Avital trifft

Der international gefeierte Mandolinist Avi Avital und sein ehemaliger Studienkollege Omer Avital spielen zusammen

Von Jonathan Scheiner

Podcast abonnieren
Der Mandolinespieler Avi Avital und der Bassist Omer Avital viel mehr gemein als nur ihren Nachnamen. (Jüdische Kulturtage / Andreas Caspari)
Der Mandolinespieler Avi Avital und der Bassist Omer Avital viel mehr gemein als nur ihren Nachnamen. (Jüdische Kulturtage / Andreas Caspari)

Die Idee zur Zusammenarbeit war seinerzeit schon auf der Musikakademie in Jerusalem entstanden. Wegen des gemeinsamen Nachnamens Avital waren die beiden Musiker aufeinander neugierig geworden, obwohl der eine Jazz und der andere klassische Musik studierte.

Auf den ersten Blick könnten die beiden Macher des Projekts Avital Meets Avital unterschiedlicher nicht sein: Der eine, ein Mandolinespieler, der zuletzt eine CD mit Musik von Johann Sebastian Bach veröffentlicht hat. Und der andere, ein Jazzbassist, der zuweilen auch zum Oud greift, der arabischen Kurzhalslaute. Doch tatsächlich haben der Mandolinespieler Avi Avital und der Bassist Omer Avital viel mehr gemein als nur ihren Nachnamen. Die beiden stammen aus Israel. Kennengelernt haben sich die beiden in Jerusalem am Konservatorium. Ihr gemeinsamer Nachname hat sie einst aufeinander aufmerksam gemacht. Doch dann haben sie sich erst mal wieder aus den Augen verloren.

Avi Avital hat Klassische Musik in Padua studiert und ist anschließend nach Berlin gezogen. Ursprünglich deshalb, weil er die Partystimmung in der deutschen Hauptstadt so sexy fand, doch inzwischen hat er dort eine Heimat gefunden. Parallel dazu hat sich Avi Avital zu einem der führenden Mandolinespieler gemausert. Er hat einen prestigeträchtigen Plattenvertrag bei der altehrwürdigen Deutschen Grammofon ergattert und wurde zuletzt sogar für einem Grammy nominiert. So was hatte es für die Mandoline in der Klassik bislang noch nicht gegeben.

Doch ein Musiker, der sich ausschließlich der Klassischen Musik verschrieben hat, ist Avi Avital nicht. Vielmehr unternimmt der Mandolinespieler regelmäßig Ausflüge in andere Musikgattungen, spielt Klezmer mit Giora Feidman oder David Orlowsky. Und nun eben auch mit dem Jazz-Bassisten Omer Avital, der seinerseits eine schillernde Persönlichkeit ist. Es gibt eine Reihe wunderbarer Jazzplatten von dem in New York lebenden Israeli. Doch es gibt auch Aufnahmen von ihm, bei denen er jemenitische Popmusik spielt oder Piyutim aus Marokko. Eine weiteres gemeinsames Interesse der beiden Musiker, verrät Avi Avital.

"Ich wurde im israelischen Bersheva geboren. Meine Eltern wanderten in den 60er-Jahren als sefardische Familie von Marokko nach Israel aus. Wir lebten in einem dieser Mehrfamilienhäuser, in dem die Türen der Mieter immer offen standen und wo die Nachbarn eher wie nahe Verwandte waren. Einer meiner Freunde spielte Mandoline und so habe ich dieses Instrument kennengelernt. Später habe ich beschlossen, mich beim Kinderjungendorchester meiner Heimatstadt anzumelden.

Doch für mich als Kind bestand die erste musikalische Erfahrung darin, dass ich mit meinem Vater in die Synagoge gegangen bin und die marokkanischen Melodien gehört habe, die der Kantor gesungen hat. Ich bin mir sicher, dass sich irgendwo in meinen Genen diese marokkanischen Gesänge versteckt haben. Doch weil ich mein ganzes Leben lang Klassische Musik spielte, habe ich bis zu diesem Band-Projekt diese marokkanische 'Saat' nie wirklich gepflegt."

Auch die Familie von Omer Avitals Vater stammt aus Marokko. Dort hieß sie noch Abutbul. Die sefardische Musik und auch die Gebete von dort seien Teil seiner Kindheit gewesen, auch wenn er nicht religiös aufgewachsen ist. Als er später zum Studium nach New York ging, hat er angefangen, nach seinen Wurzeln zu suchen. Auch Omer Avital hat Karriere gemacht. Der Bassist und Oud-Spieler ist nicht nur enorm fleißig im Publizieren von CDs unter eigenem und fremdem Namen, sondern er ist über die Jahre zu einem der innovativsten israelischen Musiker in New York geworden.

"In New York leben alle irgendwie an einem Ort zusammen, aber jeder hat seine ureigene Form der Identität. Das hat dazu geführt, dass auch ich irgendwann anfing, über mich nachzudenken und was es bedeutet, aus Israel zu kommen und ein Israeli zu sein, dessen Familie aus dem Jemen und aus Marokko stammt. Also habe ich nachgeforscht und habe meine Eltern ausgefragt, habe Platten und Kassetten, CDs und Bücher gekauft.

Und je mehr ich mich in die klassische arabische Musik und die Musik aus Nordafrika vertiefte, erkannte ich die Verbindungen zum Jazz und anderer Musik. Für die Entwicklung meiner Musik hat es mir wirklich sehr geholfen, in New York zu leben, fern von Israel."

Der Bandname "Avital Meets Avital" klingt nach einem simplen Aufeinandertreffen von zwei Musikern. Tatsächlich aber handelt es sich um ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Denn der Mandolinespieler und der Bassist werden von zwei weiteren Ausnahmemusikern begleitet. Der eine, der Perkussionist Itamar Doari, ist der einzige Musiker der Band, der momentan in Israel lebt. Der andere lebt seit ein paar Jahren in Düsseldorf und ist bei den Jüdischen Kulturtagen bestens bekannt, weil er dort schon im letzten Jahr gefeiert wurde: der Pianist Omer Klein. Von ihm stammt auch das folgende Stück. Es trägt den einfachen Titel "España", doch es steckt viel mehr darin, als nur spanische Musik.

Aus der jüdischen Welt

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur