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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 28.09.2014

"Welttheater der Liebe""Die Hochzeit des Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart

Gast: Karl-Dietrich Gräwe; Moderation: Michael Dasche

Die Schwester Nannerl, Wolfgang Amadeus Mozart und der Vater Leopold (l-r) auf einem Gemälde, das im Salzburger Geburtshaus des Komponisten hängt, aufgenommen 1956. (picture-alliance / dpa / Georg Goebel)
Die Schwester Nannerl, Wolfgang Amadeus Mozart und der Vater Leopold (v.l.n.r.) auf einem Gemälde, das im Salzburger Geburtshaus des Komponisten hängt (picture-alliance / dpa / Georg Goebel)

Mozarts und Lorenzo da Pontes erstes gemeinsames Meisterwerk hat eine Fülle von Interpretationen auf der Bühne erfahren: als Sittengemälde des Ancien régime und "Sturmvogel der (französischen) Revolution", als Schwank im Geiste der Commedia dell’Arte, als zeitloses erotisches Intrigenspiel. Keine dieser Sichtweisen kann alleinige Gültigkeit für sich beanspruchen, sind doch Libretto und Musik von unerschöpflicher Vielschichtigkeit.

Dabei bringt Beaumarchais, Urheber der Komödie, den Plot des Stücks zunächst auf einen sehr einfachen Nenner: "Graf Almaviva, verliebt in die junge Susanna, die er verführen will, und die Bemühungen, die dieses Mädchen, ihren Bräutigam Figaro und die Frau des Grafen vereinen, um den Plan des absoluten Heuchlers zu Fall zu bringen. Das ist alles."

Schon das ist nicht wenig, und es potenziert sich noch einmal bei da Ponte und Mozart. Sie erst machen aus dem äußeren Hergang der antifeudalen Palastrevolte ein Verwirrspiel des Eros, des offenen und geheimen Begehrens, der bewussten und unbewussten Gefühle. Davon, von den inneren Beziehungen der Akteure "handelt" die Komödie eigentlich, macht sie - wie Walter Felsenstein es formulierte - zum "Welttheater der Liebe". 

Vor allem Mozarts Musik macht aus den Protagonisten, die zum Teil als Rollen-Typen in der traditionellen Opera buffa vorgebildet sind, menschliche Wesen mit Herz und Seele, mit Leidenschaften und Begierden. Geheime, den Figuren selbst kaum bewusste Regungen finden musik-"sprachliche" Darstellung im Orchestersatz, aber auch in den vielstimmigen Ensembleszenen, in denen gleichsam "hinter" die szenische Interaktion geblickt, das Nichtsichtbare hörbar wird.

Dadurch, dass Mozarts "Figaro" schwer befriedigend inszenierbar ist, wachsen der rein akustischen Realisation besondere Chancen zu. Wie sie in historischen Aufnahmen, etwa denen unter Karajan, Fricsay oder Kleiber, auf der einen, wie sie in aktuellen Aufnahmen unter René Jacobs oder Teodor Currentzis auf der anderen Seite genutzt werden - darüber Näheres in dieser Interpretationen-Sendung.

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